In den Startlöchern für den Weltjugendtag

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  • Bonn - 01.02.2013

Der 28. Weltjugendtag findet vom 23. bis zum 28. Juli 2013 in der brasilianischen Hauptstadt Rio de Janeiro statt. Markus Hartmann, Leiter des Referats Glaubensbildung der Arbeitsstelle Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, erläutert im Interview den Stand der Vorbereitungen.

Frage: Herr Hartmann, bis zum Weltjugendtag (WJT) in Rio de Janeiro ist es noch ein knappes halbes Jahr – für potenzielle Teilnehmer höchste Zeit sich anzumelden?

Hartmann: Für deutsche Teilnehmer ist es eigentlich fast schon zu spät. Schwierig dürfte es vor allem werden, einen Flug zu ergattern. Es gibt aber auch noch Restplätze in den Bistümern für kurz entschlossene Pilger.

Frage: Was ist Ihre Aufgabe bei dieser Großveranstaltung?

Hartmann: Wir koordinieren alles, was über die bistumseigene Reiseorganisation hinausgeht. Auf der Homepage www.wjt.de stellen wir geistliche Materialien zur Verfügung, aber auch Information zu Land und Leuten. Auf dem Weltjugendtag wird es auch ein Treffen aller deutschen Teilnehmer geben, ein „Remmi Demmi“. Das wollen wir inhaltlich gestalten. Außerdem bereiten wir Materialien für den WJT zu Hause vor.

Frage: Wie viele deutsche Teilnehmer erwarten Sie?

Hartmann: Es werden etwa 2.500 junge Menschen aus Deutschland zum Weltjugendtag fahren. Das sind viel weniger als zum Beispiel letztes Mal in Madrid oder Sydney. Zum einen ist es doch teurer, nach Rio zu fahren. Hauptgrund mag sein, dass wir die Empfehlung rausgegeben haben, erst Pilger ab 18 Jahren mitzunehmen.

Markus Hartmann ist Leiter des Referats Glaubensbildung der Arbeitsstelle Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz. Er koordiniert die Vorbereitungen zum Weltjugendtag. KNA

Frage: Warum?

Hartmann: Es gab immer wieder Sicherheitsbedenken gegenüber Rio de Janeiro. Ich teile die zwar nicht. Aber ich kann verstehen, wenn die Bistümer Bedenken haben: Letztlich sind sie bei Minderjährigen verantwortlich, wenn etwas passiert.

Frage: Was steht für die Jugendlichen im Vordergrund: die geistlichen Inhalte oder das Zusammentreffen mit Altersgenossen aus aller Welt?

Hartmann: Es ist beides. Gemeinsam mit einer Gruppe ins Ausland zu reisen, das ist schon etwas Besonderes für die Jugendlichen. Die religiösen Inhalte sind aber auch wichtig und sind mit dem Gruppenerlebnis verknüpft. Da wird dann eben Rosenkranz mit Menschen aus aller Welt in der überfüllten U-Bahn gebetet.

Frage: Seit Sydney gibt es ein besonderes Erkennungszeichen der deutschen Pilger ...

Hartmann: Das ist ein Hut. Er ist schon von weitem sichtbar und praktischer als ein T-Shirt oder Halstuch, das eigentlich nach zwei Tagen in die Wäsche müsste. In Madrid gab es immer ein großes „Hallo“, wenn sich zwei deutsche Gruppen über den Weg gelaufen sind. Der Hut ist deutschlandweit einheitlich, die Bistümer können aber eigene Aufnäher gestalten. Im besten Fall wird das dann wie eine Pinnwand, mit vielen internationalen Pins, die auf dem WJT ausgetauscht werden können. Und er kann auch von denen abgegriffen werden, die zu Hause in Deutschland den WJT feiern.

Frage: Gibt es denn zur Vorbereitung des WJT schon Angebote?

Hartmann: Es gibt sowohl für die Teilnehmer als auch für die Betreuer Möglichkeiten, sich geistlich und praktisch vorzubereiten. Wir haben eine WJT-Werkstatt für die Betreuer: Das sind drei Veranstaltungen, in denen wir über die Veranstaltung, aber auch über Brasilien und die dortige Kirche informieren. Für die Teilnehmer machen die Bistümer Angebote. Manche organisieren eine verpflichtende Vorbereitungswoche, andere nur ein Abend, zu dem Interessierte kommen können.

Frage: Der katholischen Kirche wird ja oftmals vorgeworfen, sie sei wenig attraktiv für junge Leute. Beweist der WJT das Gegenteil?

Hartmann: Man erfährt die Kirche auf einem WJT als ziemlich lebendig. Da werden die klassischen Elemente der katholischen Kirche mit Schwung und Elan vermittelt. Es müsste allerdings mehr passieren, wenn die jungen Gläubigen dann wieder zu Hause sind. Sie müssten ermutigt und befähigt werden, „ihre“ Kirche zu leben, und es müsste mehr Räume und Möglichkeiten geben, sich einzubringen.

Von Barbara Mayrhofer

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