Ecuador: Weihnachtsfeier ohne Jesuskind?

  • Quito - 14.12.2012

Ecuadors Schüler sind verunsichert: Schon seit Wochen machen Gerüchte die Runde, es dürfe keine Weihnachtsfeiern mehr in den Klassenräumen geben. Hintergrund ist ein behördliches Verbot religiöser Symbole in öffentlichen Institutionen. Das Medienecho in dem südamerikanischen Land ist groß, ebenso die Empörung seitens der Kirche.

Von vorweihnachtlicher Vorfreude auf das Fest der Liebe ist derzeit nicht viel zu spüren. „Es ist eine Schande, dass einige Funktionäre des Staates damit fortschreiten, religiöse Symbole in den öffentlichen Räumen wie kirchlichen oder staatlichen Schulen zu entfernen. Weihnachten ohne Jesus zu feiern ist absurd“, kritisierte der Erzbischof von Cuenca, Luis Cabrera Herrera, das Verbot. Er fürchtet auch um die Zukunft der Weihnachtsparade „El Pase del Niño“, eine der wichtigsten Weihnachtstraditionen in seinem Erzbistum. Die traditionsreichen Feiern, die zu den Höhepunkten des christlichen Jahres zählten, dürften nicht verboten werden.

Keim des Streites wurzelt tief

Der Streit zwischen staatlichen Funktionsträgern und der Kirche wurzelt tiefer. Ecuadors Staatspräsident Rafael Correa ist Sozialist und überzeugter Christ. Der charismatische Politiker liebt die provokative Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche. Er wirft ihr vor, die vor allem in Lateinamerika populäre Befreiungstheologie nicht in ihre tägliche Arbeit einzubeziehen und stattdessen zu sehr die individuelle Moral der Gläubigen ins Visier zu nehmen.

Der katholische Glaube ist in Ecuador tief verwurzelt: Prozession mit Schülern und Studenten vor dem Colegio Santa Maria in Quito. Pohl/Adveniat

Im November hatte Gesundheitsministerin Carina Vance gemäß der Anordnung der Regierung das Krankenhaus „Vicente Corral Moscoso de Cuenca“ angewiesen, sämtliche religiösen Darstellungen zu entfernen. Dies sorgte in Teilen der Bevölkerung für Unmut, denn der katholische Glaube ist in Ecuador tief verwurzelt. Seitdem tobt im Erzbistum Cuenca ein Streit zwischen Kirche und Behörden. Die Kirche sieht ihre Grundwerte in Gefahr, die Regierung muss beschwichtigen.

Staat mahnt zur Ruhe

Die Vertreter des Staates sehen sich in der Defensive. Maria Eugenia Verdugo, Direktorin der örtlichen Bildungseinrichtungen, versucht, die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen. In der Tageszeitung „Hoy“ betonte sie, es gebe gar kein Verbot von Weihnachtsfeiern. Die neuen Maßgaben würden die Feierlichkeiten und Traditionen in keiner Weise beeinträchtigen. Sie setzt stattdessen auf eine Informationsoffensive: Vertreter aller betroffenen Einrichtungen sollen eingeladen und über die Hintergründe der Entscheidungen informiert werden. Auch Jose Quilambaqui, Bildungs-Direktor der Stadt Azuay im Erzbistum Cuenca, hat kein Verständnis für die emotionalen Proteste: Die Weihnachtsfeiern in den Schulen seien schon vor Monaten genehmigt worden.

Am vergangenen Samstag standen die Zeichen auf Entspannung. Wie die Tageszeitung „Telegrafo“ berichtet, nahmen mehr als 300 Schüler aus zwölf Schulen am traditionellen Weihnachtsumzug in Cuenca teil. Bis zum großen Abschluss am Heiligen Abend werden die Kinder durch die Straßen ziehen. 200 Mitglieder der Streitkräfte sollen für Sicherheit sorgen. Das Weihnachtsfest scheint gerettet.

Von Tobias Käufer

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