Indische Frauengruppen setzen auf Selbsthilfe

  • Bonn/Ahmednagar - 08.03.2013

Sexuelle und häusliche Gewalt ist schon seit Jahren eines der wichtigsten Themen indischer Frauengruppen. Im Zuge der brutalen Vergewaltigung einer Frau in Delhi Ende letzten Jahres ist das Problem auch weltweit in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Anlässlich des internationalen Frauentages am 8. März feiern in Indien zahlreiche Frauenselbsthilfegruppen ihre Erfolge und machen auf bestehende Missstände aufmerksam.

Unterstützt werden sie dabei zum Beispiel von den Salesianern Don Boscos. Die Ordensgemeinschaft arbeitet seit mehr als zehn Jahren erfolgreich mit Frauenselbsthilfegruppen im ländlichen Raum in Indien zusammen: „Die Salesianer in Indien haben schon früh auf die Kraft der Selbsthilfe gesetzt. Sie haben erkannt, dass sich das Land nur nachhaltig entwickeln kann, wenn sich Frauen durch Bildung und Selbstorganisation ermächtigen, für ihre Rechte einzutreten. Dabei unterstützen wir die Salesianer mit finanziellen Mitteln“, erläutert Christian Osterhaus, Geschäftsführer des Vereins Don Bosco Mondo, das Engagement der Bonner Organisation.

Hunderte Frauen sind in das Don Bosco Zentrum gekommen, um mehr über ihre Rechte zu erfahren und zu diskutieren. Krojer/Don Bosco Mondo

Gemeinschaft macht stark

So fördert Don Bosco Mondo beispielsweise die Selbsthilfearbeit im Don Bosco Zentrum in Ahmednagar, etwa 200 Kilometer östlich von Mumbai. Zum internationalen Frauentag informiert dort die Anwältin Nirmala Chaudhery die Frauen einer Selbsthilfegruppe über ihre Rechte. Auf Einladung von Bruder Ramesh, dem Leiter des Don Bosco Zentrums, zeigt sie auf, wie Frauen sich juristisch gegen Gewalt wehren können. „Frauen müssen Gewalt nicht tatenlos über sich ergehen lassen, es gibt die Möglichkeit, sich zu wehren“, betont die Anwältin. „Im Rahmen unserer Projekte zur ländlichen Entwicklung unterstützen wir verstärkt Frauengruppen. Gemeinschaft macht stark und ermächtigt die Frauen für ihre eigenen Rechte einzutreten“, erläutert Bruder Ramesh seine Initiative.

„Die Selbsthilfegruppen tragen dazu bei, dass sich die Gesellschaft Schritt für Schritt positiv verändert.“

— Kusum Sajlvi, Aktivistin

Innerhalb der Selbsthilfegruppen schützen sich die Frauen gegenseitig. Gestärkt durch die Erfahrungen in ihrer Gruppe sind sie heute nicht mehr bereit hinzunehmen, was früher noch als normal empfunden wurde. Sie treten aktiv mit Männern in den Dialog und haben sogar schon mit der gesamten Gemeinschaft Männer zur Rede gestellt, die ihre Frauen schlugen. Dies zeige bereits positive Wirkung, bestätigt die langjährige Aktivistin Kusum Sajlvi, die sich schon seit 1986 für die Anliegen der Frauen einsetzt. „In den vergangenen Jahren konnte ich eine wesentliche Verbesserung feststellen, in manchen Dörfern wird häusliche Gewalt deutlich weniger. Mit der Zeit wird sie überall weniger werden, denn die Selbsthilfegruppen tragen dazu bei, dass sich die Gesellschaft Schritt für Schritt positiv verändert“, versichert die 50-Jährige.

(Don Bosco Mondo)

Zwei Organisationen – ein Ziel

Gleich zwei Organisationen, die den weltweiten Zentren der Salesianer Don Boscos zur Seite stehen, haben ihren Sitz in Bonn: Don Bosco Mondo und Don Bosco Mission.

Als Einrichtung der Salesianer Don Boscos vertritt Don Bosco Mission die internationalen Anliegen des Ordens in Deutschland. In der Entwicklungsarbeit fokussiert sich Don Bosco Mission ganz besonders auf gefährdete Jugendliche und Straßenkinder und kooperiert intensiv mit katholischen Hilfswerken.

Don Bosco Mondo hingegen ist eine rechtlich selbstständige Nichtregierungsorganisation. Sie konzentriert sich auf Bildung, berufliche Ausbildung, Nothilfe und die Vertretung der Rechte von Kindern und Jugendlichen weltweit.

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