„Nächstenliebe und Hoffnung sind unsere christlichen Waffen“

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  • Berlin - 29.11.2012

Die Deutsche Bischofskonferenz hat heute in der Katholischen Akademie in Berlin die neue Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“ vorgestellt. Die 16-seitige Publikation mit dem Länderschwerpunkt Ägypten veranschaulicht den Lesern den schwierigen Alltag von Christen und präsentiert Informationen zur Entwicklung der Religionsfreiheit nach dem „Arabischen Frühling“.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Kyrillos William Samaan, Bischof von Assiut und Administrator des koptisch-katholischen Patriarchats von Alexandrien, und Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident von Missio Aachen, beschrieben anlässlich der Vorstellung der neuen Publikation die prekäre Lage der Christen in Ägypten – ein Land, das nicht zuletzt seit dem politischen Umbruch im Mittelpunkt der weltweiten Aufmerksamkeit steht. Erzbischof Schick erinnerte an das Zweite Vatikanische Konzil, nach dem die Freiheit der Religionsausübung Voraussetzung dafür sei, die „Wahrheit in dem, was Gott und seine Kirche angeht, zu suchen und die anerkannte Wahrheit zu bewahren.“ Für Papst Benedikt XVI. sei die Religionsfreiheit der „Gipfel aller Freiheiten.“

Mit der Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen“ wolle die Kirche die „Aufmerksamkeit von Kirchengemeinden und der Gesellschaft auf jene Christen lenken, die aufgrund von Bedrängung oder gar Verfolgung besonders auf unser Gebet und unsere Unterstützung angewiesen sind“, erklärte Erzbischof Schick. Inzwischen hätten die Besorgnisse um die Christen in den Ländern des „Arabischen Frühlings“ zugenommen: „Es scheint, als gehörten die Christen bislang nicht zu den Profiteuren der neuen Freiheit. Noch in den vergangenen Tagen wurde uns am Entschluss der christlichen Kirchen, sich nicht weiter an der Verfassungsversammlung zu beteiligen, deutlich vor Augen geführt, wie groß die Unsicherheit der Christen in Ägypten geworden ist“, so Erzbischof Schick. „Die Achtung der Religionsfreiheit, die den innersten Kern menschlicher Grundüberzeugungen berührt und auf der Menschenwürde ruht, ist nicht willkürlichen Entscheidungen von Regierungen anheim gestellt.“

„Religionsfreiheit sowie Menschen-, Frauen- und Kinderrechte müssen wieder verstärkt ins Bewusstsein gerufen werden. Nächstenliebe und Hoffnung sind unsere christlichen Waffen.“

— Bischof Kyrillos, Bischof von Assiut und Administrator des koptisch-katholischen Patriarchats von Alexandrien

Bischof Kyrillos betonte, dass mit dem Aufstand auf dem Tahrir-Platz Anfang letzten Jahres zunächst eine neue Epoche des Wandels und der Demokratie angebrochen zu sein schien. Schon die Übergangsregierung des Militärrats habe jedoch darin versagt, die Christen als Bürger des Landes zu schützen, sodass sich viele gezwungen sahen, ihr Heimatland zu verlassen. Die Übernahme der Präsidentschaft durch Mohammed Mursi und das Abschneiden der Salafisten als zweitstärkster Kraft im Parlament, steigerte, so Bischof Kyrillos „die Sorge der Christen, und zwar zum Teil berechtigt.“ Leider höre man derzeit anstatt der anfänglichen Parole „Freiheit, Gerechtigkeit und Brot“ die Stimmen radikaler Muslime, die „Freiheit, Sharia und Brot“ riefen. Man kämpfe jedoch vehement gegen Diskriminierungen. „Religionsfreiheit sowie Menschen-, Frauen- und Kinderrechte müssen wieder verstärkt ins Bewusstsein gerufen werden. Nächstenliebe und Hoffnung sind unsere christlichen Waffen“, so Bischof Kyrillos.

Prälat Krämer wies darauf hin, „dass in der vergangenen Woche Präsident Mursi dem neuen koptischen Patriarchen gleiche Rechte für Christen wie für alle Bürger zugesichert hat“. Das könne mit Vorsicht als „Zeichen in die richtige Richtung gesehen werden.“ Krämer betonte: „Überlebenswichtig für die katholische Kirche … dürfte ihr diakonisches Handeln im Einsatz für mehr Gerechtigkeit und Frieden sowie die Förderung des christlich-muslimischen Zusammenlebens sein.“ Missio sei es ein Anliegen, die Christen in Ägypten in dieser Arbeit zu stärken und die Kirche in dem Land zu unterstützen. „Denn“, so der Missio-Präsident abschließend, „wir verstehen einen in Freiheit gelebten Glauben, der die Würde des Menschen mit allen daraus resultierenden Rechten anerkennt, als entscheidendes Element für eine friedliche und gelungene Zukunft Ägyptens.“

Weitere Informationen zum Thema bietet Ihnen die Webseite der Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“.

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