„Große Veränderungen in kleinen Schritten“

  • Hannover - 18.02.2013

Rund tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen bei dem ökumenischen Kongress Kirche hoch zwei in Hannover der Frage auf den Grund, wie Menschen heutzutage die Lebenskraft der christlichen Botschaft entdecken können und welche kirchlichen Formen und Formate dabei hilfreich sind. Dass ein Blick auf die Weltkirche gewinnbringende Anregungen geben kann, zeigte die Podiumsdiskussion „Über den Tellerrand … Kirchenentwicklung weltweit“.

Mit Blick auf Kirchen in den USA und auf den Philippinen wurden bei der Veranstaltung verschiedene kirchliche Entwicklungen vorgestellt, die den deutschen Kirchen als Impulse für lebendige Gemeinden dienen können. Dr. Norbert Nagler, Leiter der Abteilung Bildung beim internationalen katholischen Missionswerk Missio in Aachen, und Projektpartnerin Dr. Estella Padilla aus Manila brachten ihre Erfahrungen von Weltkirche mit ein.

Auf Strukturen und Ausschüsse müsse man nicht verzichten, erklärte Dr. Estela Padilla aus Manila. Wichtig sei es nur, die Strukturen mit Geist zu füllen. Mit den Hauskirchen, sogenannten Basisgemeinschaften, auf den Philippinen nannte sie ein Beispiel für sich selbst tragende Gemeinschaften und partizipative Kirchen. Vorausgegangen war die Präsentation eines amerikanischen Gemeindemodells, das von Pastorin Nadia Bolz-Weber aus Denver dargestellt wurde. Ihre Kirchengemeinde schließt ein System der Ausschüsse und Gremien, wie es in deutschen Gemeinden üblich ist, aus. Denn diese lähmten die Gemeinden und kommen damit für Bolz-Weber „dem Kuss des Todes“ gleich. Dr. Estela Padilla hingegen zeigte auf, wie eine lebendige Gemeinschaft innerhalb der kirchlichen Strukturen gestaltet werden kann.

„Wenn Glaube nicht Kultur geworden ist, dann bleibt er unwirksam.“

— Dr. Estella Padilla, Manila
Pastorin Nadia Bolz-Weber, Übersetzerin, Dr. Kai Reinhold, Pfarrer Dr. Martin Reppenhagen, Dr. Vera Krause, Rainer Kiefer, Dr. Estela Padilla, Dr. Norbert Nagler (von links nach rechts). Missio

Der Wunsch nach Aufbruch in den deutschen Gemeinden artikulierte sich auch im Publikum. Gleichzeitig sahen sich Einzelne vor der Unmöglichkeit des Spagats zwischen zeitintensivem seelsorgerischem Tagesgeschäft und dem Wunsch, Neues auszuprobieren. „Große Veränderungen in kleinen Schritten“ empfahl Dr. Estela Padilla als Lösung dafür. Und Dr. Norbert Nagler fügte ergänzend hinzu: „Man muss sich entscheiden, sonst zerreißt einen der Spagat.“ Er selbst weiß als Leiter der Abteilung Bildung bei Missio in Aachen, wie wichtig eine Prioritätensetzung ist, um das Entscheidende voranzubringen.

Projekt „crossing over“

Dass in manchen Gemeinden die Entscheidung, Neues umzusetzen, bereits gefallen ist und erfolgreich umgesetzt werden konnte, zeigte Dr. Kai Reinhold (Bistum Essen). Er erwähnte das Projekt „crossing over“. Es handelt sich dabei um ein von der Ruhruniversität Bochum mitentwickeltes Projekt zur Förderung des Dialogs über katholische Kirche und Gemeindeleben in den USA und Deutschland. Dabei gehe es Dr. Kai Reinhold nicht darum, bereits vorhandene Konzepte eins zu eins auf Deutschland zu übertragen, sondern „den Keim für begeisterte Ideen in deutschen Gemeinden einzupflanzen.“

„fresh expressions“ sind nötig

Auch Pfarrer Dr. Martin Reppenhagen (IEEG Greifswald) ermutigte mit Blick auf mögliche Gemeindeentwicklung in Deutschland zum Handeln, das von der Basis ausgeht. Denn während in den USA, England und auf den Philippinen sogenannte „fresh expressions“ – also neuartige Formen von christlichen Gemeinschaften – gesegnet seien, reagiere man in Deutschland verhalten gegenüber diesen neuen Entwicklungen. Hier könne man noch viel von der Weltkirche lernen, fasste Dr. Norbert Nagler für Missio abschließend zusammen.

Bei der Podiumsdiskussion vertreten waren Herr Dr. Norbert Nagler für Missio Aachen, Dr. Estela Padilla (Manila), Pastorin Nadia Bolz-Weber (USA), Pfarrer Dr. Martin Reppenhagen (IEE Greifwald) und Dr. Kai Reinhold (Bistum Essen). Es moderierten Dr. Vera Krause (Adveniat, Essen) und Rainer Kiefer (OLKR Hannover).

Ein Bericht von Susanne Kruza

Kongress „Kirche hoch zwei“

Der ökumenische Kirchenkongress fand vom 14. bis 16 Februar in Hannover statt. Eine umfangreiche Dokumentation der Ergebnisse finden Sie auf der Webseite der Veranstaltung:

Kirche hoch zwei

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