Bischöfe äußern sich zur Lage im Kongo

  • Kinshasa/Berlin - 07.03.2013

Korruption, Misswirtschaft und ein schwacher Staat: Es sind deutliche und kritische Worte, mit denen die kongolesischen Bischöfe in dieser Woche die Lage in ihrem Land beschreiben. „Im Volk hat man das Gefühl, vom Staat verlassen worden zu sein“, fassen die katholischen Würdenträger die Stimmung in ihrem an Staatspräsident Joseph Kabila gerichteten „Memorandum“ zusammen. Dabei ließen die jüngsten Nachrichten aus dem Dauerkrisenstaat im Herzen Afrikas eigentlich so etwas wie Hoffnung keimen.

Ende Februar unterzeichnete die Regierung zusammen mit den Präsidenten aus den elf Anrainerstaaten des Riesenlandes sowie Vertretern der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und weiteren regionalen Zusammenschlüssen im äthiopischen Addis Abeba ein Abkommen, um das Unruhegebiet im Osten des Kongo zu befrieden. In der Region der Großen Seen lagern immense Rohstoffvorkommen. Wirtschaftliche Interessen, eine instabile politische Lage und ethnische Spannungen lassen ständig neue bewaffnete Gruppierungen entstehen. Das sorgt immer wieder für neue Gewaltausbrüche. Zuletzt machte Ende November die Eroberung der Stadt Goma durch die Rebellenbewegung M23 international Schlagzeilen. Die Kämpfer hatten sich von der kongolesischen Armee abgepalten.

Dass der Staat sein Gewaltmonopol nicht durchsetzen kann, ist nach Ansicht der Bischöfe aber nur ein Grund für die Misere. In ihrer sechsseitigen Analyse zeigen sie sich zugleich besorgt über Bestrebungen der Regierung Kabila, mithilfe einer Verfassungsänderung ihre Macht zu zementieren. Offenbar kursieren in der Hauptstadt Kinshasa Gerüchte, wonach der angeschlagene Präsident versucht, die Weichen für eine mögliche Wiederwahl zu stellen – obwohl das Ergebnis des letzten Urnengangs von 2011 immer noch umstritten ist.

Erzbischof Maroy Rusengo Flitner/Missio

Eindringlicher Appell

Das Gemeinwesen dürfe nicht zu einem Selbstbedienungsladen verkommen, mahnen die Kirchenführer. Und schlagen konkrete Schritte vor: mehr Investitionen in Ernährung, Gesundheit, Erziehung und Infrastruktur, ein „Industrialisierungsplan“ für die Nutzung der reichen Ressourcen des Landes, eine bessere Ausstattung und Ausbildung von Polizisten und Soldaten sowie mehr politische Gestaltungsspielräume für die elf Provinzen des Landes. „Herr Präsident, die Nation befindet sich an einem entscheidenden Wendepunkt“, lautet der eindringliche Appell.

„Frieden. Einen anderen Ausweg gibt es nicht.“

— Francois-Xavier Maroy Rusengo, Erzbischof von Bukavu

Bloß: Wird dieser Ruf auch gehört? Eine schwierige Frage, räumt Ilona Auer-Frege vom Ökumenischen Netz Zentralafrika (ÖNZ) ein. Der Zusammenschluss, dem die kirchlichen Hilfswerke Brot für die Welt, Misereor, Pax Christi und die Vereinte Evangelische Mission angehören, beobachtet die Lage im Kongo seit Jahren. Das Wort der katholischen Kirche, der offiziell etwa die Hälfte der rund 30 Millionen Einwohner angehören, hat Gewicht, betont Auer-Frege. Ähnliche Interventionen wie die aktuelle habe es auch in der Vergangenheit schon gegeben. „Die Machthaber nehmen das meist zähneknirschend hin.“ Der Wille zur Veränderung seitens der Regierenden sei allerdings sehr begrenzt.

Schlüsselrolle der UN-Friedensmission Monuc

Mehr Mut machten da schon die Vereinbarungen von Addis Abeba, so die ÖNZ-Koordinatorin. Dabei hätten alle Seiten zumindest indirekt Fehler eingeräumt und sich verpflichtet, sich für einen langfristig wirksamen Friedensprozess zu engagieren. Eine Schlüsselrolle komme dabei der UN-Friedensmission Monuc zu. „Wenn sich die Staatengemeinschaft auf eine kohärente Politik verständigt“, meint Auer Frege, „könnte das tatsächlich ein Beginn einer neuen Ära sein“. Dazu gibt es nach Ansicht von Erzbischof Francois-Xavier Maroy Rusengo, der im vergangenen Jahr mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar ausgezeichnet wurde, kaum Alternativen. Auf die Frage nach den Perspektiven, nach denen sich die Menschen sehnten, antwortete er: „Den Frieden. Einen anderen Ausweg gibt es nicht.“

Von Joachim Heinz

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