Christen in Afrika: So vielfältig wie nirgends sonst

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  • Bonn - 12.03.2013

Afrika ist bis heute der vielfach unbekannte Kontinent. Das gilt auch für die Lage der katholischen Kirche in den 54 Staaten, die sich so bunt und vielfältig darstellt wie wahrscheinlich nirgends sonst auf der Welt.

Im vom Islam geprägten Norden sind Katholiken zumeist eine kleine Minderheit. Südlich der Sahara ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung höher, variiert aber sehr stark. Insgesamt waren nach Angaben des kirchlichen statistischen Jahrbuchs Ende 2010 rund 186 Millionen der 1,015 Milliarden Afrikaner Katholiken. Das entspricht gut 18 Prozent der Bevölkerung. Dabei wächst die Zahl der Katholiken in Afrika doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt: zuletzt um 3 Prozent, in Europa dagegen lediglich um 0,8 Prozent.

Die Anfänge des christlichen Glaubens in Afrika

In Nordafrika kann die Kirche bis auf die Antike zurückblicken. Ab dem 8. Jahrhundert wurde das Christentum jedoch dort vom Islam weitestgehend verdrängt. Südlich der Sahara begannen erste Missionierungen im 15. und 16. Jahrhundert; weitere und erfolgreichere folgten im 19. Jahrhundert. Allerdings wurde die Mission durch oftmals gewalttätiges Vorgehen von Missionaren und der westlichen Kolonialmächte überschattet.

Koloniales Erbe zeigt sich auch in den Sprachen: Englisch und Französisch sind zumeist Amtssprache, in Angola und Mosambik Portugiesisch, in Südafrika auch das niederländisch-burische „Afrikaans“. Die Kolonialherren oktroyierten vielfach auch ihre kirchliche Tradition und Konfession: die anglikanische wie in Südafrika, Simbabwe oder Uganda oder die römisch-katholische in einst französischen, belgischen oder portugiesischen Kolonien West- und Ostafrikas.

Bedeutsamer Wandel

Die zumeist jungen katholischen Nationalkirchen Afrikas haben eine geschichtliche Sonderentwicklung durchgemacht – bedingt auch durch die Welle staatlicher Unabhängigkeitsbewegungen Anfang der 1960er Jahre.

Papst Benedikt XVI. hat am 19. November die Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Ouidah besucht und das Abschlussdokument der vatikanischen Bischofssynode zu Afrika unterzeichnet. KNA

Vielfach mussten die katholischen Missionsorden ihre Strategien sprunghaft ändern und stärker auf die Ausbildung eines einheimischen Klerus setzen. So haben die katholischen Kirchen Afrikas ihr Gesicht völlig verändert. Zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) waren sie noch fast komplett von ausländischen Missionaren bestimmt. Heute sind 90 Prozent der Bischöfe und des Klerus Afrikaner.

Zunächst geriet die katholische Kirche nicht nur durch ihre vormalige Stellung als verlängerter Arm der einstigen Kolonialherren unter Generalverdacht junger Staatsführungen. Auch ihre gute Infrastruktur und materielle Ausstattung schienen den noch schwachen, auf Ausbildung einer eigenen Autorität und Identität bedachten Regierungen als Bedrohung. So kam es in den 60er und 70er Jahren zu Konflikten und teils Verfolgungen, teils aber auch zu Arrangements mit autoritären Regimen.

Erst seit dem Abflauen der ideologischen Stellvertreterkriege in den 80er Jahren und angesichts kollabierender Volkswirtschaften in den 90er Jahren sieht man die katholische Kirche vor allem in der Verteidigung von Menschenrechten, im Kampf gegen Armut und in der Arbeit für den Frieden. Es gab Märtyrer der Menschenrechte und des Glaubens, etwa in Burundi, im Kongo oder in Algerien, aber auch Täter unter der Geistlichkeit wie beim Völkermord im vorwiegend katholischen Ruanda 1994. Priester und Ordensleute machten sich unterlassener Hilfeleistung oder gar aktiver Beteiligung an den Gräueln schuldig.

Zwischen Christen und Muslimen

In den Zonen zwischen dem muslimisch geprägten Norden und dem christlich geprägten Süden gibt es Länder mit religiös gemischter Bevölkerung: den Tschad, Nigeria, Sudan, Äthiopien. Nigeria, mit rund 160 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat des Kontinents, wird im Norden vorwiegend von Muslimen und im Süden vorwiegend von Christen bewohnt. Gerade im Zentrum des Landes kommt es immer wieder zu blutigen Zusammenstößen. Ähnlich die Lage im Sudan, von dem sich 2011 der vor allem von Christen bewohnte Südsudan als neuer Staat abspaltete. Wirtschaftliche, ethnische, soziale und politische Komponenten verbinden sich hier mit dem religiösen zu einem oft als islamisch-christlich verbrämten Konflikt.

Wer in Regionen ohne aktuelle Konflikte oder Hungerkrisen dem Leben der Kirche begegnet, kann eine ansteckende Frömmigkeit und Freude am Glauben erleben. Selbst Benedikt XVI. erklärte die Zeit reif für einen Papst aus Afrika. Und doch steht zu befürchten, dass mittelfristig westliche Phänomene wie Materialismus und Säkularisierung auch den Schwarzen Kontinent mit Wucht erfassen.

Volkskirchlichkeit, geringe Bildung und eine Obrigkeitshörigkeit, die vor allem in stark ländlichen Gebieten fortbestehen, sind keine Garanten für eine dauerhafte Blüte des Katholizismus.

Von Alexander Brüggemann

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