Flüchtlinge und internationale Solidarität

  • Berlin - 18.10.2012

UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres hat Europa eindringlich zu einer solidarischen Asylpolitik aufgerufen. Europa müsse die Grenzen offen halten, ansonsten hätte dies auch „dramatische Auswirkungen“ auf die Flüchtlingspolitik der Erstaufnahmestaaten in Afrika oder Asien, betonte der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Donnerstag in Berlin.

Zugleich appellierte er an die Europäer, angesichts des Syrienkonflikts stärkere politische und wirtschaftliche Solidarität mit den Anrainerstaaten zu zeigen, die Flüchtlinge aufnehmen. Vor allem der Libanon und Jordanien stünden unter enormem Druck.

Guterres äußerte sich im Rahmen des 31. Forum Globale Fragen, das vom Auswärtigen Amt in Zusammenarbeit mit dem katholischen Hilfswerk Caritas international veranstaltet wurde. Dabei zeichnete der Flüchtlingskommissar ein zunehmend problematisches Bild der internationalen Flüchtlingssituation. Verantwortlich dafür seien die wachsende Zahl an Konflikten und die Schwierigkeit, diese dauerhaft zu befrieden.

Hilfsgüterverteilung der Caritas Goma im Flüchtlingslager Mugunga. Caritas international

Laut Caritas international gab es im Jahr 2011 weltweit über 43 Millionen Flüchtlinge, Binnenflüchtlinge und Vertriebene – Tendenz steigend. Gleichzeitig werden die Fluchtursachen komplexer: Verbreitung von Kleinwaffen und Wiederanstieg von Konflikten, Klimawandel und demografischer Druck zwängen Menschen vielerorts dazu, ihre Heimat zu verlassen. Nach Angaben des UNHCR sind rund drei Viertel der Flüchtlinge inzwischen länger als fünf Jahre in ihrer prekären Lage. Guterres führte die wachsende Zahl an Großkonflikten auf die unklaren Machtverhältnisse nach dem Ende des Ost-Westkonflikts zurück.

Dauerhafte Lösungen für Flüchtlinge finden

Eine größere europäische Solidarität wäre nach den Worten von Guterres nicht nur ein Akt der Humanität, sondern auch des „intelligenten Egoismus“. Wenn die EU nicht helfe, die Schutzsuchenden zurückzuführen oder ihnen in Erstaufnahmeländern eine menschenwürdige Zukunft zu ermöglichen, würden sie nach Europa drängen.

Der Vorsitzende des Bundestagsmenschenrechtsausschusses, Tom Koenigs (Grüne), sprach sich angesichts der demografischen Entwicklung in Europa für eine verstärkte Ressetlement-Politik aus, also die dauerhafte Ansiedlung von Flüchtlingen in Deutschland oder der EU. Angesicht des Fachkräftemangels und der niedrigen Geburtenraten müsse Deutschland ein hohes Interesse an den teilweise gut ausgebildeten oder sehr lernwilligen Flüchtlingen etwa aus Syrien oder dem Iran haben. (KNA/Caritas international)

Caritas international versorgt in Syrien und den Nachbarstaaten Jordanien und Libanon Opfer der Unruhen mit humanitärer Hilfe. Weitere Informationen und Möglichkeiten zu spenden finden Sie bei www.caritas-international.de .

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Das Forum Globale Fragen, 1999 vom Auswärtigen Amt ins Leben gerufen, befasst sich mit einem breiten Spektrum globaler Herausforderungen und führt staatliche und nichtstaatliche Akteure der internationalen Politik in Deutschland zu einem Meinungsaustausch zusammen.

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