Eine Bolivianerin bringt Kirche in Bewegung

  • Trier - 28.11.2012

Sie spricht leise, ruhig, unaufgeregt. Was sie sagt, zeugt jedoch von Kraft, Energie und Temperament. In der Erzdiözese Cochabamba koordiniert sie Christliche Basisgemeinden; im Bistum Trier berichtete sie von ihren Erfahrungen. „Christliche Basisgemeinden – Alternative Wege für die Gestaltung von XXL-Pfarreien?“ lautete die Überschrift zur Veranstaltung am 23. November im Bischöflichen Priesterseminar Trier.

Rosa Nattes setzt sich in ihrer Heimat engagiert für Gerechtigkeit ein. Den direkten Draht zu den Menschen mit all ihren Problemen, Sorgen und Nöten gebe es in den Kirchlichen Basisgemeinden (Comunidades eclesiales de base, CEBs), erklärt sie. Es seien kleine Gemeinschaften, in denen man sich trifft, um zunächst einmal die Botschaft Christi zu verinnerlichen. „Eine Gruppe kann kommen und gehen, aber eine Gemeinschaft verschwindet nicht, sondern besteht fort“, sagte Rosa Nattes. Die Bibel lesen, die Worte reflektieren, sich mit den Handelnden der Schrift vertraut machen – und die Botschaft ins Heute übertragen. Die „Probleme, die jeder mitbringt“ würden thematisiert, und es werde nach Lösungen gesucht. Das Leben im Evangelium lesen, das Evangelium im Leben lesen – daraus entwickele sich ein sozio-politisches Engagement.

„Wo Schwierigkeiten sind, da packen wir an.“

— Rosa Nattes

Viele kleine Schritte – Tag für Tag

Kein leichtes Unterfangen, denn es sind riesige Problemberge, die abgetragen werden müssten. Indigene, die aus dem Hochland gekommen sind, leben in Cochabamba in ärmlichen Wohnvierteln. Allein in Villa Sebastian Pagador am Südrand der Stadt leben 54.000 Einwohner, denen es an so vielem fehlt. Sie haben keinen Zugang zu den fruchtbaren Böden der Region. Krankenhäuser, Polizei, Trink- und Abwasserleitungen: Fehlanzeige. Menschenhandel, Entführungen, Vergewaltigungen, jugendliche Straftäter, Drogen- und Alkoholmissbrauch – die Koordinatorin der CEBs weiß, dass „wir nicht die ganze Welt retten können“. Aber man versuche Einfluss zu nehmen auf die Stadtpolitik. „Wo Schwierigkeiten sind, da packen wir an.“ Tag für Tag werden viele kleine Schritte gemacht: Hilfe bei der Eingliederung von Familien etwa. Auch ökologisch tut sich einiges: So hat die lokale Basisgemeinde eine Müllabfuhr auf die Beine gestellt und setzt sich für die Wiederverwertung ein.

Rosa Nattes (Mitte) ist Koordinatorin der Basisgemeinden (CEB) in Cochabamba. In ihrem Büro trifft sich regelmäßig die Gruppe der CEB-Koordinatoren und Koordinatorinnen. Escher/Adveniat

Kirche in Bewegung

Laut Rosa Nattes sehen nicht alle Pfarrer die Bedeutung der Basisgemeinden. Sie hätten Angst davor, weil man sich nicht nur mit kirchlichen Themen befasse. Dabei sei es ein selbstverständliches Element, auch in der politischen Gemeinde präsent zu sein. Die Basisgemeinden seien keine Bewegung der Kirche, sondern Kirche in Bewegung. Das dies so bleibt, ist Rosa Nattes ein Herzensanliegen. Sie legt einen starken Akzent auf Fort- und Weiterbildung. In Workshops werden die Leiter der Basisgemeinden geschult.

Ein Ansatz, der den Zuhörern im Priesterseminar gefiel. „Wir durften heute eine hörende und lernende Kirche sein“, brachte es Prof. Dr. Martin Lörsch von der Theologischen Fakultät Trier auf den Punkt.

Veranstalter waren vier Kooperationspartner: die Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Trier, die Bischöfliche Aktion Adveniat (deren Gast Rosa Nattes war), die Katholisch-Theologische Fakultät der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Theologischen Fakultät Trier. An der Veranstaltung nahmen auch Studierende des Hauptseminars der beiden Fakultäten „Kleine Christliche Gemeinschaften – ein Weg der Kirchen- und Gemeindeentwicklung in Deutschland?“ sowie Verantwortliche und Engagierte in Pfarrgemeinden des Bistums teil.

www.bistum-trier.de/weltkirche

© Bistum Trier

Link-Tipp

Weiterführende Informationen zur Adveniat-Aktion 2012 finden Sie auf www.adveniat.de oder in unserer Rubrik Jahresaktionen .