Kampf gegen Hunger darf kein Geschäft sein

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  • Berlin - 16.01.2013

Zum Auftakt der Grünen Woche warnen das katholische Hilfswerk Misereor und das Forum Umwelt und Entwicklung mit der neuen Studie Business Case – Hungerbekämpfung vor einer einseitig geführten Debatte um Agrarinvestitionen.

„Wir brauchen nicht einfach mehr Investitionen in Landwirtschaft und Nahrungsmittelverarbeitung, sondern die richtigen Investitionen“, so Jürgen Maier, Geschäftsführer des Forums Umwelt und Entwicklung: „Wir erleben immer wieder, wie Saatgutkonzerne und Supermarktketten in Entwicklungs- und Schwellenländern die Ressourcenkontrolle von Bauern gefährden und Kleinhändler verdrängen. Wir dürfen uns die Risiken von Großinvestitionen nicht einfach schönreden.“

„Die Agrar- und Ernährungsindustrie stellt sich zunehmend als wichtigster Akteur im Kampf gegen den Hunger in der Welt dar“, so der Autor der Studie und Misereor-Experte Benjamin Luig. „Wenn die größten Nahrungsmittelkonzerne der Welt mit Kleinbauern aus Afrika, Asien und Lateinamerika direkte Lieferverträge haben, dann sei das an sich noch keine Investition in Ernährungssicherung, sondern beinhalte für die Bauern auch ernsthafte Risiken. Leider wird aber genau dies von mächtigen privaten Finanzgebern wie der Stiftung von Bill Gates, der in diesen Tagen mit der Bundesregierung die weitere strategische Zusammenarbeit erörtert, vorangetrieben. Es ist beunruhigend, wenn auch die deutsche Bundesregierung Agrobusiness mit Hungerbekämpfung gleichsetzt und die Agrar- und Lebensmittelkonzerne in diesem ‚Geschäft‘ unterstützt“, so Luig.

„Wir dürfen uns die Risiken von Großinvestitionen nicht einfach schönreden.“

— Jürgen Maier, Geschäftsführer des Forums Umwelt und Entwicklung
Flüchtlinge aus dem Kongo warten im Flüchtlingscamp Nyakabande bei Kisoro, 520 Kilometer südwestlich von Kamapala, auf die Verteilung von Lebensmitteln. KNA

Studie warnt vor Risiken verantwortungsloser Agrarinvestitionen

Die Studie „Business Case – Hungerbekämpfung“ untersucht die Risiken und die Reichweite sogenannter „inklusiver Geschäftsmodelle“, mit der Agrar- und Lebensmittelkonzerne Kleinbauern in ihre Wertschöpfungsketten integrieren. Diese Modelle beinhalteten aufgrund ungleicher Verhandlungsmacht einerseits hohe Kosten und Risiken für die Bauern und erreichten andererseits maximal 10% der Kleinproduzenten. In der Studie heißt es, die Herstellung von Ernährungssicherheit erfordere in erster Linie günstige Rahmenbedingungen für bäuerliche Investitionen sowie eine umfassende Strategie zur Stärkung der Verhandlungspositionen von Kleinproduzenten innerhalb von Wertschöpfungsketten.

Die Studie veröffentlicht das Forum Umwelt und Entwicklung zum GFFA (Global Forum for Food and Agriculture), auf dem vom 17. bis zum 19. Januar 2013 internationale Agrarminister, Bauernverbände, Wirtschaftsvertreter und Zivilgesellschaft parallel zur Grünen Woche über Zukunftsfragen der Landwirtschaft diskutieren. Thema ist dieses Jahr „Verantwortliche Investitionen in Agrar- und Ernährungswirtschaft“.

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„Business Case – Hungerbekämpfung“

Die Studie untersucht den fragwürdigen Beitrag von Agribusiness und Nahrungsmittelindustrie zur Ernährungssicherheit. Das Dokument können Sie hier herunterladen:

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