Volks- und Raiffeisenbanken beenden Spekulationen mit Nahrungsmitteln

  • Frankfurt - 27.05.2013

Die DZ Bank, Dachorganisation von 900 Volks- und Raiffeisenbanken, sowie ihre Tochtergesellschaft Union Investment, ziehen sich aus dem Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen zurück. Das bestätigte eine Sprecherin des Verbands am Montag. Die Entscheidung zu diesem Schritt sei bereits Anfang des Jahres getroffen worden, so die Specherin. Zuvor hatte „Spiegel Online“ am Montag unter Berufung auf ein Schreiben des DZ Bank-Vorstands Lars Hille an die Verbraucherorganisation Foodwatch über die neue Regelung der Dachorganisation bei Nahrungsmittelspekulationen berichtet.

In dem Schreiben der Bank heißt es, dass nahezu alle Produkte mit Agrarrohstoffen aus dem Wertpapierangebot für Privatkunden in diesem Jahr ausliefen. Zudem würden keine Nachfolge-Produkte angeboten und auch Agrar-Derivate von anderen Banken würden nicht in den Vertrieb genommen. Produkte ohne Laufzeitende seien bereits von der Börse genommen worden oder seien mit Frist 3. Juni gekündigt worden. Er befürworte alle Anstrengungen, Derivate grundsätzlich über Börsen oder in speziellen Fällen über zentrale Clearing-Plattformen abzuwickeln, um für mehr Transparenz zu sorgen und das Vertragspartnerrisiko zu verringern, so Hille in seinem Brief an Foodwatch.

Die Verbraucherorganisation begrüßte die Entwicklung. An dem Vorhaben der DZ Bank sollten sich andere Institute ein Beispiel nehmen, erklärte Foodwatch-Chef Thilo Bode.

Im Januar hatten die Deutsche Bank und die Allianz erklärt, dass sie sich weiter an Finanzspekulationen mit Nahrungsmitteln beteiligen wollen. Einigen Banken wie der Commerzbank und der Deka war das Risiko dennoch zu groß. Sie haben Agrarrohstoffe aus ihren Fonds gestrichen. Es ist umstritten, ob es einen Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelspekulationen sowie steigenden Lebensmittelpreisen und dadurch ausgelösten Hunger gibt. Mehrere Wissenschaftler hatten erklärt, dass die Kritik an Nahrungsmittelspekulationen empirisch nicht zu belegen sei. Dagegen erklärten Hilfsorganisationen wie Oxfam oder Misereor, entsprechende wissenschaftliche Studien seien einseitig und lieferten „Unschuldsmythen“. Es gebe Hinweise zumindest auf indirekte Zusammenhänge. So lange es um ein existenzielles Thema wie Hunger gehe, müsse die Beweislast der Unschädlichkeit von Anlageprodukten bei den Geldinstituten liegen, so Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie bei Misereor .

© KNA