In Goma dauert die angespannte Lage an

  • Kinshasa/Goma - 23.11.2012

Die angespannte Lage im Osten der Demokratischen Republik Kongo dauert an. Nach mehrtägigen Kämpfen mit der kongolesischen Armee nahmen am Dienstag Rebellen der Miliz M23 die Großstadt Goma an der Grenze zu Ruanda ein. Nun hat der kongolesische Präsident Joseph Kabila offenbar Gesprächsbereitschaft mit den Rebellen signalisiert. Anfang der Woche lehnte die Regierung das noch ab.

Unterdessen bemühen sich Hilfsorganisationen, die Lage für die Menschen im Osten des Kongo zu lindern. Deren Situation hat sich durch die neuen Auseinandersetzungen in der ohnehin schon krisengeschüttelten Region massiv verschärft.

Pater Piero Gavioli SDB, Direktor des Zentrums Ngangi der Salesianer Don Boscos in Goma, berichtete von Chaos auf den Straßen, alle Schulen und Geschäfte hätten schließen müssen. Am Tag des Einmarschs der M23 sei in Goma fast ununterbrochen geschossen worden, am Mittag sei dann fast die ganze Stadt in Rebellenhänden gewesen, schilderte der Salesianer am Dienstag der Don Bosco Mission in Bonn. Inzwischen habe sich die Lage wieder ein wenig beruhigt: Schulen, Geschäfte und Banken sollten am Donnerstag wieder öffnen, so der Pater.

Laut Gavioli werde im nationalen Radio die Rückeroberung angekündigt: „Wenn ja, wird die Bevölkerung von Goma viel leiden. Es gab schon jetzt viele Todesfälle unter Soldaten und Zivilisten auch durch verirrte Kugeln oder Bomben in der Nähe von Wohnhäusern. Eigentlich wollten wir heute den Gedenktag des Übereinkommens der Kinderrechte feiern und hatten ein schönes Programm für unsere Schüler geplant. Aber bei 5.000 Flüchtlingskindern im Zentrum konnten wir nur ein paar Kekse verteilen“, bedauerte der Ordensbruder am Dienstag.

Flüchtlinge in Goma: Das Don Bosco Zentrum hat mittlerweile mehr als 6.000 Menschen aufgenommen. Don Bosco Mission

Flüchtlinge suchen im Don Bosco Zentrum Schutz

Das Don Bosco Zentrum habe mittlerweile mehr als 6.000 Menschen aufgenommen, die aus dem Flüchtlingscamp Kanyaruchinya vor den Kämpfen geflohen seien, die meisten davon seien Frauen und Kinder, berichtet Don Bosco Mission. Ganze Familien suchten im Zentrum Schutz, lagerten in der Aula, in den Klassenzimmern oder in Zelten auf dem Basketballfeld.

Die Salesianer gäben den Flüchtlingen alles an Nahrungsmitteln und Wasser, was zur Verfügung stehe, alle Mitarbeiter seien im Einsatz, um die Menschen versorgen zu können. Von einem Flugzeug des Internationalen Roten Kreuzes wurden Wasser und etwas Nahrung gebracht, jedoch dramatisiere sich die Situation zusehends.

Appel der kongolesischen Bischofskonferenz

Die katholischen Bischöfe des Landes riefen die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf. Der Konflikt solle die Provinz Kivu und die Region destabilisieren, um eine Plünderung der Bodenschätze zu ermöglichen, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz des Kongo, Bischof Nicolas Djomo Lola, dem Sender Radio Okapi am Mittwochabend. „Während wir sprechen, sind Tausende von Leuten ohne Hilfe auf den Straßen von Goma unterwegs“, sagte der Bischof. Er sprach von der schwersten humanitären Krise seit dem Krieg Laurent-Desire Kabilas 1996 gegen das diktatorische Regime Mobutus.

In den Straßen von Goma: Die UN-Friedenstruppen konnte den Einmarsch der M23 nicht verhindern. Don Bosco Mission

Schritte zu einer politischen Entspannung sind ungewiss. Damit Präsident Joseph Kabila mit den M23-Rebellen Gespräche aufnimmt, müssten sich deren Kämpfer laut dem britischen Sender BBC als Vorbedingung aus Goma zurückziehen. Im Moment erscheint das ebenso unwahrscheinlich wie eine militärische Rückeroberung der Region durch Regierungstruppen.

Konflikt nur durch Verhandlungen lösbar

„Sie sind zu schwach und zu undiszipliniert“, sagt der Afrika-Referatsleiter von Caritas international, Christoph Klitsch-Ott, über die Soldaten Kabilas. Aus seiner Sicht ist der Konflikt nur durch Verhandlungen zu lösen. Das bedeutet: „Vermutlich wird es Zugeständnisse an die M23 geben müssen“, so Klitsch-Ott. Andernfalls wollen die Rebellen nach Kinshasa vorrücken. Ob der Marsch auf die 1.600 Kilometer entfernte Hauptstadt gelingt, ist aber fraglich. Beobachter schätzen die Stärke der M23 auf höchstens 6.000 Anhänger.

Gegründet hat sich die Gruppe im April 2012 nach einer Meuterei in der kongolesischen Armee. Die Mehrheit der M23-Kämpfer sind Tutsi. Sie sollen nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von hochrangigen Politikern und Funktionären aus dem Nachbarland Ruanda unterstützt werden. Außerdem habe die ruandische Armee Hilfe bei der Ausbildung und der Bewaffnung geleistet. (KNA/Don Bosco Mission)

Weitere Informationen finden Sie unter www.donboscomission.de und www.caritas-international.de .

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Video

Im Don Bosco Zentrum Ngangi in Goma (eigentlich ein Jugendzentrum) haben sich 6000 Menschen eingefunden. Pater Gavioli beschreibt die Situation als kritisch.

Das Video ist in italienischer Sprache und kann hier abgerufen werden:

Krise im Kongo - Don Bosco Zentrum in Goma