Solidarisch helfen im Osten Europas

  • Freising - 01.03.2013

Am 3. März 1993 haben die deutschen Bischöfe auf ihrer Frühjahrs-Vollversammlung in Mülheim an der Ruhr die Gründung von Renovabis beschlossen. Nach der jahrzehntelangen Trennung durch den „Eisernen Vorhang“ waren Mittel-, Ost- und Südosteuropa wieder ins Bewusstsein des Westens getreten.

Die katholische Kirche in Deutschland versteht die Gründung der Solidaritätsaktion als eine ihrer wichtigsten Antworten auf die große gesellschaftlich-politische Wende in Europa von 1989/90. Seit zwanzig Jahren hilft Renovabis beim Aufbau von Kirchen und Gesellschaften in den ehemals sozialistischen Staaten im östlichen Teil Europas. Gemäß dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ koordinieren Partner vor Ort – Hilfsorganisationen, Verbände, Diözesen und andere Institutionen – die pastoralen und sozialen sowie Bildungsprojekte.

Von Anfang an sollte Renovabis mehr sein als ein Hilfswerk. Gerne spricht man bei Renovabis von den beiden Säulen seines Auftrags: die materielle Unterstützung der Kirchen in Mittel- und Osteuropa als Beitrag zum „Austausch der Gaben“ zwischen den Ortskirchen in Ost und West und die Bemühungen um Begegnung und Versöhnung der Christen in Europa.

Rund 19.100 Projekte gefördert

Von der seit September 1993 auf dem Domberg in Freising angesiedelten Geschäftsstelle konnten seither rund 19.100 Projekte mit einer Fördersumme von mehr als 560 Millionen Euro bewilligt werden. Die Mittel für die Arbeit von Renovabis kamen zunächst allein aus der Pfingstkollekte und aus Spenden, bald auch zu einem gewissen Teil aus öffentlichen Haushaltsmitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Einen Gottesdienst unter freiem Himmel feiert Pater Andreas Waltermann im Norden Albaniens. Wunderschön, aber auch notwendig, wenn kein anderer Raum vorhanden ist. Renovabis

Gemäß dem „integralen“ Ansatz von Renovabis werden dabei pastorale Vorhaben und der Aufbau des Laienapostolats ebenso gefördert wie Bildung und Ausbildung, soziale Aufgaben, Medienarbeit und die Vernetzung kirchlicher Arbeit im nationalen und grenzüberschreitenden Rahmen. Dem Grundsatz der „Investition in den Menschen“ gelten nicht zuletzt die Studienstipendien.

Arbeitsmigration ist Herausforderung für Kirche und Gesellschaft

Verkündigung und Seelsorge sind durch die strukturellen Verschiebungen herausgefordert, die durch die großen Wellen der Arbeitsmigration in Europa ausgelöst wurden und den Zusammenhalt der Familien wie der ganzen Gesellschaft herausfordern. Die Koordinaten für die pastorale Planung verschieben sich dadurch auch in Osteuropa grundlegend. Von solchen Fragen ist heute das Gespräch von Renovabis und seinen Projektpartnern bestimmt. Ort dafür sind nicht nur die jährlichen Pfingstaktionen in den deutschen Diözesen, sondern auch die Internationalen Renovabis-Kongresse in Freising, die als eine Plattform für den gesamteuropäischen Austausch zwischen Ost und West über die Verantwortung der Christen in der Gesellschaft breite Anerkennung finden.

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der dort beheimateten Menschen gehen gerade die Kirche in Deutschland und ihre Gläubigen unmittelbar an.“

— Gerhard Albert, Geschäftsführer von Renovabis

Für Deutschland, das Land im Herzen des Kontinents, ist Nachbarschaft mit Mittel-, Ost- und Südosteuropa auf Dauer angelegt. Gemäß der Pastoralkonstitution „Über die Kirche in der Welt von heute“, Gaudium et Spes, des Zweiten Vatikanischen Konzils gilt: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ der dort beheimateten Menschen gehen gerade die Kirche in Deutschland und ihre Gläubigen unmittelbar an, so der Geschäftsführer von Renovabis Gerhard Albert. Hilfe und Solidarität, Dialog und „Austausch der Gaben“ blieben auch unter sich wandelnden Rahmenbedingungen grundlegend. Begegnung mit Mittel- und Osteuropa bedeute, sich auf Unterschiede und Vielfalt einzulassen. Darin bestehe immer eine besondere Herausforderung, die aber auch uns zunehmend inmitten der Pluralität der eigenen Gesellschaft abverlangt ist.

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