Eine Welt Camp 2013 hinterfragt Konsumverhalten

  • Bingen - 27.06.2013

Ein Zeichen gegen unnötigen und schädlichen Konsum setzten vom 29.05.13 – 02.06.2013 die über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Eine-Welt-Camps“ auf dem Jakobsberg bei Bingen am Rhein. Passend zum Motto „FAIRbrauchen“ stand kritisches Konsumverhalten im Vordergrund.

Dr. Andreas Fisch, Referent für Wirtschaftsethik im Sozialinstitut Kommende Dortmund, stellte in seinem Eröffnungsvortrag zu Beginn des Camps die wichtige Frage in den Raum: Welche Macht haben die Verbraucher, welche Macht habe ich persönlich, um Unternehmen auf einen fairen Weg zu bringen? Wir müssten nicht nur fair, sondern vor allem weniger konsumieren, betonte auch Soziologe Gerolf Hanke, denn auch Wachstum habe Grenzen. Brauche ich jedes Jahr ein neues Handy und muss ich wirklich Erdbeeren im Winter essen? Dabei stimmte eines besonders nachdenklich: Würden alle Menschen so leben wie wir Deutschen, bräuchten wir die Ressourcen von drei Erden.

Prozession der Eine-Welt-Camp Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Simon Plentinger

Flucht-Truck, ghanaische Trommeln, faire Pralinen

Vorträge, Erfahrungsaustausch, spirituelle Angebote und ein vielfältiges Angebot an Workshops standen auf dem Programm. Auch der Missio-Truck „Menschen auf der Flucht“ und das transmediale Lernerlebnis „Missio for life“ waren auf dem Jakobsberg.

In den realistisch und interessant aufgearbeiteten Ausstellungen, konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren, was es bedeutet, überstürzt zu flüchten oder in den Müllbergen von Manila vom Abfall anderer leben zu müssen.

Die Entscheidung zwischen den einzelnen Workshops fiel oft schwer: Ob gemeinsame Pilates-Übungen oder ghanaisches Trommeln, ob im Planspiel „Kakaohandel auf dem Weltmarkt“ die prekäre Situation eines Kleinbauern am eigenen Leib zu erfahren oder doch lieber unter der fachkundigen Aufsicht einer Konditormeisterin selbst Pralinen aus fairen Zutaten herstellen – für fünf Tage fast ein bisschen zu viele Angebote. Es blieb dennoch Zeit zum gemeinsamen Musizieren, Diskutieren und Erzählen.

Chillen in der Sonne: Martin Köhl (2. v. l.) mit anderen Jugendlichen beim Eine-Welt-Camp auf dem Jakobsberg. Simon Plentinger

Auf viel Interesse stieß auch der Workshop „Eine Welt ohne Geld?“ von Raphael Fellmer, der seit 2010 im Geldstreik lebt. Beständig setzt er sich gegen die Lebensmittelverschwendung in Deutschland ein, hält Vorträge an Schulen und Universitäten – selbstverständlich unentgeltlich – und träumt von einer Gesellschaft, die ohne Geld auskommt.

Und was bleibt?

Nach einem bunten und sehr kreativen Festabend, der von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gestaltet wurde, ging das Camp am Sonntagmorgen mit einem Abschlussgottesdienst zu Ende. Und was bleibt von all den Impulsen jetzt im Alltag zurück? Vieles! Denn ein Großteil der jungen Erwachsenen möchte sich für gerechtere Strukturen in unserer Welt einsetzen: Viele haben selbst als „MissonarIn auf Zeit“ (MaZ) Erfahrungen im Ausland gesammelt und Ungerechtigkeiten hautnah erlebt. Andere bereiten sich gerade auf einen Freiwilligeneinsatz als MaZ vor, an unterschiedlichsten Orten unserer Einen Welt.

Das nächste Eine-Welt-Camp findet in zwei Jahren wieder auf dem Jakobsberg statt.

Von Martin Köhl

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