Ein Ausbildungszentrum für Namoo

  • Sankt Augustin - 10.04.2013

Vier Jahre ist es her, dass Pater Moses Asaah Awinongya die Stiftung Regentropfen ins Leben gerufen hat – eine gemeinnützige Treuhandorganisation der Arnold-Janssen-Stiftung. Mit ihr unterstützt der Steyler Missionar, der selbst aus Ghana stammt, die Schulbildung von Kindern und Jugendlichen in seinem Heimatland. In erster Linie fördert die Stiftung Einzelne in ihrer Ausbildung oder im Studium. Das neuste Projekt der Stiftung Regentropfen ist der Bau eines Ausbildungszentrums im ghanaischen Bongo-Distrikt. Im September soll es eröffnet werden.

Frage: Pater Moses, warum braucht der Nordosten Ghanas ein Ausbildungszentrum?

P. Moses: Der Bongo-Distrikt an der Grenze zu Burkina Faso hat 84.000 Einwohner. In dieser Gegend gibt es keine einzige Berufs- oder Hochschule. Deshalb wandern viele jungen Menschen in den Süden ab, in der Hoffnung, dort einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Familien werden zerrissen, das Jugendpotenzial der Gegend geht verloren. Diejenigen, die bleiben, schlagen sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, die ihnen keine Zukunft garantieren. Viele geraten deshalb auf die schiefe Bahn. Wir wollen der Gegend dabei helfen, dass sie sich entwickelt. Den Jugendlichen steht das Recht zu, vor Ort eine solide Ausbildung zu bekommen – auf dass sie unabhängig werden und ihr Leben selbst bestimmen können.

Frage: Was soll das Ausbildungszentrum der Jugend bieten?

P. Moses: Mittel- bis langfristig wollen wir 200 bis 500 Studenten aufnehmen. Für den Anfang stehen erst einmal 70 Plätze zur Verfügung. Wir wollen dort die Berufsausbildung mit Wissenschaft kombinieren – so etwas gibt es in Ghana bislang noch nicht. In der ersten Phase wollen wir eine Ausbildung für Grundschullehrer anbieten, weil es in dieser Gegend nur sehr wenige gibt. Ferner wollen wir Agrarwissenschaftler ausbilden, damit die Jugendlichen den Ertrag landwirtschaftlicher Arbeit steigern und sich und ihre Familien selbst ernähren können, sowie Schneiderinnen und Schneider, die mit diesem Rüstzeug dann später ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen können. Zuletzt wird man bei uns eine IT-Ausbildung durchlaufen können, um den Umgang mit Technik und neuen Medien zu erlernen. Je nachdem, wie wir unterstützt werden, wollen wir auch das Studium der Betriebswirtschaftslehre, eine Schlosser- und eine Ingenieurausbildung anbieten. Auch Pläne für eine Kochschule haben wir schon griffbereit in der Schublade.

Frage: Auf der Baustelle in Namoo geht es voran. Wann ist die Eröffnung?

Blick auf die Baustelle: Die ersten Mauern des Ausbildungszentrum stehen schon. Steyler Missionare

P. Moses: In der ersten Jahreshälfte 2013 wollen wir das erste Gebäude, ein Lernzentrum, fertigstellen. Mit Gottes Hilfe wollen wir dort im September 2013 den Lehrbetrieb aufnehmen. Parallel dazu setzen wir den Bau der bereits begonnen Berufsschule fort und werden das Zentrum sukzessive um die geplanten Bausteine erweitern.

Frage: Wie trägt die Bevölkerung vor Ort das Projekt mit?

P. Moses: Das Engagement ist groß, die Leute waren von Anfang an bei der Sache und helfen beim Bau des Zentrums, so gut sie können, mit. Die Ausgrabungen für das Fundament etwa waren reine Handarbeit. Gräben sind gezogen, Flächen ausgehoben, Stahlgitter verlegt worden. Jung und Alt haben mit angepackt, bei Temperaturen zwischen 35 bis 40 Grad. Ohne Lohn, aber mit sehr viel Fleiß und Enthusiasmus, selbst in der Regenzeit im Sommer 2012, als ich das Projekt zuletzt besucht habe.

Frage: Wie finanziert sich das Projekt?

P. Moses: Es war zu Beginn nicht einfach, Leute zu finden, die sich begeistern ließen. Als der Startschuss dann einmal erfolgt war, kamen immer mehr Helfer dazu, auch deutsche Schulen und Stiftungen, die uns bis heute sehr engagiert unterstützen. Wir sind aber natürlich immer noch auf weitere Hilfen angewiesen, um den Bau fortsetzen zu können. Bei jedem, der uns in dieser Sache unterstützen möchte, komme ich persönlich vorbei und stelle das Projekt vor.

Frage: Wie kommen Sie als Steyler Missionar dazu, sich für die Lehre und das Studium junger Ghanaer einzusetzen?

P. Moses: Für mich gehört es zu unserer Aufgabe als Missionare, dass wir Menschen dabei helfen, selbstständig zu werden und ein erfülltes Leben zu führen. Als Kinder Gottes haben wir alle ein Recht auf Zuneigung und Liebe. Da, wo Not ist, wo es an Ressourcen fehlt, da sind wir gefragt zu handeln. Und da sind wir genau richtig.

Das Interview führte Markus Frädrich.

© Steyler Missionare

Stiftung Regentropfen

Die Stiftung Regentropfen wurde 2009 von Pater Dr. Moses Asaah Awinongya SVD gegründet. Sie ist gemeinnützig und als Treuhandorganisation der Arnold-Janssen-Stiftung aktiv. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche in Ghana zu fördern und im Bereich der Schul- und Berufsausbildung zu unterstützen.

www.stiftung-regentropfen.com