Den Menschen nahe

  • Bonn - 23.10.2012

Er ist der Erstgeborene aus einer Familie mit neun Kindern. „Wir sind immer arm gewesen“, erinnert sich Father Elias Aiyako, Jugendpfarrer in der Erzdiözese Madang in Papua-Neuguinea. Er ist einer der 14 Gäste des Katholischen Missionswerks Missio, die im Rahmen des Weltmissionsmonats in den deutschen Bistümern unterwegs sind und von ihrem Leben und der Kirche im pazifischen Inselstaat erzählen.

„Die Menschen in Papua-Neuguinea leben ein sehr einfaches Leben“, berichtet Father Elias am Mittwoch im katholisch.de-Magazin. „Viele wohnen auf dem Land in einfachen und traditionellen Hütten.“ Auch er sei in einer kleinen Dorfgemeinschaft aufgewachsen. „Mein Vater war Bauer und Jäger. Wir haben von den Früchten aus unserem Garten gelebt und aus dem Fluss getrunken“, erinnert sich der heutige Diözesanpriester.

Der Besuch einer Schule war für Father Elias keineswegs selbstverständlich: „In Papua-Neuguinea muss man Schulgeld zahlen, vom Kindergarten bis zur Universität“. Als seine Eltern die Kosten nicht mehr tragen konnten, musste Elias die Schule verlassen. Er habe damals Hilfe von den Steyler Missionaren erhalten. Sie ermöglichten ihm den Besuch eines Gymnasiums, an den sich seine Priesterausbildung anschloss: „Ich bin nun seit fast zehn Jahren Priester“, erklärt Father Elias stolz.

„In der Kirche sind wir alle eins. Der Glaube führt uns zusammen.“

— Father Elias Aiyako SVD
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Viele junge Menschen haben keine Zukunftsperspektive

Als Jugendpfarrer begleitet der 48-Jährige junge Menschen in der Erzdiözese Madang auf ihrem Lebensweg, erzählt ihnen von Gott und ermöglicht ihnen eine Schulausbildung. „Hier in Deutschland habe ich auf der Straße kaum Jugendliche gesehen. Sie sind in der Schule oder machen eine Ausbildung“, so Father Elias. In Papua-Neuguinea sähe dies anders aus: „Viele junge Frauen und Männer sind arbeitslos. Sie konnten es sich nicht leisten, zur Schule zu gehen“. Daher sei es wichtig, diese jungen Menschen zu unterstützen und ihnen eine Zukunftsperspektive zu geben.

Kirche als Bindeglied zwischen den Kulturen

Die katholische Kirche spielt in der Gesellschaft Papua-Neuguineas eine wichtige Rolle, erklärt Father Elias: „Bei uns gibt es über 800 verschiedene Sprachen und Volksgruppen. Aber in der Kirche sind wir alle eins. Der Glaube führt uns zusammen.“

Zurzeit befindet sich Papua-Neuguinea in einem rasanten Wandel. Das Land ist reich an Bodenschätzen, deren Abbau den Arbeitern vorübergehend Einnahmen sichert. Doch der Geldsegen erweist sich häufig als Fluch. Viele Arbeiter verprassen das Geld, anstatt die Zukunft ihrer Familien zu sichern. Der Umgang mit Geld und langfristiger Planung haben in der einheimischen Kultur keine Tradition. Prostitution, Aids, Alkohol- und Drogenmissbrauch sind die Folgen. Gewalt, besonders gegen Frauen, ist stark verbreitet.

Die Rechte der Frauen stärken

„In unserer Gesellschaft hatten traditionell nur Männer das Sagen, die Frauen waren ihnen untergeordnet“, erzählt Father Elias. Dies habe sich inzwischen geändert: „Die Kirche hat einen großen Teil dazu beigetragen, die Rechte der Frauen in der Gesellschaft zu stärken.“ Mit verschiedenen Initiativen und bildungsfördernden Maßnahmen setzt sie sich für die Gleichstellung von Mann und Frau ein. Die von den Steyler Missionaren geleitete Universität vergebe beispielsweise 70 Prozent der Plätze bevorzugt an junge Frauen, erklärt der Geistliche. Die vergangenen zehn Jahre hätten bewiesen, dass die Bemühungen der Kirche Früchte tragen: „Wir haben inzwischen viele gut ausgebildete Frauen: Doktorinnen, Rechtsanwältinnen oder Lehrerinnen“, freut sich Father Elias.

© weltkirche.katholisch.de

Der Sonntag der Weltmission

ist der große, weltweite Solidaritätstag der Kirche. Er wurde 1926 von Papst Pius XI. eingeführt und wird seitdem in allen Ländern begangen, in denen es Katholiken gibt. Die Kollekte des Weltmissionssonntags geht traditionell in den Solidaritätsfonds der Päpstlichen Missionswerke.

Weitere Informationen rund um den Sonntag der Weltmission, den Gästen und den Aktions-Materialien finden Sie bei

Missio Aachen

Missio München

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