„Er ist ein Mann der Tat“

  • Bonn/Aachen - 15.03.2013

Die Kirche hat ein neues Oberhaupt. Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio wurde am Mittwoch zum 266. Papst gewählt. Angeführt von einem Nicht-Europäer werde die Welt die katholische Kirche künftig anders wahrnehmen – dem ist sich Prälat Klaus Krämer, Präsident von Missio in Aachen und des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, sicher. Im Interview mit dem Internetportal Weltkirche erläutert er die Veränderungen, die mit dem neuen Pontifikat einhergehen werden.

Frage: Wie haben Sie die Wahl des neuen Papstes gestern Abend verfolgt?

Krämer: Ich habe die Bekanntgabe des Namens unseres neuen Papstes und seinen ersten Segen am Fernseher miterlebt. Die Kürze des Konklaves und Wahl von Kardinal Bergoglio haben mich überrascht. Die ruhige und demütige Art, in der Papst Franziskus aufgetreten ist, hat mich sehr beeindruckt.

Frage: Als Reaktion auf die Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst sagten Sie, Menschen in aller Welt würden die Kirche künftig anders wahrnehmen. Wie haben Sie das gemeint?

Krämer: Zum ersten Mal in der Geschichte ist ein Nicht-Europäer Papst, nachdem seine beiden Vorgänger schon nicht mehr Italiener gewesen waren. Damit wird der Charakter der Kirche als Weltkirche noch mehr sichtbar. Die eurozentristische Sicht der Kirche und auf die Kirche wird zunehmend schwächer. Papst Franziskus bringt seine Erfahrungen als Erzbischof von Buenos Aires mit. Das wird auf das Pontifikat abfärben. Ich war bisher zweimal in der argentinischen Hauptstadt. Dort bündeln sich die Probleme der globalisierten Welt wie in einem Brennglas. Die Stadt ist auf der einen Seite europäisch geprägt, in ihr gibt es viel Reichtum und Wohlstand, auf der anderen Seite aber auch viel Armut, Korruption und Gewalt.

Frage: Jorge Mario Bergoglio ist in Argentinien als Kardinal der Armen bekannt ist. Wird er als neuer Pontifex die „Option für die Armen“ noch stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken können?

Krämer: Auf jeden Fall. Als Erzbischof hat Jorge Mario Bergoglio in Argentinien unmissverständlich an das soziale Gewissen der Menschen und die Verantwortung der Eliten appelliert, er hat sich der Armut gestellt. Er ist ein Mann der Tat. Das wird er als Papst sicher bleiben.

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Frage: Welchen Einfluss hat die Wahl des neuen Papstes für Sie als päpstliches Missionswerk?

Krämer: Zunächst freuen wir uns, das wir gleichsam einen neuen „Chef“ haben, der von einem Kontinent kommt, auf dem es die Probleme gibt, mit denen wir als Internationales Katholisches Missionswerk Missio auch in Afrika, Asien und Ozeanien konfrontiert sind. Die Wahl des Papstnamens Franziskus ist zudem für uns Programm und Motivation. Franziskus von Assisi steht für spirituelle Erneuerung der Kirche, interreligiösen Dialog und den Mut zur Mission. Der Name Franziskus besitzt jedoch bei einem Papst, der Jesuit ist, eine weitere Bedeutung: Er erinnert an Franz Xaver, den großen Jesuitenmissionar, in dessen Tradition sich ein päpstliches Missionswerk versteht, zumal die Heimatgemeinde des neuen Papstes der historischen Gestalt Franz Xaver sehr verbunden ist.

Frage: Welches sind die größten Herausforderungen, denen sich Franziskus in seinem Pontifikat stellen muss?

Krämer: Letztlich ist es die größte Herausforderung für den neuen Papst, wie die Erneuerung der Kirche vorankommen kann. Ich denke aber, wir sollten Papst Franziskus jetzt Zeit geben, sein Pontifikat zu entwickeln und selbst zu entscheiden, welche Schwerpunkte er setzen möchte. Auch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben diese Zeit gebraucht.

Frage: Was wünschen Sie sich persönlich von unserem neuen Papst?

Krämer: Dass er uns in Deutschland besucht und dabei auch Zeit für die Päpstlichen Missionswerke und das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ hat.

Das Interview führte Lena Kretschmann.

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