Mexiko will seine historische Schuld tilgen

  • Mexiko-Stadt - 18.02.2013

Die Ziele sind ehrgeizig, und zumindest auf dem Papier ist schon einmal ein Anfang gemacht. Vor wenigen Tagen verkündete die neue mexikanische Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto offiziell, dass eine „Kommission für den Dialog mit den indigenen Völkern Mexikos“ ihre Arbeit aufnehmen werde. Ziel der neuen Arbeitsgruppe solle sein, eine Annährung mit den indigenen Kommunen zu erreichen. Danach wolle die Regierung Aktionen starten, um den indigenen Interessen und Bedürfnissen gerecht zu werden.

Unterstellt ist die Kommission dem Sekretariat der Regierung; sie ist damit eine staatliche Einrichtung. Damit hat Präsident Peña Nieto Wort gehalten. Noch im Januar hatte Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong die optimistischen Ziele formuliert. Man müsse erreichen, dass die indigenen Völker auch in der Praxis die gleichen Rechte und Chancen einfordern wie der Rest der Mexikaner. „Wir müssen den Zugang zur Justiz, Bildung, dem Gesundheitssystem und der Infrastruktur garantieren“, erklärte Osorio bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Und er ging noch weiter: Mexiko müsse seine soziale Schuld gegenüber den indigenen Gemeinden und Regionen durch eine Politik des permanenten Dialoges begleichen.

Politische Annährung an die indigene Vergangenheit

In einer ersten Stellungnahme ließ der zum Kommissionsvorsitzenden berufene Jaime Martínez Veloz keinen Zweifel an der Ausrichtung seiner Arbeit. Der mexikanische Staat müsse seine Vereinbarungen einhalten, die die Rechte der indigenen Völker garantieren und seine Strategie gegenüber dieser ethnischen Gruppe nachhaltig ändern.

Frauen in traditioneller Tracht beim Indígena-Fest in Tzintzuntzan, Mexiko. Pohl/Adveniat

Veloz ist nach Einschätzung des Innenministers genau der richtige Mann, um die Probleme am Schopf zu packen. Als Abgeordneter habe er bereits an ähnlichen Kommissionen teilgenommen, besitze die notwendige Sensibilität und das Wissen über die Komplexität der sozialen Probleme der indigenen Mexikaner.

Kirche mahnt Ausgrenzung der indigenen Bevölkerung an

Soviel staatlicher Optimismus, die jahrzehntelang brachliegenden Investitionen in die indigenen Gemeinden nachzuholen, wird nicht überall begeistert aufgenommen. Die katholische Kirche in Mexiko machte deshalb wenige Tage vor Gründung der Kommission noch einmal auf die Probleme aufmerksam und erklärte, die zwölf Millionen Mexikaner indigener Herkunft lebten weiter in einem Zustand der Ausgrenzung durch die Gesellschaft.

„Ich weiß nicht, ob eine andere Struktur die Kluft zwischen ihnen und der mexikanischen Gesellschaft verkleinern oder aufbrechen kann.“

— Guillermo Francisco Escobar

Ähnlich sehen es zahlreiche soziale Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen. Die Armut unter Indigenen habe sich in der Amtszeit von Präsident Felipe Calderón (2006–2012) noch einmal verschlimmert, hieß es in den kritischen Bilanzen mexikanischer Menschenrechtsorganisationen.

Guillermo Francisco Escobar, Bischof von Teotihuaan und Vorsitzender der Bischofskommission für Indigenen-Rechte, zeigte sich zuletzt skeptisch, dass sich an diesem Zustand so bald etwas ändern wird. „Ich weiß nicht, ob eine andere Struktur die Kluft zwischen ihnen und der mexikanischen Gesellschaft verkleinern oder aufbrechen kann.“ Mexikos indigene Mitbürger fühlten sich ausgegrenzt und als die ärmsten Mitglieder der Gesellschaft.

Bibel bald in indigener Sprache

Die katholischen Bischöfe setzen zunächst auf einem anderen Gebiet ein symbolisches Zeichen. Die Bischofskonferenz teilte mit, die Bibel werde bald in der Indigenen-Sprache „nahuatl“ und weiteren Sprachen der Ureinwohner erscheinen. Zudem will die Erzdiözese Mexiko-Stadt mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Anstrengungen erhöhen, um den rund 60 Ethnien des riesigen Landes mehr Unterstützung zu geben. Und sie zitiert den seligen Papst Johannes Paul II. (1978–2005), der bei einem seiner Besuche formulierte: „Mexiko braucht seine Indigenen – und sie brauchen Mexiko.“

Von Tobias Käufer

© KNA

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