Weltweite Ungerechtigkeit „schreit zum Himmel“

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  • Berlin - 18.03.2013

Der Misereor-Bischof Werner Thissen hat den Europäern ein Leben auf Kosten der Armen vorgeworfen. Der Lebensstil der Menschen in Europa und in den Ländern des Nordens führe dazu, „dass wir die Erde kaputt machen und dass wir den Armen schaden“. In einem Interview der Deutschen Welle am Sonntag sagte Thissen weiter, die ungerechte Verteilung der Güter auf der Erde „schreit zum Himmel. Und diesen Schrei müssen wir hören.“

Das bedeute auch eine Anfrage an die katholische Kirche in Deutschland, mahnte der Erzbischof. Sie müsse ihre Güter stärker mit jenen teilen, die weniger hätten: „Wir müssen auch in Deutschland und wollen auch in Deutschland eine Kirche an der Seite der Armen sein.“ Thissen verwies auf das Engagement des Bischöflichen Hilfswerks Misereor, für das er innerhalb der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zuständig ist.

Am vergangenen Sonntag wurde in den katholischen Gottesdiensten für Projekte des Hilfswerks in Afrika, Asien und Lateinamerika gesammelt. Die Fastenaktion 2013 steht unter dem Leitwort „Wir haben den Hunger satt!". Misereor zählt zu den größten Entwicklungsorganisationen weltweit. In den über 50 Jahren seines Bestehens förderte das Hilfswerk mehr als 100.000 Projekte mit rund sechs Milliarden Euro.

Zugleich zeigte sich Thissen skeptisch, dass der neue Papst Franziskus konkrete Forderungen aus Deutschland und Europa nach Änderungen der Sexualmoral und der priesterlichen Zölibatsverpflichtung aufnehmen werde. Man werde lernen, dass diese Probleme weltweit nicht im Vordergrund stünden. „Im Vordergrund stehen muss die Frage der Gerechtigkeit“, sagte der Erzbischof. Er setze darauf, dass der Papst dieses Thema Gerechtigkeit anpacken werde und auf Änderungen dränge, um Menschen aus Armut und Abhängigkeiten zu holen.

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