EU-Politikerin fordert mehr Druck auf Textilindustrie

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  • Köln - 02.05.2013

Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch hat die grüne Europaabgeordnete Barbara Lochbihler auch Textilketten und Verbrauchern eine Mitverantwortung für die Missstände zugesprochen. Lochbihler schloss sich am Donnerstag im Deutschlandfunk der Einschätzung von Papst Franziskus an, der mit Blick auf die Arbeitsverhältnisse in dem Land von Sklavenarbeit gesprochen hatte.

Die EU-Abgeordnete forderte von Bangladesch eine strikte Umsetzung von Gesetzen, verbindliche Produktionsregeln und ein Umdenken der Verbraucher. Beim dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch waren in der vergangenen Woche über 400 Menschen gestorben. Die Zahl der Opfer dürfte aber noch weit höher liegen. Nach wie vor werden fast 150 Menschen vermisst.

Lochbihler betonte, dass Bangladesch als einer der weltweit größten Exporteure von Textilien 2006 ein gutes Gesetz verabschiedet habe, wonach Fabriken unabhängige Arbeitsinspektoren zulassen müssen. Dieses Gesetz werde aber vielfach nicht umgesetzt und durch Korruption unterlaufen.

EU-Kommission, Textilunternehmen und Verbraucher könnten Druck machen

Die grüne Abgeordnete forderte von der EU-Kommission, den Druck auf Bangladesch zu erhöhen und möglicherweise den Handel zu beschränken, falls internationale Sicherheits- und Gesundheitsstandards nicht durchgesetzt würden. Bislang könne das Land bestimmte Waren zollfrei und ohne Mengenbegrenzung in die EU einführen. „Das kann man einschränken“, sagte Lochbihler. Die EU ist nach Darstellung der Politikerin der größte Handelspartner für Bangladesch und einer der wichtigsten Geber.

An die Textilunternehmen in Europa appellierte Lochbihler, nur von solchen Zulieferern zu kaufen, die Sicherheitsstandards einhalten. Sie machte sich für eine Zertifizierung der Textilhersteller stark. Auch die Verbraucher sollten sich überlegen, zu Textilprodukten aus fairem Handel zu greifen.

Kampagne drängt auf auf sichere Gebäude

Die Kampagne für Saubere Kleidung forderte unterdessen Entschädigungen und einen verbindlichen Brand- und Gebäudeschutz. Alle beteiligten Textilunternehmen seien aufgerufen, umgehend mit den Gewerkschaften in Bangladesch in Kontakt zu treten, um die nächsten Schritte zu besprechen sowie die Nothilfeversorgung zu unterstützen.

„Die Unternehmen müssen endlich das verbindliche Abkommen zum Gebäude- und Brandschutz unterzeichnen, das schon vor zwei Jahren von lokalen und internationalen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen erarbeitet worden ist.“ Das Abkommen sieht unter anderem unabhängige Gebäudeinspektionen, Trainings zu Arbeitsrechten, öffentliche Auskunftspflicht und eine Überarbeitung der Sicherheitsstandards vor.

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