Interreligiöser Dialog in Nigeria überlebenswichtig

  • Aachen - 14.11.2012

Der frühere Generalsekretär der nigerianischen Bischofskonferenz, Fr. George Ehusani, sieht angesichts der Anschläge der radikal-islamistischen Terrorgruppe Boko Haram den interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen in Nigeria als überlebenswichtig an. Das erklärte der Leiter der Friedens-Stiftung „Lux Terra – Zentrum für Führungskräfte“ bei seinem Besuch des Internationalen Katholischen Missionswerks Missio in Aachen.

„Wir wissen, dass es in Nigeria radikale fundamentalistische Muslime gibt, die nirgendwo eine Kirche und auch keine Christen sehen wollen. Das hat eine lange Tradition. Sie wollen das islamische Recht, die Scharia, in ganz Nigeria einführen“, sagte Ehusani. „Doch wir wissen auch, dass das nicht die Einstellung der meisten Muslime in Nigeria ist.“

Interreligiöses Dialogforum

Um das friedliche Miteinander von Christen und Muslimen zu fördern, hat Ehusani mit Unterstützung von Missio auch ein interreligiöses Dialogforum gegründet. „Während gewalttätiger Auseinandersetzungen gab es in der Vergangenheit wenig Dialog zwischen Christen und Muslimen“, erklärte Ehusani. „Das Dialogforum soll als Plattform für fortlaufende Gespräche dienen. Zudem sind wir dabei, friedensfördernde Projekte zu starten, in denen beispielsweise Wissen über die jeweils andere Religion vermittelt wird.“ Dadurch hofft Ehusani, Vorurteile entkräften und gegenseitigen Respekt fördern zu können.

Dazu beitragen soll auch eine halbstündige Diskussionsrunde im Radio und Fernsehen, die zweimal in der Woche ausgestrahlt wird und in der Christen und Muslime Themen von gemeinsamem Interesse diskutieren. Die Sendezeit wird von einem großen privaten Fernsehsender in Nigeria kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Hohe Arbeitslosigkeit, wenig Hoffnung

Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in dem westafrikanischen Land, die besonders Jugendliche betrifft, warnte Ehusani, dass gerade die Jugend anfällig für radikale Ideen sei: „Die Arbeitslosenrate liegt bei 70 Prozent. Es gibt unter den jungen Menschen viel Hoffnungslosigkeit. Wenn du keine Hoffnung hast, beginnst du, den Sinn für den Wert des Lebens zu verlieren. Auf dieser Basis kann Boko Haram Leute rekrutieren“, erklärte Ehusani.

Erst Ende Oktober hatte es einen Anschlag auf die Kirche St. Rita’s im nord-nigerianischen Kaduna gegeben. Ein Selbstmordattentäter war während der Sonntagsmesse mit einem Auto in das voll besetzte Gotteshaus gefahren. Acht Menschen starben und es gab zahlreiche Verletzte. Danach berichteten Medien von allerdings unbestätigten Racheaktionen aufgebrachter Jugendlicher, bei denen zwei Menschen gestorben sein sollen.

„Wenn du keine Hoffnung hast, beginnst du, den Sinn für den Wert des Lebens zu verlieren. Auf dieser Basis kann Boko Haram Leute rekrutieren.“

— Pfarrer George Ehusani

Der Erzbischof von Kaduna, Matthew Man-Oso Ndagoso, stellte mittlerweile auch in einer offiziellen Mitteilung der Erzdiözese ausdrücklich klar, dass es sich hier nicht um einen Glaubenskrieg zwischen Christen und Muslimen in Nigeria handelt. Das Land liege vielmehr im Krieg mit religiösen Fanatikern und Kriminellen, die wahllos unschuldige Nigerianer töteten, gleichgültig welcher Religion sie angehören, so der Erzbischof. „Gute Christen und gute Muslime und alle Menschen guten Willens müssen jetzt zusammenarbeiten, um diese Fanatiker und Kriminellen zu identifizieren, isolieren und nach rechtsstaatlichen Maßstäben zu verurteilen“, schrieb der Erzbischof in dieser Mitteilung wörtlich.

Das vollständige Interview mit Fr. George Ehusani und Informationen zu dessen interreligiösen Dialogforum können Sie auf www.missio-hilft.de lesen. Weitere Informationen zum Interreligiösen Dialog finden Sie außerdem in unserer Themen-Rubrik .

© Missio

Erklärung des Gesprächskreises "Christen und Muslime" beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken: