Mali-Krise: Neue Verhandlungen am Donnerstag

  • © Bild: KNA
  • Cotonou - 08.01.2013

Die Islamisten im westafrikanischen Mali dringen offenbar immer stärker Richtung Süden vor. Medienberichten zufolge nähern sie sich seit Wochenbeginn weiter der Demarkationslinie. Diese trennt den von mehreren radikalen Gruppierungen besetzten Norden vom Süden des Landes, der noch unter Kontrolle der Übergangsregierung steht. Dabei sollen am Donnerstag in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou Friedensgespräche stattfinden. Sie stehen nun unter schlechten Vorzeichen. Denn rund um die Demarkationslinie spitzt sich die Situation offenbar immer weiter zu. Laut einem Bericht der BBC vom Dienstag hat die malische Armee am Montag erstmals auf Islamisten geschossen.

Nach Angaben eines Armeesprechers handelte es sich lediglich um Warnschüsse. Der Sender Al-Dschasira berichtet wiederum, dass in der Nähe der Stadt Mopti, die südlich der neuen Grenze liegt, zwölf Soldaten von Rebellen gefangen genommen worden seien. Nach Mopti hatten sich in den vergangenen Monaten Tausende Menschen aus dem Norden geflüchtet; die einstige Touristenhochburg galt bisher als einigermaßen sicher.

Islamisten rücken auf Regierungsstellungen vor

Augenzeugen berichten zwar, dass zuletzt Delikte wie Diebstähle zugenommen hätten. Von Islamisten und Rebellen war die Stadt aber verschont geblieben. Das könnte sich nun ändern. Polizei und Militär sind zwar rund um Mopti und Sevare, der zweiten größeren Stadt in Zentralmali, präsent. Doch niemand geht davon aus, dass sie dauerhaft für Sicherheit sorgen könnten.

An mehr Sicherheit sollte eigentlich auch der sogenannten Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) sowie Ansar Dine (Verfechter des Glaubens) gelegen sein, die sich mit aller Macht für die Einführung der Scharia einsetzt. Kurz vor Weihnachten verkündeten Vertreter beider Gruppierungen in Algerien, sie wollten nichts unternehmen, was die Lage in den von ihnen besetzten Gebieten weiter destabilisiere. Zudem kündigten sie erneut ihre Bereitschaft an, das Land mit seinen 14 Millionen Einwohnern doch noch mit einer friedlichen Lösung aus der Krise holen zu wollen.

"Die UN muss endlich handeln": Mehrere hundert Menschen haben im Dezember in der malischen Hauptstadt Bamako gegen mögliche Gespräche mit islamistischen Gruppierungen sowie der Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) demonstriert. KNA

Staatspräsident von Burkina Faso als Vermittler

Ein neuer Versuch dafür sind die für Donnerstag geplanten Verhandlungen in Ouagadougou unter dem Chef-Vermittler und Staatspräsident von Burkina Faso, Blaise Compaore. Viele Malier stehen dem skeptisch gegenüber. Denn die MNLA hat für die Teilung des Nordens gekämpft, was die große Mehrheit der Bevölkerung nicht akzeptiert.

Ansar Dine hingegen steht für einen besonders radikalen Islam. Wie ernst sie es damit meint, hat sie zuletzt immer wieder bewiesen. Christen haben längst den Norden verlassen. Ob in Timbuktu oder Gao überhaupt noch Kirchen stehen, weiß niemand genau. Wohl auch deshalb hat das Hilfswerk Open Doors Mali am Dienstag erstmals auf seine Liste jener Länder gesetzt, in der Christen verfolgt werden.

Islam in Mali galt als gemäßigt

Bislang galt der Islam in Mali, wo rund 90 Prozent der Einwohner Muslime sind, als sehr gemäßigt. Führende Religionsvertreter sprachen sich immer wieder öffentlich gegen eine Zwangseinführung der Scharia aus. Sidi Konake vom islamischen Rat in Bamako etwa lehnt eine solche Forderung komplett ab: In Mali sei das „überhaupt nicht nötig“. Die malischen Muslime seien sehr gebildet und kennten ihre Religion. Auch ohne die offizielle Einführung des islamischen Rechts richteten sie sich „selbstverständlich“ danach.

Seit einem Jahr steckt Mali in der Krise. Nach der Tuareg-Rebellion im Norden und einem Militärputsch rief die MNLA am 6. April den Staat Azawad aus. Seitdem wird die Region jedoch von anderen kontrolliert – vorwiegend von Ansar Dine, aber auch von der Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO). Vor allem letztere Gruppierung soll gute Kontakte zu Al-Kaida haben.

Militärintervention erhält Zustimmung vom Weltsicherheitsrat

Vor knapp drei Wochen stimmte der Weltsicherheitsrat erstmals einem Militäreinsatz unter Federführung der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS zu. Diese will 3.300 Soldaten entsenden; wann, ist noch unklar. Allerdings, so fordert der Sicherheitsrat, sollen gleichzeitig auch politische Gespräche stattfinden.

Von Katrin Gänsler

© KNA