Aktion „STOPP: Schau hin“ von 28 Hilfswerken

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  • Bonn - 16.05.2013

Ein schwarzer Tag für Syrien: Wer am Donnerstag versucht, die Onlineauftritte von 28 Hilfswerken zu erreichen, sieht erst einmal wenig. Mit einer schwarzen, dem regulären Portal vorgeschalteten Seite möchten die Organisationen auf das Leid der Menschen in dem Nahost-Staat und die dringend benötigte Flüchtlingshilfe aufmerksam machen.

Unterstrichen wird der Aufruf „STOPP: Schau hin“ durch ein kurzes Video über die seit zwei Jahren andauernde humanitäre Krise in dem Land sowie Berichte in sozialen Medien wie Twitter und Facebook - Betrachter sollen innehalten, wenigstens kurz.

Im „wilden“ Flüchtlingslager von Damhamieh ( Bekaa-Tal, Libanon) haben sich 100 syrische Flüchtlingsfamilien aus Homs am Rande eines Neubaugebietes niedergelassen. Caritas international

Kirchliche Hilfswerke beteiligen sich

Auch die kirchlichen Werke Misereor, Malteser International, und die Johanniter-Unfall-Hilfe an der Aktion. Zudem ist das private Hilfswerk CARE und Organisationen wie das Welternährungsprogramm der Verneinten Nationen und die UN-Flüchtlingshilfe mit an Bord. „Mit dem Aktionstag bitten wir als deutsche Hilfsorganisationen gemeinsam um mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung für das Leid der Menschen in Syrien, das zu häufig hinter politischen Schlagzeilen verschwindet“, erklärt CARE-Generalsekretär Karl-Otto Zentel am Mittwoch in Bonn.

Die Aktion soll zum einen als Spendenaufruf dienen, aber auch Politiker aufrütteln. „Auf politischer Ebene erscheint eine Lösung weit entfernt. Die Flüchtlingszahlen in und außerhalb Syriens steigen täglich“, betont Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon.

80.000 Tote und 400.000 Verletzte

Aus diesem Grund seien lokale Partnerorganisationen weiter auf die humanitäre Hilfe aus Deutschland und ganz Europa angewiesen. Dem Leid dürfe nicht hilf- und tatenlos zugesehen werden, fügt Bröckelmann-Simon hinzu.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) berichtet von mittlerweile 80.000 Toten und 400.000 Verletzten, die der Konflikt in Syrien gefordert hat. Den Angaben zufolge braucht ein Drittel der Bevölkerung Syriens humanitäre Hilfe. Darüber hinaus ist die Zahl der registrierten Flüchtlinge in den Nachbarländern auf mehr als 1,2 Millionen gestiegen. Mehr als 450.000 haben das Land allein seit Beginn dieses Jahres verlassen. Drei Viertel der Flüchtenden sind Kinder und Frauen.

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Wasser und Strom werden knapp

„Den nicht abreißenden Flüchtlingsstrom können besonders die kleinen Nachbarländer wie Jordanien und Libanon kaum noch bewältigen“, berichtet die Länderbüroleiterin der Johanniter in Jordanien, Vera Voss. Immer mehr Menschen müssten sich die immer knapper werdenden Ressourcen wie Wohnraum, Wasser und Strom teilen - meist unter schlimmsten humanitären Bedingungen. Zudem werden laut CARE Deutschland oft die geflohenen Familien vergessen, die zu Anfang noch etwas Geld hatten, um sich selbst zu versorgen, nun aber ohne Rückkehrmöglichkeiten auch auf Hilfe angewiesen sind.

Mehr Einsatz von der Bundesregierung gefordert

Die Helfer fordern deswegen auch mehr Einsatz der Bundesregierung. Die Zusage, 5.000 Flüchtlingen aus Syrien in diesem Jahr die Einreise nach Deutschland zu gestatten, sei ein wichtiger, aber bei weitem unzureichender Schritt, sagt der Geschäftsführer der Organisation Pro Asyl, Günther Burkhardt. In Deutschland lebten rund 40.000 Syrer, die Verwandte aufnehmen wollten, wenn sie denn dürften.

Von Anna Mertens

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