Wanderausstellung informiert über Muslime in Deutschland

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  • Berlin - 03.06.2013

Kübra kann die Frage nicht mehr hören. „Wo ist denn dein Kopftuch?“, wird die junge Muslima mit den bunten Haaren oft gefragt. Die Frauen aus Kübras Familie tragen alle Kopftuch, aber sie will ihren Glauben so nicht ausdrücken. Die Stuttgarterin ist eine von sieben jungen Muslimen, die in einer am Montag in Berlin eröffneten Schau „Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland“ mit Comics und Videoporträts vorgestellt werden. Erste Station der Wanderausstellung ist die Otto-Hahn-Schule in Neukölln.

Die Ausstellung zeigt, wie vielfältig muslimisches Leben, aber auch die Menschen selbst sind. Denn ihre Religion ist oft nur ein Aspekt, der den jungen Muslimen wichtig ist. Kübra streicht sich eine grüne Haarsträhne hinter das Ohr und deutet auf ihre Gitarre, die hinter einer Scheibe steht. „Musik ist für mich auch total wichtig“, sagt sie. „Der Glaube an Gott ist das Allerwichtigste, aber es gibt natürlich auch andere Interessen.“

Miteinander ins Gespräch kommen

Kübra steht vor einer Wand mit einem Comic über Alltagssituationen von Muslimen. Es zeigt Vorurteile, die Muslime wie Nicht-Muslime haben. Neben den persönlichen Geschichten und Vorstellungen vermittelt die Ausstellung auch Zahlen und Fakten. Ein Kurzfilm zeigt die Entstehung des Islam und seine Ausdehnung bis nach Europa. An einer anderen Wand sind weitere Erklärungen über die Religion zu finden. Hauptanliegen der Initiatoren ist jedoch „miteinander ins Gespräch zu kommen“, wie die Projektleiterin der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Petra Grüne, bei der Eröffnung betonte.

Die Ausstellung „Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland“ in der Otto-Hahn-Schule in Neukölln wurde am 3. Juni 2013 eröffnet. KNA

Zusammen mit dem Bundesinnenministerium ist die bpb für die Ausstellung verantwortlich. In den kommenden zwei Jahren soll sie durch Schulen in ganz Deutschland wandern und dazu beitragen, dass sich „die Menschen mit ihren muslimischen Mitbürgern befassen“, wie Thomas Herzog als Ministeriumsvertreter erklärte.

„Es gibt nicht die eine Art von Muslimen, sie sind genauso vielfältig wie Christen.“

— Robert Jahn und Nina Mair, Dokumentarfilmer

Peer Trainer leisten Unterstützung

Dabei sollen auch sogenannte jugendliche Peer Trainer helfen. Diese jungen Erwachsenen werden dazu ausgebildet, Schülern zu zeigen, wie sie Gruppen durch die Ausstellung führen können. Detaillierte Unterrichtsmaterialien unterstützen auch Lehrer dabei, Projektarbeit zur Ausstellung durchzuführen und die Inhalte nachzubesprechen.

Wie etwa die Videoporträts von den jungen Protagonisten der Ausstellung, die die Dokumentarfilmer Robert Jahn und Nina Mair gemacht haben. Dabei führten sie viele Gespräche und gewannen eine simple Erkenntnis: „Es gibt nicht die eine Art von Muslimen, sie sind genauso vielfältig wie Christen.“ Oder eben andere Teenager – wie die Schüler der Otto-Hahn-Schule. „Es war wichtig, dass wir ihr Vertrauen hatten, sonst hätten wir das nicht drehen können“, so Mair. Die Jugendlichen, die in Lebensgröße in der Ausstellung präsentiert werden, hatten den Mut, über ihre Identität, ihren Glauben und ihr Leben zu erzählen. Und so dazu beizutragen, dass muslimisches Leben in Deutschland greifbarer wird. Kübra hat der Videodreh Spaß gemacht. Sie wünscht sich, dass diese Schau so manchen Betrachter zum Nachdenken bringt.

Von Barbara Mayrhofer

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Link-Tipp

Mehr Infos zur Ausstellung erhalten Sie auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung www.bpb.de .