Pakistan: „Diskriminierung regiert das Land“

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  • Vatikanstadt - 17.01.2013

Pakistan taumelt. Mit dem Haftbefehl für Ministerpräsident Raja Pervez Ashraf und den Massendemonstrationen gegen ihn in den Städten und für ihn auf dem Land droht eine Destabilisierung des Landes. Die latenten Spannungen mit dem Nachbarland Indien steigen, es kam in der umstrittenen Grenzregion Kaschmir schon zu mehreren Toten: In der vergangenen Woche kamen bei mehreren Attentaten gegen die schiitische Religionsgruppe im Land 90 Menschen ums Leben. Radio Vatikan hat mit Peter Jacob gesprochen, dem Direktor der Kommission Justitia et Pax der Bischöfe Pakistans. Er macht sich Sorgen um die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft.

Peter Jacob: Die Gewalt ist eine Bedrohung für alle. Gleichzeitig sind die Menschen in Pakistan nicht bereit, bezüglich ihrer Rechte Kompromisse einzugehen und deswegen gibt es jeden Tag Demonstrationen auf den Straßen, Proteste, Bekundungen von Solidarität mit den Opfern von Gewalt, vor allem mit der schiitischen Gemeinschaft hier. Die Christen beteiligen sich daran und fordern die Herrschaft von Recht und Gesetz.

Radio Vatikan: Dem Premierminister wird Korruption aus der Zeit als Minister für Wasser und Energie vorgeworfen. Gegen die Korruption führt nun ein bekannter Prediger Massenproteste an.

Peter Jacob: Zunächst einmal erlebt das Land wegen der politischen Instabilität eine ganz schwierige und kritische Situation. Es gibt Protestmärsche, die zeigen, wie unzufrieden die Menschen sind. Diese Unzufriedenheit kann dazu führen, dass die Proteste politisch ausgenutzt werden. Wir stehen immerhin vor Wahlen. Es ist zurzeit schwierig, demokratische Kampagnen zu organisieren, weil alles vom Extremismus bedroht wird. Trotzdem versuchen sich die politischen Parteien und auch Organisationen, wie die der Richter und der Journalisten, zu organisieren. Es bleibt Hoffnung auf ein Comeback des Landes.

Radio Vatikan: Die christliche Gemeinschaft nimmt das alles aus der Perspektive einer bedrohten Gruppe wahr, so Jacob. Zwar sei die politische Beteiligung rechtlich hergestellt, aber die immer noch bestehende Marginalisierung der Christen sei symptomatisch für die Situation im Land.

Peter Jacob: Da geht es zum Beispiel um die Sicherheit und es geht um wirtschaftliche Marginalisierung. Auch ist die Frage der Diskriminierung von Christen noch nicht gelöst. Diese Diskriminierung und das Sektierertum – politisch wie religiös – sind einige der Faktoren, die uns in diese Situation gebracht haben. Die Situation ist wie sie ist, weil religiöse Diskriminierung das Land regiert. Die Kirche hilft den Menschen, vor allem den Armen, mit Entwicklungsprogrammen. Sie steht für Fragen von Gerechtigkeit und Frieden. Wir wollen dem Land auch dadurch helfen, dass wir zu einem friedlichen Leben aufrufen: So will die christliche Gemeinschaft dem Land helfen.

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