Appell von Kirchen und Ministerium gegen Hunger

  • Bonn/Hannover - 15.02.2013

Im Kampf gegen den Hunger fordern die beiden großen Kirchen und die Bundesregierung eine Stärkung der Landwirtschaft in Entwicklungsländern. Die Ernährungssicherung müsse bei der Entwicklungszusammenarbeit im Mittelpunkt stehen, erklärten Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), der Leiter des Kommissariats der Deutschen Bischöfe, Prälat Karl Jüsten, und der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, Bernhard Felmberg. 870 Millionen Menschen auf der Erde hätten zu wenig zu essen, hieß es von der Bischofskonferenz und der EKD in Bonn und Hannover.

In den vergangenen Monaten hätten Kirchenvertreter und Bundeslandwirtschaftsministerium in einem Dialog die wichtigsten Handlungsfelder im Kampf gegen den Hunger ausgemacht. Dazu gehören vor allem:

  • die Verbesserung von Zugang zu Nahrungsmitteln, Land, Wasser sowie Saatgut,
  • Rechtssicherheit als Grundlage für Handel und Investitionen, vor allem aber für die Bevölkerung,
  • die Verbindung von modernen standortangepassten Technologien mit traditionellem Wissen sowie
  • ein verantwortungsbewusstes Handeln an den Warenterminmärkten.

Dürre und Hungersnot in Äthiopien. Ehrler/Misereor

Aigner: Kirchen sind wichtige Partner im Kampf gegen den Hunger

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner betonte die nationale und internationale Verantwortung beim Umgang mit natürlichen Ressourcen und Lebensmitteln: „Armut und Hunger auf der einen Seite, Überfluss und Wegwerfgesellschaft auf der anderen Seite – damit dürfen wir uns nicht abfinden. Die Kirchen sind wichtige Partner im Kampf gegen den Hunger. Wir vertreten die gleichen Werte und haben dieselben Ziele. Die Kirchen bringen einen reichen Erfahrungsschatz im In- und Ausland mit, etwa durch ihre Hilfswerke, und sie haben eine wichtige Rolle als Multiplikatoren für eine enorme Breite der Gesellschaft. Ich freue mich, dass wir mit den Kirchen daran arbeiten, dem Anliegen der Ernährungssicherung in den ärmsten Ländern der Welt mehr Geltung zu verschaffen. Wir stehen global vor enormen Herausforderungen: Die Landwirtschaft und der ländliche Raum sind ökonomische Schlüsselsektoren für eine umweltverträgliche Wirtschaft, die Sicherung der Ernährung und auch die Armutsbekämpfung – denn mehr als 70 Prozent der Hungernden leben auf dem Land. Kleinbauern und Frauen müssen überall Zugang zu Wasser, Boden, Energie, Bildung und Kapital haben.“

„Nahrungsmittelpreisschwankungen – zum Teil verursacht durch die Spekulation mit Agrarrohstoffen – treffen die Menschen in Entwicklungsländern ungleich härter.“

— Prälat Karl Jüsten

Rechte für Landlose

Video-Blog Teil 5: Der Zugang zu Land ist für die Kleinbauern in Bangladesch überlebenswichtig.

Misereor

Jüsten: Recht auf Nahrung hat oberste Priorität

Prälat Dr. Karl Jüsten unterstrich das Recht auf Nahrung für alle Menschen: „Das Recht auf Nahrung ist immer noch eines der am meisten verletzten Menschenrechte und muss im Kampf gegen den Hunger oberste Priorität haben.“ Jüsten kritisierte zudem das Verhalten einiger Agrarrohstoffspekulanten: „Nahrungsmittelpreis-
schwankungen – zum Teil verursacht durch die Spekulation mit Agrarrohstoffen – treffen die Menschen in Entwicklungsländern ungleich härter. Es ist wichtig, dass sich die internationale Staatengemeinschaft dieser Problematik weiterhin annimmt und dass gerade die einflussreichsten Staaten mit gutem Beispiel vorangehen. Investitionen sind notwendig, aber sie müssen nachhaltig sein und verantwortungsbewusst.“

„Biokraftstoffe dürfen nicht auf Kosten von Nahrungsmitteln produziert werden. Hier sind wir uns völlig einig.“

— Prälat Bernhard Felmberg

Felmberg: Ernährungssicherung muss immer Vorrang haben

Durch die Verknappung fossiler Rohstoffe wird ein wachsender Teil der landwirtschaftlichen Erzeugung als Bioenergie oder als Grundstoff für die Industrie eingesetzt. Zu diesem wichtigen Handlungsfeld „Teller oder Tank“ sagte Prälat Dr. Bernhard Felmberg: „Die Sicherung der Ernährung muss immer Vorrang haben. Biokraftstoffe dürfen nicht auf Kosten von Nahrungsmitteln produziert werden. Hier sind wir uns völlig einig. Konflikte zwischen der globalen Ernährungssicherung und dem Menschenrecht auf Nahrung einerseits und Bioenergie andererseits, gilt es von vornherein auszuschließen.“

Zur Fastenzeit riefen die Kirchenvertreter mit Bundesministerin Aigner auch zu mehr Wertschätzung von Lebensmitteln auf: „Die Verschwendung in reichen Industriestaaten erhöht indirekt den Druck auf die Nahrungsmittelrohstoffe in Entwicklungsländern. Lebensmittel, die wir achtlos wegwerfen, fehlen auf dem Weltmarkt, verknappen das Angebot und führen zu weiter steigenden Preisen. Allein in Deutschland landen nach aktuellen Berechnungen mehr als 11 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll – Jahr für Jahr.“

Die Ergebnisse des Dialogprozesses des Ministeriums und der Kirchen können Sie hier als PDF herunterladen.

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