Vatikan: Für eine Kultur des Willkommens

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  • Vatikanstadt/Bonn - 13.06.2013

In Flüchtlingen und gewaltsam Vertriebenen Christus aufnehmen“, das ist der Titel der fast 70-seitigen neuen Richtlinie für die Migranten-Seelsorge, die am vergangenen Donnerstag im Vatikan präsentiert wurde. Der Päpstliche Rat „Cor Unum“ und der Päpstliche Rat der Seelsorge für Migranten und Menschen unterwegs erarbeiteten das Dokument gemeinsam. Im Zentrum steht die Seelsorge für Flüchtlinge und gewaltsam Vertriebene: Asylsuchende, Evakuierte, Opfer des Menschenhandels oder der Zwangsarbeit sowie Kindersoldaten.

Laut der Päpstlichen Räte soll das Dokument dazu dienen, „ein erneuertes Bewusstsein für die verschiedenen Formen der Zwangsmigration zu wecken und heranzubilden.“

Kritik an Asylpolitik

Ebenso stelle es einen Appell dar, Flüchtlinge und gewaltsam Vertriebene „als Gemeinschaft aufzunehmen, Mitgefühl zu zeigen, sie fair zu behandeln“. Auf diese Weise könne den Betroffenen mit nur einigen einfachen Schritten Hoffnung auf eine Zukunft gegeben werden. Doch selbst diese kleinen Schritte seien in vielen Ländern nicht garantiert.

Für einen stärkeren Opferschutz

So wird in dem vatikanischen Dokument beispielsweise die in vielen Staaten herrschende Praxis kritisiert, Opfern des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung zwar während der Zeit der Untersuchung gegen Menschenhändler eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen, sie nach Abschluss der juristischen Untersuchung jedoch in ihr Herkunftsland zurückzuschicken, ohne in jedem Fall für angemessene Begleitung und Schutz zu sorgen. Die Päpstlichen Räte beklagen, dass für diese Menschen in den wenigstens Ländern die Möglichkeit eingerichtet worden sei, im Aufnahmeland zu bleiben und sich – zumindest unter gewissen Bedingungen – in seine Gesellschaft zu integrieren. Die Päpstlichen Räte warnen: „Ohne angemessene Unterstützung laufen sie [die Betroffenen] unter Umständen Gefahr, von neuem Opfer des Menschenhandels zu werden.“

„Wir müssen mehr Bewusstsein schaffen“

Erzbischof Schick über Menschenhandel und Zwangsprostitution.

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Im Dokument heißt es weiterhin, dass eine strengere Einwanderungspolitik, strengere Grenzkontrollen und die Bekämpfung der organisierten Kriminalität heutzutage oft als Mittel betrachtet würden, um Menschenhandel zu verhüten. Dieser Ansatz sei allerdings unzulänglich, mahnten der Päpstliche Migrantenrat und der Päpstliche Rat „Cor Unum“. Um dem Menschenhandel wirksam entgegenzutreten, seien ganzheitliche Maßnahmen zum Schutz und zur Unterstützung der Opfer notwendig: „Wir müssen sicherstellen, dass die Opfer Zugang zu Gerechtigkeit, Sozialhilfe und Rechtsbeistand haben und Schadensersatz erhalten für alles, was sie erlitten haben.“

Darüber hinaus müsse innerhalb des gesetzlichen Rahmens dafür gesorgt werden, dass die einzelnen Menschenhändler oder die juristischen Personen verfolgt und ihre Finanzmittel beschlagnahmt werden, so der Bericht.

„Wir müssen sicherstellen, dass die Opfer Zugang zu Gerechtigkeit, Sozialhilfe und Rechtsbeistand haben und Schadensersatz erhalten für alles, was sie erlitten haben.“

Arbeitsausbeutung entgegenwirken

In Bezug auf den Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung forderten die Päpstlichen Räte, dass Arbeitsgesetze zur Regelung von Anstellungsbedingungen und -praktiken – wie z. B. die Arbeitszeit und die Ruhetage –, aber auch angemessener und gerechter Lohn durchgesetzt werden. Gleichzeitig müssten sich Konsumenten ihrer Verantwortung und der Bedingungen bewusst sein, unter denen bestimmte Produkte angebaut oder hergestellt würden.

Das Dokument „In Flüchtlingen und gewaltsam Vertriebenen Christus aufnehmen“ ist eine Aktualisierung der Veröffentlichung von 1992 „Flüchtlinge, eine Herausforderung an die Solidarität“. Es soll Seelsorgern in der Kirche, katholischen Organisationen, die sich mit den verschiedenen Hilfs- und Förderungsprogrammen für Flüchtlinge und Vertriebene befassen, sowie allen Gläubigen und allen Männern und Frauen guten Willens als Richtschnur dienen. (mit Material von Radio Vatikan)

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