Deutsche Erwartungen an den WJT

  • Köln - 10.05.2013

Es wird ein großes Fest des Glaubens sein: Der neue Papst Franziskus, der erste aus Lateinamerika, reist zum ersten Mal im Amt in seinen Heimatkontinent, um dort die katholische Jugend zu treffen: Franziskus beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro!

Und auch die Location am Zuckerhut wird Hunderttausende mobilisieren. Die Veranstalter rechnen mit zwei bis drei Millionen Teilnehmern. Aus Deutschland wird die Beteiligung freilich eher gering sein - lediglich rund 2.000, so schätzen die deutschen Organisatoren zusammen mit Jugendbischof Karl-Heinz Wiesemann.

Mindestalter bei 18 Jahren

Die Gründe dafür sind vielfältig. Einige, vor allem organisatorischer Art, liegen auf der Hand. Das Mindestalter für deutsche Teilnehmer liegt aus Sicherheitsgründen bei 18 Jahren - womit viele Interessenten von vorneherein draußen sind. Die Millionenstadt Rio mit ihrer hohen Kriminalitätsrate ist seit jeher kein ungefährliches Pflaster - und die veranstaltenden Leiter der kirchlichen Jugendämter tragen die Verantwortung für die Teilnehmer.

Vorstellung des Programms des Weltjugendtages 2013 durch Jugendbischof Karl-Heinz Wiesemann am 10. Mai 2013 in Köln - Teilnehmer der Pressekonferenz tragen den Weltjugendtagshut. KNA

Dazu kommen die hohen Kosten: Flüge nach Brasilien sind teuer, Brasilien als Reiseland ebenfalls. Zudem liegt der Termin des Events - der 23. bis 28. Juli - außerhalb der Sommerferien mehrerer Bundesländer, und viele über 18-Jährige sind auch bereits in Ausbildungsverhältnissen.

Routine statt Begeisterung?

Doch auch atmosphärisch und inhaltlich gab es bei deutschen Jugendlichen zuletzt Unbehagen. Viele fühlten sich in Sydney (2008) oder Madrid (2011) eher als Staffage denn als Angesprochene des Weltjugendtags. Zu weit vom Leben der Jugendlichen die Katechesen, zu sehr auf die Person des jeweiligen Papstes zugeschnitten die Events.

Einiges von der geistlichen Dynamik der Großtreffen, die 1985 der selige Papst Johannes Paul II. (1978-2005) ins Leben rief, schien von Routine bedroht.

Für Brasilien ist die Stimmung nun jedoch deutlich optimistischer: Rio werde sozialer und politischer werden als die Vorgängerveranstaltungen, hofft die deutsche Delegation. „Es wird nicht so wie in Madrid 2011, als Jugendliche massenhaft gegen die soziale Lage im Land protestierten und man den Eindruck hatte, die spanische Kirche duckt sich weg“, so der Präses des Bundes der Katholischen Deutschen Jugend (BDKJ), Pfarrer Simon Rapp. Damals sei nur Papst Benedikt XVI. in einer seiner Ansprachen auf das Anliegen der Protestierenden eingegangen.

Mein Rio: Walmyr Junior

Das Studium muss warten, denn einen Weltjugendtag in der Heimatstadt gibt es schließlich nur einmal. Daher ist für Walmyr sein Engagement Ehrensache.

Peter Theisen

„Brasilien wird anders“, meint Rapp. Sowohl das Land, die Umstände als auch Papst Franziskus „mit seiner Botschaft und den Zeichen zur radikalen Umkehr“ weckten bei vielen Jugendlichen neue Hoffnungen.

Mehr als eine "Glaubensparty"

Hoffnungen, die sich auch beim "International Youth Hearing“ Gehör verschaffen werden. In der „Hafenschule Rio“ kommen am 24. Juli Jugendliche zusammen, die in ihrem Land gegen Armut und Ungerechtigkeit kämpfen. Ihren Forderungskatalog wollen sie Papst Franziskus präsentieren.

Auch der Vize-Geschäftsführer des Bischöflichen Lateinamerika-Hilfswerkes Adveniat, Stephan Jentgens, glaubt, dass Rio mehr wird als nur eine internationale „Glaubensparty“. Papst Franziskus habe als Erzbischof von Buenos Aires klare Ziele für die Arbeit der Kirche formuliert. Dazu gehörten eine offene Kirche, gut ausgebildete Laien, eine Evangelisierung und die Unterstützung von Armen und Kranken. Diese „Kennzeichen der Kirche in Lateinamerika“ sollten auch den deutschen Teilnehmern „weltkirchliches Lernen ermöglichen“, so Jentgens.

Adveniat: WJT soll keine Mittelstandtsveranstaltung werden

Wichtig ist dem Hilfswerk, dass der WJT in Rio keine „Mittelstandsveranstaltung“ wird. Daher hat Adveniat ein Förderprogramm für lateinamerikanische Gemeinden aufgelegt, das auch armen Jugendlichen die Teilnahme ermöglichen soll. Und auch für die Daheimgebliebenen in Deutschland wollen Adveniat und die Deutsche Bischofskonferenz möglichst viel aus Rio rüberbringen: über die Homepage www.wjt.de und mit jungen Reportern vor Ort aus dem Projekt „Jüngerschaf(f)t“.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert sind die Weltjugendtage ein Zugpferd der weltkirchlichen Jugendarbeit. 2005 in Köln konnte man sich in Köln selbst ein Bild davon machen, als Tausende Jugendliche das Rheinufer säumten und dem damals neuen (deutschen) Papst Benedikt XVI. zujubelten. In Lateinamerika wird es mit dem neuen lateinamerikanischen Papst Franziskus ähnlich sein - nur eben mit weniger Präsenz aus Deutschland.

Von Alexander Brüggemann

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