Glückwünsche aus aller Welt an den ersten Papst aus Lateinamerika

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  • Bonn - 14.03.2013

Der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio ist neuer Papst. Die 115 Kardinäle wählten den 76-jährigen bisherigen Erzbischof von Buenos Aires am Mittwochabend als ersten Lateinamerikaner und Jesuit auf den Papstthron. Bergoglio nahm den Namen Franziskus an. Seinen ersten öffentlichen Auftritt auf der Mittelloggia des Petersdoms absolvierte das neue Oberhaupt der 1,2 Milliarden Katholiken weltweit in einer schlichten weißen Soutane. „Bevor ich euch segne, bitte ich euch, dass ihr den Herrn bittet, mich zu segnen“, sagte der neue Papst. Dazu verneigte er sich tief.

Die Messe zur Amtseinführung soll nach ersten Planungen am Dienstagvormittag stattfinden. Bereits am Samstag will der Papst mit Pressevertretern im Vatikan zusammentreffen; am Sonntag spricht er das erste Angelusgebet. Unmittelbar nach seiner Wahl hatte Franziskus mit seinem Vorgänger Benedikt XVI. in Castel Gandolfo telefoniert, mit dem er ebenfalls bald zusammentreffen wolle, hieß es.

In Bergoglios Heimat Argentinien zeigten sich die Menschen erfreut und überrascht von der Wahl. Staatspräsidentin Cristina Kirchner erklärte, es sei der Wunsch der argentinischen Regierung, dass die pastorale Arbeit des neuen Papstes in den Bereichen Gerechtigkeit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Frieden der Menschheit fruchtbar sei.

Indes übermittelten Politiker und Kirchenvertreter aus aller Welt Glückwünsche und sprachen von einem Signal des Aufbruchs.

Adveniat-Experte: "Bergoglio war kein Kollaborateur"

Christian Frevel von Adveniat zum neuen Papst Franziskus, im Interview mit katholisch.de

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„Herzlich willkommen Franziskus ... Brasiliens Kirche umarmt Sie mit Liebe.“ Mit diesen Worten hat Brasiliens Bischofskonferenz den neuen Papst Franziskus am Mittwochabend in einer Glückwunschbotschaft begrüßt. Die Wahl eines auf dem „Kontinent der Hoffnung“ geborenen Papstes werde der Kirche die „Erfahrungen der Evangelisierung Lateinamerikas und der Karibik“ näherbringen, hieß es.

Die katholischen Bischöfe in Deutschland sehen in der Wahl Bergoglios ein Zeichen der Kontinuität. „Mit Papst Franziskus ist der Kirche ein Oberhaupt geschenkt, das die spirituellen Impulse von Papst Benedikt XVI. und von Papst Johannes Paul II. aufnehmen wird“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Mittwochabend in Freiburg.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erhofft sich von Franziskus neue Impulse für die Ökumene. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider äußerte den Wunsch, dass die Stärkung der Gemeinschaft mit anderen Konfessionen und das Gespräch mit anderen Religionen für den neuen Papst weiterhin einen hohen Stellenwert einnehmen mögen.

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat begrüßte die Wahl des 76-Jährigen als große Freude, insbesondere für die Katholiken in Lateinamerika. Franziskus sei ein würdiger Nachfolger des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI., so Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka. „Dass ein Argentinier Papst geworden ist, erfüllt mich mit besonderer Freude und der Gewissheit, dass der neue Pontifex die Anliegen der Menschen in Lateinamerika kennt und aufnimmt – insbesondere die der Armen und Benachteiligten“, führte er weiter aus. Der Adveniat-Geschäftsführer kennt den neuen Papst insbesondere von der V. Generalversammlung des lateinamerikanischen Episkopats in Aparecida im Jahr 2007.

