Nobelpreisträger Esquivel spricht mit Papst über Diktatur

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  • Buenos Aires/Rom - 21.03.2013

Papst Franziskus hat am Donnerstag den argentinischen Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel empfangen. Franziskus habe seinen Willen bekundet, „die Wahrheit, die Gerechtigkeit und die Wiedergutmachung der durch die Diktatur erlittenen Schäden“ voranzubringen, erklärte Esquivel nach dem Gespräch. Vor Journalisten in Rom betonte er weiter, die Wahl eines Lateinamerikaners zum Papst stehe für die Überwindung des Eurozentrismus in der katholischen Kirche.

Erneut nahm Esquivel Franziskus vor Anschuldigungen hinsichtlich seiner Rolle während der Militärdiktatur in Argentinien (1976–1983) in Schutz. „Der Papst hatte nichts mit der Diktatur zu tun. Er war weder ein Komplize der Diktatur, noch gehörte er zu jenen Bischöfen, die sich am meisten für die Menschenrechte einsetzten“, sagte der 81-jährige Bürgerrechtler. Der jetzige Papst Franziskus war ab 1973 Leiter der argentinischen Jesuitenprovinz. Bergoglio habe in der Diktaturzeit „auf stille Diplomatie gesetzt, um nach Verhafteten und Verschleppten zu forschen“.

Die Begegnung sei „sehr gut“ verlaufen, so Esquivel. „Wir haben über die Märtyrer der Kirche gesprochen, unter anderem Monsignore Romero von El Salvador und Enrique Angelelli.“ Den salvadorianischen Erzbischof Romero habe Franziskus als großen Propheten und Märtyrer bezeichnet; für ihn werde es am Freitagabend in der römischen Kirche San Marcello al Corso nahe dem Parlament einen Gedenkgottesdienst geben. Enrique Angelelli war wegen seines Einsatzes für Arbeiter in Argentinien 1976 in einem inszenierten Autounfall getötet worden. Oscar Romero, Erzbischof von San Salvador, wurde 1980 während einer Messe erschossen. Seit 1994 läuft ein Seligsprechungsverfahren für ihn.

Der 81-jährige Esquivel hatte nach dem argentinischen Militärputsch 1976 die Menschenrechtsorganisation „Dienst für Frieden und Gerechtigkeit“ gegründet. Er selbst wurde vom Regime verhaftet und gefoltert. 1980 erhielt er für seinen Einsatz gegen die Methoden der Junta den Friedensnobelpreis. Bereits kurz nach der Papstwahl hatte Esquivel auf seinem Twitter-Account Franziskus gegen Kritik verteidigt. Er halte Bergoglio „nicht für einen Komplizen der Diktatur“. Zugleich merkte er an: „Ich glaube aber, dass ihm der Mut fehlte, unseren Kampf gegen die Militärdiktatur zu unterstützen.“

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