Mexikanische Pastoralkonzepte in Deutschland denkbar?

  • Kongress Großstadtpastoral - 01.03.2013

Mit dem Thema „Pastoral Urbana“ stand heute ein von meinem üblichen Studienverlauf abweichender Programmpunkt auf der Tagesordnung. Der Weg von meiner Wohnung, einer Pfarrgemeinde im „ambiente popular“, zum Kongressort, dem Sitz der Conferencia del Episcopado Mexicano, führte in ein Randgebiet von Mexiko-Stadt. Die Dimensionen des Gebäudes der Mexikanischen Bischofskonferenz sind beachtlich.

„Großstadtpastoral“ – was muss ich mir als Deutscher unter diesem Thema vorstellen? Während eine Vielzahl der Großstädte unserer Heimat nicht einmal die Millionenmarke übersteigt, befinden wir uns hier in Mexiko-City, einer Megastadt. Wird über Großstadtpastoral debattiert, müssen zunächst die Realitäten einer Großstadt analysiert werden: Welche verschiedenen Subjekte leben in dieser Stadt? Welche Bevölkerungsschichten und Ethnien ballen sich hier? Wie und unter welchen Bedingungen wird in dieser Stadt gelebt und gearbeitet? Wie funktioniert diese Stadt unter logistischen Gesichtspunkten? Erst in einem nächsten Schritt wird auf die Pastoral geschaut: Muss sich das traditionelle Pastoralverständnis verändern? Wie müssen neue Pastoralkonzepte aussehen, die die Menschen einer Megastadt erreichen wollen?

„Welche Form von Pastoral kann hier helfen? Wo und wie kann die christliche Botschaft die Menschen in ihrer Lebenssituation konkret unterstützen?“

Wie wird in Mexiko auf Lebensfragen und das Leid der Menschen eingegangen?

Der Kern des heutigen Tages bestand somit aus einer „Standortanalyse“. Neben der Beschreibung spiritueller Entwicklungen und der Einflüsse pentekostaler Bewegungen, stand die Situationsbeschreibung der indigenen Bevölkerung im Mittelpunkt. Und hierbei ließ sich für mich eine Kontinuität zu anderen, in den letzten Wochen in Mexiko-Stadt stattfindenden Veranstaltungen zum Thema „Pastoral Indígena“ erkennen: Verstärkt rückt die Bedeutung verschiedenster Lebens- und Lebensraumumbrüche und deren Auswirkungen auf das Leben der Menschen ins Blickfeld. Die indigene (Stadt-)Bevölkerung, die aus den ländlichen Regionen in die Städte zieht oder hier schon seit Jahren lebt – und insbesondere deren Jugend –, erfahren einen Lebenswandel. Das vertraute Umfeld, Kultur, Tradition, Freunde und Familie fehlen plötzlich. Identitätsfragen treten auf. Es entwickeln sich Chancen eines Identitätswandels, aber ebenso sind Abgründe wie Vereinsamung, Verarmung oder Identitätsverlust zu erkennen. Gewalt und Drogen werden zu Problemen. Welche Form von Pastoral kann hier helfen? Wo und wie kann die christliche Botschaft die Menschen in ihrer Lebenssituation konkret unterstützen? Das sind Fragen, die sicherlich nicht ausschließlich die indigene Bevölkerung betreffen, sondern eine ganze Stadtbevölkerung, eine jede Gesellschaftsschicht, jede Generation.

Was können wir in Deutschland davon lernen?

Zunächst ist festzuhalten, dass sich auch unserer Bevölkerung und dessen Generationen Identitätsfragen aufdrängen, ebenso wie „denen dort drüben“ in Lateinamerika, wenngleich unter völlig anderen gesellschaftlichen Vorzeichen. Ein anderer Aspekt kommt mir beim Thema „Kirchenfusionen“ in den Sinn. Kann von mexikanischen Pfarreien gelernt werden, wie sich eine „Megagemeinde“ strukturell organisieren lässt? Können mexikanische Pastoralkonzepte in deutschen Bistümern zur Anwendung kommen? Wie wird in Mexiko auf Lebensfragen und das Leid der Menschen eingegangen? Mindestens bis zum morgigen Tag und dem Einsteigen in weitere spannende Themenfelder begleiten mich diese Fragen in einen milden mexikanischen Winterabend.

Von Johannes Hohmann

Zur Person

Johannes Hohmann ist katholischer Theologiestudent an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seit November 2012 absolviert er ein Auslandssemester an der Universidad Iberoamericana Ciudad de México und an der Universidad Pontificia de México.

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