Nur im Dialog aus der Krise

  • Eichstätt - 03.12.2012

Zum elften Mal trafen sich Deutsche und Kubaner zum internationalen Dialogprogramm in Eichstätt. Die Tagung mit dem Titel „Die katholische Kirche als Träger der Begegnung und des sozialen Zusammenlebens“, die vom Referat Weltkirche des Bistums Eichstätt und dem Institut zur interkulturellen Erforschung von Phänomenen sozialer Exklusion (ISIS) in Aachen veranstaltet wurde, fand diesmal zu Ehren von Kardinal Jaime Ortega y Alamino aus Anlass seines 75. Geburtstags statt.

Kardinal Ortega erhielt Universitätsmedaille

Prof. em. Horst Sing, als Politikprofessor an der Fakultät für Soziale Arbeit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt einer der Väter des Dialogprogramms, erinnerte an die Entstehungsgeschichte der Kuba-Tagungen 1996 und betonte die Bedeutung dieses dialogischen Prozesses. Mitinitiator war Philosophie-Professor Raul Fornet-Betancourt, ein Deutsch-Kubaner, der unter anderem in Eichstätt lehrte, am Missionswissenschaftlichen Institut in Aachen forschte und nun Professor in Bremen ist.

Kardinal Jaime Ortega, Erzbischof von Havanna, im Gespräch mit Jugendlichen in der Pfarrei Nuestra Señora de la Merced in Bauta, einer kleinen Stadt in der Nähe von Havanna. Steffen/Adveniat

Uni-Präsident Prof. Richard Schenk würdigte die Bedeutung des Dialogprogramms auf besondere Art. Er verlieh Kardinal Ortega die Universitätsmedaille. Sie werde an Menschen verliehen, „die sich besonders um diese Universität verdient gemacht haben“, sagte Schenk. Ortega habe durch seine Vorträge über die Situation in Kuba „Vielen etwas Fernes viel näher gebracht“. Bischof Dr. Gregor Maria Hanke sprach seinen Dank für die „aufrichtige Dialogbereitschaft“ und die Teilhabe an den Erfahrungen aus, die durch die Tagungen möglich wurden.

90 Prozent der Kubaner glauben an Gott

Bei einem öffentlichen Vortrag an der Universität sprach der Kardinal über das religiöse Leben des kubanischen Volkes und die katholische Kirche. In den 50er-Jahren hätten laut einer wissenschaftlich fundierten Umfrage der katholischen Universitäten 90 Prozent der Kubaner gesagt, sie glaubten an Gott. Fast dasselbe Ergebnis erbrachte Ende der 80er-Jahre eine landesweite Umfrage der Kubanischen Akademie der Wissenschaften. Hier gab der Kardinal zu bedenken, dass man durchaus von einer oberflächlich evangelisierten Gesellschaft sprechen könne, gab allerdings auch eine Mitverantwortung der Kirche an dem unzureichenden religiösen Bewusstsein zu.

Ebenso wie der „schrecklich negative Einfluss der Sklaverei“ habe die Kubanische Revolution von 1959 die Gesellschaft verändert. Viele hätten sich im Konflikt zwischen der „Treue zur Kirche und der Treue zur kubanischen Revolution“ befunden. Die Kirche hatte keinen Zugang zu Massenmedien, verlor nach der Revolution Schulen und Ausbildungszentren, kirchliche Feste durften nicht öffentlich gefeiert werden. Die noch vor acht Jahren geäußerte Angst befragter Christen, sie könnten wegen ihres Glaubens wieder Schwierigkeiten bekommen, sei heute viel geringer.

Das soziale Engagement der Kirche, ihre Zuverlässigkeit und Beständigkeit in wirtschaftlich schwierigsten Zeiten, habe ihr große Sympathien in der Bevölkerung eingetragen. Tatsächlich gebe es eine Veränderung auf Kuba, so Ortega. Die Kirche würde heute als Gesprächspartner anerkannt. Als Zeichen solcher Veränderung nannte er die 126 Gefangenen, um deren Freilassung die Bischöfe baten.

Zukunftsdebatten

Was Versöhnung aus theologischer Sicht bedeutet, leuchtete der Theologe und Priester Yosvany Sureda aus. Die interkulturelle Dimension als wesentlichen Teil des Dialogs in Kuba schilderte Manuel Heredia. Das Zusammenwirken afrikanischer und europäischer Einflüsse mit denen der Ursprungsbevölkerung sei einmalig.

Zur Tagung geladen waren auch zwei Deutsche, die „ein Land im Wandel erlebt“ haben: Pastorin Friederike Schulze und Prälat Hellmut Puschmann. 1939 geboren, aufgewachsen in der DDR, war Puschmann dort lange Jahre für die Caritas verantwortlich, war von 1991 bis 2003 Präsident des Deutschen Caritasverbandes. Er skizzierte den Weg einer kleinen, bedrängten Kirche in der Diaspora, die sich auf die Glaubensverkündigung konzentriert habe und fasste zusammen, dass der Weg der Geschlossenheit richtig gewesen sei, „unverwundbar“ gemacht habe.

Der ausgewiesene Kubakenner Professor Martin Franzbach sprach über den kulturellen Dialog zwischen Deutschland und Kuba. Er erwähnte auch die Bedeutung neuer Medien, insbesondere des Internets, für die Verbreitung von freier Meinung. Über die Zukunft Kubas diskutierten abschließend, von Weltkirche-Referent Gerhard Rott moderiert, die Wissenschaftler Roberto Veiga, Lenier Gonzales und Annia Martinez aus Kuba, der Abtpräses der Missionsbenediktiner, Jeremias Schröder, und Martin Hagenmeier, der Vertreter des katholischen Hilfswerks für Lateinamerika, Adveniat. In allen Aussagen war immer wieder vom einzig möglichen Weg des Dialogs die Rede.

Weitere Informationen finden Sie beim Referat Weltkirche des Bistum Eichstätt.

© Ulrike Schurr-Schöpfel, Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt