Große Sorge über Eskalation des Konfliktes

  • Vatikanstadt - 03.04.2013

Nach dem einseitigen Widerruf des Waffenstillstands zwischen Nord- und Südkorea brechen die Drohgebärden des nordkoreanischen Regimes gegen seinen südlichen Nachbarn nicht ab. Nordkorea hatte zudem kürzlich angekündigt, einen Reaktor in seinem umstrittenen Atomkomplex Yongbyon wieder hochzufahren. Dieser stellt einen wichtigen Teil des Atomwaffenprogramms des Landes dar.

Die USA ziehen Waffen in der Region zusammen, während China alle Parteien zum Dialog aufruft. Die Sorge wächst, dass ein falscher Schritt schlimme Konsequenzen haben könnte – und dass das offensichtlich mit dem Rücken zur Wand stehende Nordkorea seine Drohungen wahrmachen könnte. Die bescheidenen Vermittlungserfolge, die auch die lokale katholische Kirche in vergangenen Jahren verbuchen konnte, scheinen jedenfalls der Vergangenheit anzugehören. Radio Vatikan hat mit Südkoreas Botschafter am Heiligen Stuhl, Thomas Hong-Soon Han, gesprochen:

„Das Einzige, was wir tun können, ist für den Frieden und für die Versöhnung zu beten. Das koreanische Volk ist dem Papst sehr dankbar dafür, dass er Interesse und väterliche Sorge dafür gezeigt hat, in seiner ersten Osterbotschaft für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel einzutreten. Wir sind dem Papst wirklich für diese Aufforderung an alle Völker der Erde und für den Aufruf zu Frieden auf der Welt und in Asien dankbar.“

Die Situation sei in der Tat sehr ernst, so der Botschafter:

„Die Südkoreaner sind zuversichtlich, auch wenn sich das Land in einer Situation höchster Wachsamkeit befindet. Dieses Mal ist die Drohung wirklich übertrieben. Die Führungspersönlichkeiten im Norden können auch Irrtümer begehen. Auch ein kleiner Fehler kann ein Desaster heraufbeschwören, besonders für den Norden, aber auch für den Süden. Wir sind sehr besorgt.“

Frank Kraus ist Leiter der Auslandsabteilung des katholischen Hilfswerks Missio in Aachen. Er wurde gefragt, was eigentlich der Auslöser für eine derartige Verschärfung der Krise zwischen Nord- und Südkorea war:

„Die Verschärfung der Krise fing im Prinzip mit der Nachfolgeregelung 2011 an, als Kim Jong-Un als sehr junger Machthaber an die Macht kam. Seitdem muss er beweisen, dass er als sehr junger Mann das Land führen kann. Dies hat er dann durch verschiedene Atomtests, über verschiedene Langstreckentests immer wieder vorgeführt. Diese Woche tagt das Scheinparlament von Nordkorea und diese Zuspitzung dient wohl hauptsächlich der Machtdemonstration dieses jungen Führers. Dann spielt natürlich auch die asiatische bzw. südostasiatische Haltung, dass man unter keinen Umständen das Gesicht verlieren darf, eine große Rolle.“

Südkorea hat bekannt gegeben, dass es auf eventuelle kriegerische Provokationen direkt und ohne politische Umschweife reagieren wird. Aber wie ernst muss man die Drohgebärden Nordkoreas in dieser Situation nehmen?

„Das ist schwierig einzuschätzen. Allerdings sind nach unseren Einschätzungen mittlerweile die Drohgebärden bzw. das Säbelrasseln so weit gegangen, dass schon kleinste Fehler – egal auf welcher Seite – zur Katastrophe führen können. Es mag nicht in der Absicht beider Seiten liegen, einen Krieg regelrecht zu provozieren, aber mit der momentanen gegenseitigen militärischen Bereitstellung von Kräften kann ein kleiner Fehler zur großen Katastrophe führen.“

Die offizielle Sprachregelung in den USA heißt, dass sie nicht unmittelbar mit einem Kriegsausbruch rechnen. Dennoch ziehen sie Waffen in der Region zusammen. Welche Rolle spielt China in diesem Konflikt?

„Nach unserer Einschätzung möchte vor allem der neue chinesische Präsident am liebsten auch eine andere Konflikthaltung von Nordkorea haben. Das zeigt sich darin, dass sie in letzter Zeit alle UN-Resolutionen unterstützt haben. Aber auch China kann seinen Verbündeten Nordkorea, der schon sehr lange sein Verbündeter ist, nicht einfach fallen lassen. Ich denke, China will eigentlich keinen Krieg; will aber Nordkorea auch nicht fallen lassen.“

© Radio Vatikan