Zahl der Flüchtlinge weltweit auf Rekordstand

  • Genf - 19.06.2013

Die Zahl der Flüchtlinge weltweit hat den höchsten Stand seit 1994 erreicht. Ende 2012 zählte das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht. 15,4 Millionen davon waren Flüchtlinge jenseits der Grenzen ihres Heimatlandes, 937.000 Asylsuchende und 28,8 Millionen Binnenvertriebene, wie das UNHCR am Mittwoch in Genf aus Anlass des Weltflüchtlingstags am Donnerstag mitteilte.

Hauptgrund für Flucht und Vertreibung sei der Krieg, hieß es. Die meisten Flüchtlinge weltweit kommen aus Afghanistan, gefolgt von Somalia, Irak, Syrien und dem Sudan. Hauptsächlich nehmen Pakistan, Iran und Deutschland Flüchtlinge auf. In der Bundesrepublik leben nach der Statistik rund 590.000 Flüchtlinge.

Laut UNHCR leben die meisten der Flüchtlinge weltweit (81 Prozent) in Entwicklungsländern. Das Welternährungsprogramm erklärt die hohen Flüchtlingszahlen auch mit zunehmenden Wetterdesastern besonders diesen Regionen. Dürren und Überschwemmungen trieben etwa Menschen in Afrika vermehrt zur Flucht.

Zahl der Binnenflüchtlinge steigt

Zugleich war die Zahl der Binnenflüchtlinge 2012 so hoch wie noch nie, so die Vereinten Nationen. Besonders in Syrien und dem Kongo stiegen die Zahlen an. Von den Flüchtlingen weltweit sind rund die Hälfte (46 Prozent) Kinder unter 18 Jahren. Die Zusammenführung mit ihren Familien funktioniert laut dem Deutschen Kinderhilfswerk noch unzureichend. Kinder sollten nicht nur zu den Eltern, sondern auch zu Geschwistern oder Bekannten ziehen dürfen.

Im Caritas-Flüchtlingscamp Mafraq in Jordanien: Registrierung von neu ankommenden Flüchtlingen aus Syrien. Caritas international

Insgesamt sollten Flüchtlinge selbst entscheiden können, in welchem Land sie Asyl beantragen, findet der Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe im Bundestag. Er kritisierte die Bundesregierung, sich zu wenig für ein solidarisches europäisches Asylsystem eingesetzt zu haben. Daran ändere auch das vergangenen Mittwoch vom europäischen Parlament verabschiedete „Gemeinsame Europäische Asylsystem“ nichts. Der Vorsitzende des Ausschusses, Tom Koenigs, betonte, dass die meisten Flüchtlinge immer noch in äußeren EU-Ländern Asyl beantragen, etwa in Italien, Griechenland oder Spanien. Diese Staaten seien jetzt schon überfordert. „Die Aufnahmekapazitäten für Flüchtlinge sind nicht gerecht verteilt. Bei ernsten Krisen steht das System vor dem Zusammenbruch“, so Koenigs.

Grünen fordern Mindestaufnahmequote von Flüchtlingen

Der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Volker Beck, warnte die Bundesregierung indes davor, mit ihren Hilfszahlungen für syrische Flüchtlinge reine „Scheckbuch-Politik“ zu betreiben. Stattdessen müsse Deutschland eine Mindestaufnahmequote von Flüchtlingen einrichten. Die Aufnahme von 5.000 syrischen Flüchtlingen sei zu wenig.

Die internationale Hilfsorganisation Care erklärte den Flüchtlingsstrom aus Syrien indes zur schwierigsten humanitären Krise der Gegenwart. „Wenn weiterhin täglich so viele Menschen aus Syrien fliehen wie in den letzten Wochen, dann wird in zwei Monaten die Marke von zwei Millionen Flüchtlingen überschritten“, warnt Karl-Otto Zentel, Generalsekretär der Hilfsorganisation CARE Deutschland-Luxemburg.

„Ein dauerhafter Duldungsstatus ist für die betroffenen Menschen humanitär inakzeptabel und gesellschaftspolitisch nicht länger vertretbar.“

— Peter Neher, Caritas-Präsident

Der Deutsche Caritasverband forderte die Bundesregierung auf, eine Lösung für die Menschen zu finden, die auch nach Jahren in Deutschland noch immer keine gesicherte Aufenthaltsperspektive haben. Ein Leben in Duldung bedeute für die Betroffenen ein Leben in sehr prekären Verhältnissen und in ständiger Angst vor der Abschiebung. „Ein dauerhafter Duldungsstatus ist für die betroffenen Menschen humanitär inakzeptabel und gesellschaftspolitisch nicht länger vertretbar“, sagte Caritas-Präsident Peter Neher deutlich.

© KNA

UNHCR-Bericht „Global Trends“

Der Bericht bietet umfassende Daten und Statistiken zum Thema ''Flucht und Vertreibung im Jahr 2012''. Die Angaben beruhen auf Informationen von Regierungen, nichtstaatlichen Partnerorganisationen (NGOs) und eigenen Zählungen des UN-Flüchtlingskommissariats.

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