ZdK würdigt Elysée-Vertrag als „mutiges, visionäres Werk“

  • © Bild: KNA
  • Europa - 21.01.2013

Aus Anlass des 50. Jahrestages der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags haben die Präsidenten der Semaines sociales de France, Jérôme Vignon, und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, an die deutsche und französische Politik appelliert, ihrer europäischen Führungsrolle gerecht zu werden und gemeinsam mit den europäischen Partnern Wege für ein zukunftsfähiges Europa aufzuzeigen.

Vignon und Glück würdigen den Elysée-Vertrag als mutiges, visionäres Werk deutsch-französischer Versöhnung, dessen bedeutendste Frucht der beständige Fortschritt der europäischen Integration sei. Ganz im Geist der Gründungsväter de Gaulle und Adenauer gelte es auch heute weiterhin, unterschiedliche Interessen und gelegentliches Misstrauen zu überwinden sowie wiedererstarkendem Nationalismus zu widerstehen.

Weg gemeinsam fortsetzen

„Für uns beide, die wir uns als Verantwortliche zweier großer katholischer Laienorganisationen den Werten der christlichen Sozialethik sowie dem politischen Engagement von Christen in unseren Gesellschaften verpflichtet wissen, steht es außer Frage, dass die Entschlossenheit Frankreichs und Deutschlands, bei allen weiterhin bestehenden Unterschieden ihren eingeschlagenen gemeinsamen Weg fortzusetzen, der Hauptgarant für die Fortentwicklung der Europäischen Union als einer Schicksalsgemeinschaft ist und bleibt“ heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Die beiden Präsidenten fordern eine Reform der europäischen Verträge, um die Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen und die gemeinsame Währung langfristig zu stabilisieren. Dieser Prozess müsse zu einer wirklichen Wirtschafts- und Währungsunion führen und die Balance zwischen Budgetverantwortlichkeit und Solidarität wahren. Zu den Lehren aus der Krise zähle auch, der sozialen Dimension Europas neue Impulse zu verleihen. Die Europäische Union müsse zu einer sozial sowie ökonomisch und ökologisch nachhaltigen und damit zukunftsfähigen Kultur des Lebens finden.

Werden die Religionen verdrängt?

Die Würdigung des europäischen Integrationsprozesses mit dem Friedensnobelpreis sehen Vignon und Glück zugleich als Auftrag und Verpflichtung der EU, sich weiterhin in Europa und weltweit mit ihrem gesamten politischen und wirtschaftlichen Gewicht in den Dienst des Friedens und des Schutzes der Menschenrechte zu stellen. Auch die Kirchen würden hier weiterhin ihren Beitrag leisten.

In diesem Zusammenhang geben Vignon und Glück aber auch ihrer Beunruhigung über eine zunehmende feindselige Haltung in den europäischen Gesellschaften gegenüber den Religionen Ausdruck. Es gebe eine Haltung, die Religion aus der Öffentlichkeit verdrängen wolle und teils sogar so weit gehe, den Religionen ihr Recht, sich zu gesellschaftspolitischen Fragen offen zu äußern, abzusprechen. Europäische Politik müsse die Präambel des Vertrags von Lissabon, in der sich die EU auf ihr „kulturelles, religiöses und humanistisches Erbe“ beruft, ernst nehmen und jeder Mitgliedstaat sicherstellen, „dass sein Rechtssystem das Recht eines jeden auf Gedanken- und Gewissensfreiheit und Religions- und Weltanschauungsfreiheit ohne Ansehen der Person angemessen und wirksam garantiert“.

© Zentralkomitee der deutschen Katholiken