Auch das katholische Hilfswerk für Entwicklungszusammenarbeit Misereor nahm die Wahl von Jorge Maria Bergoglio zum Papst mit großer Freude auf. Mit Bergoglio sei ein Papst gewählt worden, der in seinem Heimatland als Kardinal der Armen bekannt ist. Seine Hinwendung zum Leben und Leiden der Armen seien ihm tiefes Anliegen. Dies drücke der von ihm gewählte Name Franziskus aus, hieß es in Aachen. „Als Erzbischof von Buenos Aires ist er mit den Herausforderungen und Problemen unserer Zeit vertraut. Diese ist an vielen Orten dieser Erde von extremer sozialer Ungleichheit geprägt“, so Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. Bergoglio habe als Erzbischof soziale Verwerfungen angeprangert und durch die Unterstützung vieler sozialer Projekte als Kirche ein Zeichen gesetzt, an der Seite der Armen zu sein.

Bischof Overbeck zum neuen Papst

Bischof Overbeck zum neuen Papst Franziskus I.

Stabsabteilung Kommunikation | Bistum Essen

Ebenso groß war die Überraschung und Freude beim Osteuropa-Hilfswerk Renovabis. „Dass die Kirche in diesen Zeiten einen Mann gewählt hat, der sich – als Jesuit! – dem Erbe des großen Italieners Franz von Assisi verpflichtet fühlt, ist ein deutlicher Hinweis darauf, woher sich die aus aller Welt versammelten Kardinäle eine Erneuerung der Kirche erhoffen: aus der Liebe zum armen und kreuztragenden Christus und aus der Hinwendung zu den Armen, in denen Christus uns zu allen Zeiten, aber vielleicht gerade heute, nahe ist“, so Hauptgeschäftsführer Pater Stefan Dartmann.

Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ und des Internationalen Katholischen Missionswerkes Missio in Aachen, bezeichnete die Wahl eines südamerikanischen Papstes als „historisches Ereignis, nicht allein für 1,2 Milliarden Katholiken“. Denn die Menschen in aller Welt würden die Kirche künftig anders wahrnehmen, sie werde eine andere Rolle im andauernden politischen und kulturellen Prozess der Globalisierung spielen, prophezeite Krämer.

Auch der Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, sieht in der Wahl von Jorge Mario Kardinal Bergoglio zum neuen Papst Franziskus ein Zeichen, „dass sich die Kirche über Europa hinaus entwickelt hat.“ Der Name Franziskus könne auch das Programm des neuen Papstes deutlich machen. „Bisher hat er einen sehr bescheidenen Lebensstil geführt“, sagte der Bamberger Erzbischof. Als Erzbischof von Buenos Aires habe sich Bergoglio sehr für die Armen eingesetzt und sich immer wieder mit sozialen Belangen hervorgetan. „Er hat soziale Missstände immer deutlich beim Namen genannt“, so Schick.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) schloss sich der Meinung des Bamberger Erzbischofs an. Der neue Papst Franziskus habe mit der Wahl seines Namens ein wichtiges Zeichen der Nähe zu den Menschen gesetzt, hieß es am Mittwoch in Bonn. ZdK-Präsident Alois Glück sagte, die Wahl eines Kirchenoberhaupts aus Lateinamerika mache deutlich, dass Europa nicht länger der Mittelpunkt der katholischen Kirche sei. „Sie würdigt gerade auch das Zeugnis vieler Christen in Lateinamerika, die ihrem Glauben in schwierigen Zeiten und unter schwierigen Bedingungen treu geblieben sind und treu bleiben und die sich damit in die Nachfolge Christi stellen.“

Auf der Facebookseite von „Cardenal Jorge Bergoglio“ schlugen Reaktionen und Gratulationen im Sekundentakt auf. Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia leitete schon wenige Minuten nach der Papstwahl von Bergoglio auf „Franziskus“ weiter. Auch der päpstliche Twitter-Account ist wieder aktiv. Der erste Tweet von @pontifex um 20.33 Uhr lautete „HABEMUS PAPAM FRANCISCUM“.

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