Erzbischof beklagt Übergriffe auf Kirche in Zentralafrika

  • Paris - 25.06.2013

Die katholische Kirche in der Zentralafrikanischen Republik ist nach eigenen Angaben bevorzugtes Ziel von Übergriffen im Bürgerkrieg. Seit die Rebellen der Seleka im März die Macht im Land übernommen hätten, zahlten vor allem kirchliche Einrichtungen „einen hohen Preis“, sagte der Erzbischof von Bangui, Dieudonne Nzapalainga, vor Journalisten in Paris.

Die Tageszeitung „La Croix“ zitiert ihn mit den Worten, sein Land habe schon viele Krisen erlebt. Die Gewalt und die Menschenrechtsverletzungen der vergangenen Monate überstiegen jedoch alle vorherigen. Normalerweise sei ein Putsch nach zwei bis drei Tagen erledigt. Diesmal sei die Gewalt landesweit und dauere seit Monaten an.

Seleka-Chef Djotodia regiert im Alleingang

Die Seleka, eine Koalition verschiedener, vor allem muslimischer Rebellengruppen, hatte im März gegen die Regierung von Präsident Francois Bozize geputscht. Seleka-Chef und Übergangspräsident Michel Djotodia kündigte danach die Aufhebung der Verfassung sowie die Auflösung der Regierung und der Nationalversammlung an. Er will ohne sie die kommenden drei Jahre regieren bis 2016 demokratische Wahlen stattfinden sollen.

Als humanitäre Konsequenzen aus dem Sieg der Rebellen nannte der Erzbischof Überfälle, Plünderungen und Zerstörungen von Krankenhäusern, Schulen, Wohnhäusern, Kirchen, Geschäften und Produktionsstätten. Menschenleben würden nicht geschont, „von anderen Menschenrechtsverletzungen ganz zu schweigen“, so Nzapalainga. Er macht im ganzen Land eine gezielte Richtung der Gewalt „gegen die Kirche und gegen Andersgläubige als den Islam“ aus.

Um einen Religionskonflikt zu verhindern, hat sich der Erzbischof nach eigenen Angaben mit dem Ratspräsidenten der evangelischen Kirchen des Landes und dem Präsidenten der islamischen Gemeinschaft verbündet. Gemeinsam hätten sie auch das Hinterland besucht, um die dortigen Schäden durch Übergriffe zu begutachten.

Erzbischof von Bangui appelliert an internationale Gemeinschaft

Nzapalainga forderte die internationale Gemeinschaft nachdrücklich zum Schutz der Bevölkerung auf. Seine Landsleute dürften nicht vergessen werden. Der Erzbischof betonte, man dürfe nicht die Rebellen und den Islam vermischen. Allerdings müssten die Religionsverantwortlichen „auf die Taten ihrer Leute antworten“.

Die Zentralafrikanische Republik ist nach ihrer Verfassung laizistisch. In der ehemaligen französischen Kolonie gibt es rund 45 Prozent Protestanten, 35 Prozent Katholiken und 10 Prozent Muslime.

© KNA

Information

Ein aktuelles Hintergrundpapier des Netzwerks Afrika Deutschland (NAD) zur Machtübernahme in der Zentralafrikanischen Republik können Sie hier als Word-Dokument herunterladen.

www.netzwerkafrika.de