Papst unternahm in seinem Pontifikat 24 Auslandsreisen

  • © Bild: KNA
  • Vatikanstadt - 25.02.2013

Benedikt XVI. reiste weniger als sein Vorgänger – und auch weniger gerne. Dennoch unternahm er in seinem fast achtjährigen Pontifikat 24 internationale Visiten in alle Kontinente. Er legte dabei 160.000 Kilometer zurück – vier Erdumrundungen – und verbrachte 88 Tage außerhalb Roms. Das ist wenig im Vergleich zu Johannes Paul II., der bei 104 Auslandsbesuchen über eine Million Kilometer zurücklegt. Aber dafür, dass der „deutsche“ Papst erst mit 78 Jahren ins Amt kam und zunächst gar nicht reisen wollte, ist das beachtlich. Zudem waren seine Auslandreisen oft überraschend erfolgreich und trugen dazu bei, manches Problem in den Griff zu bekommen.

Benedikt XVI. musste erkennen, dass Kirche und Welt von einem Papst der Moderne ein gewisses Reisepensum erwarteten. Kirchliche Großereignissen wie Weltjugend- oder Weltfamilientage sind ohne Papstteilnahme kaum denkbar und mancher Ökumene-Termin gleichsam Pflicht. So nahm er schon unmittelbar nach seiner Wahl eine Einladung von Kardinal Joachim Meisner zum Weltjugendtag in Köln an. Die dreitägige Visite wurde für den neuen Papst zu einem Erfolg: Nicht nur, weil das Treffen selbst rund eine Million junge Teilnehmer zusammenführte, sondern auch weil der „deutsche“ Papst die Kölner Synagoge besuchte, zu einer ökumenischen Begegnung lud und sich mit Muslimen traf.

Hommage an Johannes Paul II.

Aber erst nach einem Jahr im Amt unternahm der Papst seine zweite Reise – nach Polen. Der Besuch war eine Hommage an seinen Vorgänger Johannes Paul II. in dessen Heimat, schloss aber auch eine bewegende Rede im KZ Auschwitz ein. Erst danach folgte ein Besuch von Benedikt XVI. in der eigenen Heimat, in Bayern.

Die folgende Reise in die Türkei war als ökumenischer Höflichkeitsbesuch beim orthodoxen Ehrenoberhaupt Bartholomaios geplant. Nach dem Sturm um die Regensburger Rede wurde die Visite aber zu einer delikaten Aussöhnungsmission mit dem Islam.

Der ökumenische Patriarch Bartholomaios I. (r.) und Papst Benedikt XVI. beim Friedensgruß in der griechisch-orthodoxen Patriarchats-Basilika Sankt Georg in Istanbul. KNA

Die Tage in Ankara, Ephesus und Istanbul waren sicher die schwierigsten Auslandsstationen für Benedikt XVI. Aber durch seine Reden vor Muslim-Funktionären und vor allem den Gang in die Blaue Moschee mit dem meditativen Schweigen vor der Gebetsnische konnte er den entstandenen Bruch wieder kitten.

Nächste Stationen: Brasilien, USA, Australien und Afrika

In den drei nächsten Jahren folgten große Interkontinentalreisen: nach Brasilien, in die USA, zum Weltjugendtag nach Australien und nach Afrika. Besonders mit der Reise in die USA gelang es dem Pontifex, nach den Missbrauchsskandalen für die Kirche wieder Vertrauen zurückzugewinnen. Bei der Afrikareise sorgten missverständliche Äußerungen über Kondome im Kampf gegen Aids für Erregung und überlagerten die päpstlichen Aussagen zu Entwicklung, Armutsbekämpfung und Religionsfreiheit.

Impulse für den jüdisch-christlichen Dialog

Zu der bedeutendsten Reise zählte im Frühjahr 2009 der Besuch von Benedikt XVI. im Heiligen Land. In Amman konnte er den neugeknüpften Kontakt mit dem Islam fortführen. In Jerusalem gab er durch seinen Gang an die Klagemauer und eine Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem der gewachsenen Freundschaft mit dem Judentum weitere Impulse. Und im palästinensischen Bethlehem äußerte er sich unmissverständlich zum brisanten Dauerkonflikt in Nahost.

Als überraschend erfolgreich erwies sich im Herbst 2010 der England-Besuch. Mit seinem bescheidenen Auftreten und seinen geschliffenen Reden überzeugte Benedikt XVI. viele Gegner. Durchwachsen war das Urteil über seine dritte Deutschlandreise, was auch an unterschiedlichen Erwartungen, etwa an die Ökumene-Etappe im Luther-Kloster Erfurt, lag.

Bedeutsame Ansprachen

Markenzeichen der Auslandsreisen Benedikt XVI. wurden seine großen Ansprachen über das Verhältnis von Glaube und Vernunft, von Religion und Gesellschaft. Die Reden in der Wiener Hofburg wie in der Londoner Westminster Hall, vor der UNO und im deutschen Bundestag, in Prag und Paris sind Meilensteine für den Dialog von Kirche und Welt über das Pontifikat hinaus.

Manche Reisepläne konnte Benedikt XVI. nicht mehr verwirklichen, aus gesundheitlichen wie aus politischen Gründen. Weder ein Besuch in Moskau noch eine große Asienreise mit einer Etappe in Vietnam, vielleicht sogar in Peking – wie mancher hoffte – war ihm vergönnt.

Von Johannes Schidelko

© KNA