Lärmdemo mit 868 Töpfen

  • © Bild: KNA
  • Berlin - 15.10.2012

Anlässlich des Welternährungstages am kommenden Dienstag haben am Wochenende rund 400 Menschen in Berlin mit 868 leeren Töpfen gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln demonstriert. Das von mehreren Nichtregierungsorganisationen veranstaltete „Protest-Orchester“ zog vom Pariser Platz zum Kanzleramt. Durch den Lärm von 868 leeren Töpfen bezeugten die Demonstranten ihre Solidarität für die 868 Millionen hungernden Menschen weltweit.

Veranstalter der Lärmdemo waren unter anderem Misereor, die Katholische Arbeiternehmer-Bewegung (KAB) und die Hilfsorganisation Oxfam. Sie beklagen, dass Finanzakteure, wie Banken, Hedgefonds, Pensions- und Staatsfonds, bei der Spekulation bewusst Risiken eingehen, indem sie auf steigende oder fallende Nahrungsmittelpreise setzen, in der Hoffnung, schnell hohe Gewinne zu erzielen.

Um dem ein Ende zu setzen, fordern die Nichtregierungsorganisationen mehr Transparenz an den Rohstoffbörsen sowie ein Verbot von Investmentfonds an den Agrar-Rohstoffmarkten, strikte Beschränkungen für den Terminhandel mit Nahrungsmitteln über Positionslimits und wirksame Kontrollen durch starke Aufsichtsbehörden.

Erzbischof Schick: Hunger ist Menschenwerk

Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sieht den Hunger in der Welt als ein vom Menschen verursachtes Problem an, welches auch von diesem überwunden werden könne. „Wir müssen weltweit und einstimmig bekennen, dass wir den Hunger satt haben“, sagte Schick, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ist.

„Der Hunger in der Welt ist Menschenwerk, die Überwindung des Hungers ist auch Menschenwerk, an dem alle mitarbeiten müssen.“

— Erzbischof Ludwig Schick
Flüchtlinge aus dem Kongo warten im Flüchtlingscamp Nyakabande bei Kisoro, 520 Kilometer südwestlich von Kamapala, auf die Verteilung von Lebensmitteln. KNA

„Eine Milliarde Menschen hungern heute. Täglich sterben mehr als 25.000 Personen, meist Kinder und Frauen, an Hunger. Damit wäre eine Stadt wie Bamberg in drei Tagen ausgelöscht. Das ist ein Skandal!“, sagt Schick. Hunger werde zwar auch durch Naturkatastrophen verursacht, sei aber vor allem „Menschenwerk“. Kriege zerstörten Felder, töteten Vieh und verursachten dadurch Hunger. Vertreibung und Flucht verhinderten Aussaat und Ernte.

Nach Worten des Erzbischofs zweckentfremden Landgrabbing und großflächiger Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung oder für Luxusgüter der Industrienationen Ackerland in den Entwicklungsländern, das dort dringend für den Anbau von Nahrungsmittel gebraucht wird. „Für Gerechtigkeit und Frieden und gegen Ausbeutung und Protektionismus ist die internationale Politik gefordert“, mahnte Schick.

Jeder kann einen Beitrag leisten

Der Hunger in der Welt könne besiegt werden, zeigte sich Schick überzeugt. Jeder Mensch könne dazu seinen Beitrag leisten, etwa durch einen schonenden Umgang mit Energie. „Wer konsequent heimische Produkte einkauft, das Licht ausschaltet, wenn es nicht gebraucht wird, Elektrogeräte nicht auf Stand-By stehen lässt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, statt mit dem eigenen Pkw, wann immer es möglich ist, leistet einen Beitrag zum Erhalt der Schöpfung und gegen den Hunger in der Welt.“ Die Erderwärmung und die Zerstörung der Natur seien einer der gravierendsten Faktoren für die Ausbreitung des Hungers.

Dazu gehöre auch, keine Lebensmittel wegzuwerfen. Es sei ein Skandal, dass statistisch in Europa jeder Bürger pro Jahr 100 Kilogramm Essen in den Mülleimer werfe, während eine Milliarde Menschen auf der Welt hungern müssen, sagte der Bamberger Erzbischof. „Das Geld, das in Form von überflüssigen Lebensmitteln buchstäblich im Mülleimer landet, sollte besser für hungernde Menschen gespendet werden.“

Die Menschheit sei in der Lage, auf den Mond zu fliegen und am Gehirn zu operieren, da müsse es auch möglich sein, dass alle Menschen genug zu essen bekommen. „Der Hunger in der Welt ist Menschenwerk, die Überwindung des Hungers ist auch Menschenwerk, an dem alle mitarbeiten müssen.“

© weltkirche.katholisch.de

Weiterführende Links

Der Kampf gegen Hunger und Armut ist eines der zentralen Anliegen, für die sich das Bischöfliche Hilfswerk Misereor einsetzt. Weitere Informationen zu Nahrungsmittelspekulationen finden Sie auf:

www.misereor.de

Rund um den Tag der Welternährung am 16. Oktober und den Tag der internationalen Armutsbekämpfung am 17. Oktober veranstaltet das VENRO-Projekt „Deine Stimme gegen Armut – Entwicklung braucht Beteiligung“ eine bundesweite Aktionswoche:

www.deine-stimme-gegen-armut.de

Weitere Informationen zum Thema Hunger und Armut finden Sie in unserer Themen-Rubrik:

Artikel: Hunger und Armut

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