Winterstürme fordern Todesopfer in Nahost

  • Jerusalem - 10.01.2013

Die größten Winterstürme seit einem Jahrzehnt führen in zahlreichen Ländern des Nahen Ostens zu Schäden und Chaos. Im Libanon starben laut Medienberichten sieben Menschen, im Westjordanland ertranken drei Personen bei Überflutungen. Drei weitere starben am Dienstagmorgen bei einem Verkehrsunfall auf dem Weg von Bethlehem nach Tel Aviv. Abbrechende Äste verletzten zahlreiche Passanten. Das stürmische Wetter soll nach Medienangaben noch bis zum Wochenende anhalten.

Sturm und anhaltende Niederschläge führen seit dem Wochenende in vielen Gebieten des Nahen Ostens zu Überschwemmungen, Stromausfällen und Verkehrschaos. In Jerusalem und weiteren israelischen Städten sind seit Mittwochmittag die Schulen geschlossen. Anwohner wurden gebeten, den Privatverkehr auf ein Minimum zu reduzieren. Im Norden Israels schneite es. Die Stadt Hadera im Golan ist wegen überfluteter Zufahrtsstraßen von der Außenwelt abgeschnitten. In Tel Aviv musste am Dienstag eine der Hauptverkehrsachsen wegen Hochwassers gesperrt werden.

Heftigstes Unwetter seit 10 Jahren

Nach Angaben des israelischen Wetterdienstes handelt es sich um den stärksten Sturm seit Februar 2003. Besonders betroffen ist die Küstenregion. Dort erreichten die Windspitzen bis zu 124 Stundenkilometer. In Haifa ging allein am Mittwochmorgen so viel Regen nieder, wie sonst in einem ganzen Winter. Im Norden des Landes summierten sich die Niederschläge auf 90 Prozent des Jahresmittels. Seit Dienstag stieg der Pegel des Sees Genezareth um 16 Zentimeter an.

Im Libanon betrug die Menge der Niederschläge der vergangenen Tage das Doppelte eines durchschnittlichen Jahres. In der jordanischen Hauptstadt Amman führte der Wintereinbruch mit teils heftigen Schnee- und Regenfällen zu überfluteten Straßen. Aufgrund des schlechten Wetters ereigneten sich in zwei Tagen knapp 800 Unfälle.

Aufstände im Camp Za''atari in der jordanischen Wüste

Im Camp Za''atari im Norden Jordaniens, wo 64.000 syrische Flüchtlinge leben, griffen laut jordanischen Medienberichten entnervte Bewohner Hilfs- und Ordnungskräfte an, weil sie unter den Wetterunbilden litten. Sieben Camp-Mitarbeiter seien verletzt worden. Hunderte Zelte standen unter Wasser. Die Flüchtlinge warfen den Verantwortlichen vor, nicht angemessen auf die Situation vorbereitet zu sein.

Das Flüchtlingscamp Al-Za''atari von UNHCR-JHCO in Jordanien. Caritas international

„Die Situation ist explosiv. Seit einiger Zeit vertreten wir die Ansicht, dass das Camp in Za''atari geschlossen werden sollte. Doch die Öffnung einer neuen Einrichtung, die bald stattfinden sollte, wurde ein weiteres Mal verschoben“, äußerte sich Wael Suleiman, Leiter von Caritas Jordanien, gegenüber dem Fidesdienst.

Unterdessen verteilte seine Organisation, die nicht direkt an der Verwaltung des Flüchtlingslagers in Za''atari beteiligt ist, angesichts der dramatische klimatischen Verhältnisse Decken, Öfen und warme Mahlzeiten an rund 30.000 Flüchtlingsfamilien. Doch aufgrund der sich zuspitzenden humanitären Lage erweist sich die Durchführung der Hilfsprogramme zunehmend als schwierig. „Der Schneesturm“, so Sueleiman, „zerstörte mindestens 500 Zelte in dem Flüchtlingscamp. In der Wüste leben die Flüchtlinge bereits unter unhaltbaren Bedingungen. Wir wissen noch nicht, ob es Tote gab, doch es gibt mit Sicherheit viele, denen es nicht gut geht und die versorgt werden müssten. Einige haben sich bereits auf den Rückweg nach Syrien gemacht. Sie ziehen die Gefahren eines vom Krieg zerstörten Landes der Perspektive vor, dass sie zusehen müssen, wie die eigenen Kinder in der Hölle der Flüchtlingslager sterben.“ (KNA/Fidesdienst)

Weitere Informationen zur Nothilfe, die Caritas international im Nahen Osten leistet, finden Sie auf www.caritas-international.de .

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