Kirche setzt sich für Haus- angestellte und Migranten ein

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  • Bonn - 18.12.2012

Millionen von Frauen weltweit sind als Hausangestellte tätig. Ihre Arbeit wird meist nicht gewürdigt und schlecht bis gar nicht bezahlt, meint Hildegard Hagemann von der Kommission Justitia et Pax, die von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken getragen wird. Hagemann hat sich in Singapur und Hongkong über die Lage der Hausangestellten informiert.

Frage: Frau Hagemann, Sie sind gerade von einer Konsultationsreise aus Singapur und Hongkong zurückgekommen. Wie haben Sie die Situation der Hausangestellten dort erlebt?

Hagemann: Gerade in Singapur und Hongkong ist ihre Situation sehr prekär. In Hongkong gibt es jedoch immerhin Gesetze, dass Hausangestellten zumindest ein freier Tag in der Woche zusteht. Das ist in Singapur erst ab Januar der Fall. Und es war ein langer Kampf, bis das durchgesetzt wurde. Da können Sie schon sehen, wie ungeschützt die Lage dieser Frauen ist.

Frage: Warum hat die Gruppe der Hausangestellten so eine Bedeutung?

Hagemann: Es ist ein weltweites Phänomen. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO gibt es ungefähr 100 Millionen Hauarbeiterinnen – und zwar überall auf der Welt. Vielfach sind sie ihren Arbeitgebern wehrlos ausgeliefert. Oft sind sie vom Land in die Stadt gewandert und haben ihre Familien zurückgelassen. Häufig sind sie auch aus ärmeren Ländern in die wohlhabenderen Nachbarstaaten gegangen und müssen dann auch in einer fremden Kultur zurechtkommen.

Hildegard Hagemann, Referentin der Geschäftsstelle von der Deutschen Kommission Justitia et Pax. KNA

Frage: Warum waren Sie dann gerade in Singapur und Hongkong?

Hagemann: Weil beide ein gutes Beispiel für das Phänomen sind. Es war mir aber auch wichtig, dorthin zu fahren, weil die Kirchen dort sehr aktiv an dem Thema arbeiten. Sie kümmern sich sehr stark um Arbeitsmigranten, besonders aber Hausangestellte. Die kommen oft aus christlich geprägten Verhältnissen, beispielsweise von den Philippinen. Da ist es selbstverständlich, dass sich die Kirche um sie kümmert.

Frage: Was konkret erwartet die Frauen?

Hagemann: Ausbeutung durch den Arbeitgeber, aber auch durch die Vermittlungsagenturen sind an der Tagesordnung. Hausarbeit wird nicht wertgeschätzt; die Menschen, die sie tun, werden teilweise wirklich wie Sklaven behandelt. Da viele von ihnen Migranten sind, können sie sich schlecht wehren, sie werden auch vom Staat als unerwünscht angesehen. Ein ganz wichtiger Punkt ist auch eine generelle Zunahme von Fremdenfeindlichkeit; auch Länder wie Singapur sind Migranten zunehmend feindlich gesonnen. Obwohl die Wanderarbeiter meist die Arbeit machen, die Einheimische nicht machen wollen, haben die Leute Angst um ihre Arbeitsplätze. Ich würde fast sagen, Fremdenfeindlichkeit ist weltweit auf dem Vormarsch.

Tag der Migranten

Die Kölner Macromedia Hochschule und Justitia et Pax machen auf die Rechte von Migranten aufmerksam.

Justitia et Pax

Frage: Wie können Kirchen und Hilfsorganisationen da zur Seite stehen?

Hagemann: Sie wollen den betroffenen Frauen einen Schutzraum bieten, auch eine Heimat. Sie sollen sich austauschen können. Aber sie erhalten auch Rechtsberatung und Beistand. Auf politischer Ebene soll es natürlich darum gehen, die rechtliche Situation der Hausangestellten zu verbessern. Dazu hat die ILO im Jahr 2011 eine Konvention zu Arbeitsnormen von Hausangestellten verabschiedet. Die Kirchen versuchen, bei den Regierungen eine Anerkennung dieser Konvention zu erreichen. Das ist in Singapur und Hongkong aber noch sehr unwahrscheinlich.

Frage: Könnten Sie ein konkretes Beispiel für ein Projekt der Kirchen geben?

Hagemann: In Hongkong war ich in einem Frauenschutzhaus, das von der Kirche getragen wird. Hausangestellte können dorthin flüchten, wenn sie ein Gerichtsverfahren mit ihren Arbeitgebern auszufechten haben.

Frage: Was wünschen Sie sich zum Tag der Migranten?

Hagemann: International gesehen, fände ich es natürlich wunderbar, wenn mehr Länder dazu gebracht werden könnten, die Wanderarbeitnehmerkonvention zu unterzeichnen. Ich wünsche mir auch, dass wir dazu kommen, die Migranten nicht nur als billigen Arbeits- und Produktionsfaktor zu sehen. Ich hoffe, dass sich das Recht, sich frei zu bewegen, weltweit durchsetzt – also auszuwandern, aber auch einzuwandern.

Von Barbara Mayrhofer

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Deutsche Kommission Justitia et Pax

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax (Gerechtigkeit und Frieden) ist eine Art „Runder Tisch“ der katholischen Einrichtungen und Organisationen, die im Bereich der internationalen Verantwortung der Kirche in Deutschland tätig sind.

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