Generaloberinnen trafen sich in Rom

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  • Vatikanstadt - 10.05.2013

Es war die erste große Zusammenkunft von leitenden Ordensleuten in Rom seit der Wahl von Papst Franziskus, dem ersten Ordensmann auf dem Stuhl Petri seit über 150 Jahren. Schon allein deshalb konnten die mehr als 800 Generaloberinnen aus 76 Ländern, die am Mittwoch vom Papst empfangen wurden, mit erhöhter Aufmerksamkeit rechnen.

Die Internationale Union der Generaloberinnen (UISG), deren 19. Vollversammlung jetzt in Rom endete, stellt allerdings ohnehin eine beachtliche Größe in der katholischen Kirche dar: Der Verband repräsentiert insgesamt rund 700.000 Ordensfrauen.

Angebliche Meinungsverschiedenheiten im Vatikan

Für Aufsehen sorgte die Konferenz allerdings vor allem wegen einer angeblichen Kritik von Kardinal Joao Braz de Aviz, dem Präfekten der Ordenskongregation, am vatikanischen Umgang mit dem Dachverband der US-amerikanischen Ordensoberinnen LCWR. Nach Medienberichten soll er sich am Sonntag vor den Ordensoberinnen darüber beklagt haben, dass das vatikanische Vorgehen im Fall der unbotmäßigen LCWR nicht mit ihm abgestimmt worden sei.

Das wurde umgehend als Kritik an der Glaubenskongregation gedeutet, die nach einem langjährigen Dialogprozess eine Reform des LCWR angeordnet hatte und ihn im vergangenen Jahr unter die kommissarische Leitung des Erzbischofs von Seattle, James Peter Martain, gestellt hatte.

Eine Untersuchung hatte Abweichungen des LCWR von der kirchlichen Lehre beanstandet, etwa in der Haltung zu Abtreibung, Sterbehilfe und zu einer Priesterweihe für Frauen.

Die Sache wirbelte so viel Staub auf, dass der Vatikan sich zu einer Klarstellung veranlasst sah: Es gebe keine internen Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit dem LCWR. Der Präfekt der Glaubenskongregation Erzbischof Gerhard Ludwig Müller und der Präfekt der Ordenskongregation arbeiteten in der Angelegenheit eng zusammen, hieß es in einer Erklärung. Die zitierten Aussagen von Braz de Aviz selbst freilich stellte der Vatikan nicht infrage.

Oberin: Frauen verfügen bisweilen über bessere Voraussetzungen als Männer

Das eigentliche Oberthema der fünftägigen Vollversammlung wurde weniger wahrgenommen: „Bei euch soll es nicht so sein. Leitungsdienst im Lichte des Evangeliums“. Ein Thema, das ebenfalls Sprengkraft in sich birgt. Das Selbstverständnis von Ordensfrauen müsse sich ändern, forderte etwa Schwester Josune Arregui, die Generalsekretärin der UISG. Es sei klar, dass Frauen, die erkannt hätten, dass sie die gleiche Würde wie Männer besitzen und über gleiche, bisweilen sogar bessere Voraussetzungen verfügten als diese. Mitunter seien die Schwestern „zu Rollen mit größerer Verantwortung berufen“, sagte die aus Spanien stammende Karmelitin Arregui am Rande der Vollversammlung.

Papst Franziskus, der als Jesuit aus einem Orden kommt, der selbst keinen weiblichen Zweig hat, ging in seiner Ansprache vor den Generaloberinnen freilich nicht auf die heikle Frage einer Gleichberechtigung ein. Seine Ausführungen über Autorität und Gehorsam lasen sich vor der jüngsten Entwicklung wie ein Appell an die US-amerikanischen Frauenorden:

Ordensleute müssten stets „mit der Kirche fühlen“ und treu zu Lehramt, Bischöfen und Papst stehen, forderte er. Und: Die Oberinnen hätten die „gesunde kirchliche Lehre in der Liebe zur Kirche und im kirchlichen Geist“ zu wahren.

Franziskus verlangt Kirchentreue

Selten hatte man den Papst bislang so nachdrücklich in einer öffentlichen Rede Kirchentreue einfordern hören. Freilich sagte er auch: Wahre Autorität bestehe im Dienst am Nächsten. Sie müsse stets verständnisvoll, helfend und liebend ausgeübt werden. Geschuldet war diese Aussage freilich wohl nicht allein der Entwicklung in den US-amerikanischen Frauenorden, sondern dem schon seit längerem feststehenden Oberthema der Vollversammlung.

Dass sich etwas ändern muss, um Frauenorden wieder attraktiver zu machen, zeigt die Statistik: Die Zahl der Ordensfrauen ist seit 1996 um mehr als 100.000 auf zuletzt 720.000 (2010) gesunken. Vor allem in Europa und Nordamerika ist der Mitgliederschwund besorgniserregend.

Von Thomas Jansen

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