Caritas-Vertreter: „Heiliger Krieg“ in Syrien

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  • München - 26.04.2013

Der Präsident der Caritas Libanon, Simon Faddoul, sieht die Christen als „die größten Verlierer und Sündenböcke“ der Entwicklung im Nahen Osten. Besonders in Syrien gerieten Christen unter Druck. Das Vorgehen der Aufständischen dort trage inzwischen Züge eines islamischen „Heiligen Kriegs“, sagte der Caritas-Leiter in einer von der katholischen Hilfsorganisation „Kirche in Not“ am Freitag in München verbreiteten Stellungnahme. Unter den Rebellen gebe es auch Christen, aber mittlerweile würden „alle Nicht-Muslime vom Freiheitskampf des Volkes ausgeschlossen“.

Manche Regionen in Syrien stünden unter der Kontrolle islamistischer Gruppierungen, die von der christlichen Bevölkerung „eine Zwangssteuer für ‚Ungläubige‘, eine Art ‚Schutzgeld‘“ verlangten, so Faddoul. „Die Christen und alle anderen Nicht-Muslime sind in diesen Regionen heute Bürger zweiter Klasse“, sagte er.

Zwar sei das Regime von Präsident Baschar al-Assad totalitär und müsse geändert werden. „Aber es ist bis jetzt völlig unklar, was danach kommt.“ Man wisse nicht einmal, „wer in Syrien gegen wen und für was kämpft“, sagte der Caritas-Leiter. Diese Unsicherheit halte viele davon ab, die Rebellen zu unterstützen.

Faddoul beklagte eine Zerstrittenheit unter den Regimegegnern. Derzeit seien in Syrien über 100 verschiedene Gruppierungen in Kampfhandlungen verwickelt. „All diese Gruppierungen bekämpfen zwar das Regime, aber nicht zusammen. Das heißt, die Kämpfe könnten zu jeder Zeit auch zwischen den Rebellengruppen ausbrechen“, sagte er.

Faddoul: Westen handelt „widersprüchlich“

Besorgt äußerte sich Faddoul über eine mögliche weitere Eskalation durch eine Schlacht um Damaskus. Schon jetzt gebe es 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge im Libanon mit seinen vier Millionen Einwohnern. Bislang brauchten Syrer „nicht einmal einen Pass, um in den Libanon zu kommen“. Langsam stoße das Land an seine Grenzen bei der Aufnahme weiterer Flüchtlinge.

Das Engagement des Westens im Nahen und Mittleren Osten beurteilte Faddoul als „widersprüchlich“. „Auf der einen Seite wollen sie Demokratien fördern, aber auf der anderen Seite unterstützen sie Theokratien“, sagte er. Solange westliche Mächte nicht wahrhaben wollten, dass die Christen in dieser Situation verlören, werde es keine Fortschritte geben.

In Syrien setze sich ein „Dominoeffekt“ fort, der bereits im Irak, in Libyen und in Ägypten stattgefunden habe. Er hoffe, dass die Entwicklung nicht auch noch auf Jordanien und den Persischen Golf übergreife, sagte Faddoul. „Ich glaube, dass irgendjemand da draußen die Landkarte des Nahen Ostens ohne Rücksicht auf Menschenleben und Schicksale neu zeichnet“, sagte der libanesische Caritas-Chef.

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