Thissen: Weniger Fleisch konsumieren!

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  • Hamburg - 09.10.2012

Anlässlich des Welternährungstags kommende Woche fordert Misereor-Bischof Werner Thissen die Menschen in Deutschland dazu auf, den eigenen Fleischkonsum kritisch zu überdenken und ganz bewusst weniger Fleisch zu essen.

"Wir müssen uns bewusst werden, dass unser Konsumverhalten auf Kosten anderer Menschen und unserer Umwelt geht", erklärte Thissen. "Die Massenproduktion von Schweinefleisch zu Billigpreisen hier bei uns hat dramatische Auswirkungen für Menschen in den Südkontinenten. Insbesondere die Heranzucht von Schweinen basiert auf importiertem Soja. Die Flächen, die wir im Süden für den Sojaanbau nutzen, führen zur Verdrängung bäuerlicher Familienbetriebe", erklärte Thissen.

„Unser Fleischkonsum hat also etwas mit der Situation von Millionen hungernder Menschen in der Welt zu tun. Das sollten wir uns gerade anlässlich des Welternährungstags deutlich vor Augen führen.“

— Misereor-Bischof Werner Thissen
Neuerdings haben die Agrarunternehmen Paraguay für sich entdeckt. Inzwischen befindet sich ein Großteil der fruchtbaren Landflächen Ostparaguays in Händen brasilianischer Großgrundbesitzer. Das Nachsehen haben vielerorts die Kleinbauern. Escher/Adveniat

In Paraguay, dem ärmsten Land Südamerikas, werden 73% der landwirtschaftlichen Nutzfläche für den Anbau von Exportsoja verwendet. Die Gewinne aus diesem Geschäft landen in den Händen weniger. Der Mehrheit der Paraguayer fehlt aber Land, um sich selbst ernähren zu können. Immer wieder berichten Misereor-Partner von gewaltsamen Vertreibungen. Auch werden durch den intensiven Einsatz von Pestiziden in den Sojamonokulturen die Böden vergiftet, was zu Gesundheitsschäden führt. "Unser Fleischkonsum hat also etwas mit der Situation von Millionen hungernder Menschen in der Welt zu tun. Das sollten wir uns gerade anlässlich des Welternährungstags deutlich vor Augen führen", so der Misereor-Bischof.

2011 wurden 59 Millionen Schweine geschlachtet

Weltweit steigt der Fleischkonsum rapide an und wird sich, Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO zufolge, bis 2050 verdoppeln. Die größte Menge, über 100 kg pro Kopf und Jahr, wird auch dann weiterhin in den Industrieländern gegessen werden. Deutschland ist weltweit der drittgrößte Produzent von Schweinefleisch. 2009 wurden über 55 Millionen Schweine in Deutschland geschlachtet. 2011 waren es bereits 59 Millionen. Allein für die Sojaimporte nimmt die EU-Landwirtschaft im Süden dreimal soviel Ackerfläche in Beschlag wie ihr in Deutschland insgesamt zur Verfügung stehen.

"Wenn wir bewusst ein oder zweimal die Woche auf Fleisch verzichten und uns nach Möglichkeit mit regional produzierten Produkten versorgen, unterstützen wir hier bei uns eine bäuerliche, nachhaltige Landwirtschaft. Gleichzeitig tragen wir dazu bei, dass die Hungernden in der Welt eine größere Überlebenschance bekommen", erklärte Thissen.

Eine kritische Überprüfung des individuellen Fleischkonsums kann aber alleine nicht reichen. Sie muss unterstützt werden von politischen Rahmenbedingungen und Weichenstellungen, die eine andere Fleisch- und Landwirtschaftspolitik ermöglichten. "Misereor fordert daher von der Politik, dass Regeln und Anreize geschaffen werden, die zu einer Abkehr der industriellen Massentierhaltung führen. Zum Beispiel indem die Aufzucht von Tieren wieder stärker an die zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Flächen gekoppelt werden", so Thissen.

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870 Millionen Menschen hungern weltweit

Weltweit hungern 868 Millionen Menschen, 852 Millionen davon in Entwicklungsländern. Das geht aus dem Welthungerbericht hervor, der am Dienstag von der UN-Ernährungsorganisation FAO gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm WFP und dem Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) in Rom vorgestellt wurde. Der Anteil der Hungernden in den Entwicklungsländern sank demnach seit 1992 von 23,2 auf jetzt 14,9 Prozent. Obwohl sich der Rückgang der Unterernährung verlangsamt habe, sei das Ziel der Vereinten Nationen, die Hungerquote in diesen Ländern bis 2015 auf 11,6 Prozent zu halbieren, noch immer in Reichweite. (KNA)

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