Bischofssynode zur Neuevangelisierung

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  • Vatikan - 05.10.2012

Rund 300 Bischöfe der katholischen Weltkirche treten ab Sonntag zur 13. Ordentlichen Bischofssynode im Vatikan zusammen. Drei Wochen lang wollen sie beraten, wie die Kirche einer verbreiteten Glaubensmüdigkeit, einer Entfremdung und Abwanderung von Katholiken und einem Rückgang der religiösen Praxis entgegenwirken kann.

„Die Neuevangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens“ lautet das Thema. Vor allem will das Gipfeltreffen die christlichen Länder des Westens in den Blick nehmen, in denen sich immer mehr Menschen von der Kirche entfernen. Impulse erhofft sich die Synode von zwei großen Jubiläen: der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) vor 50 Jahren und der Veröffentlichung des Katechismus der Katholischen Weltkirche vor 20 Jahren.

In vielen Ortskirchen erlebe man heute eine Schwächung des Glaubenslebens, heißt es im Programmpapier der Synode. Der Gottesdienstbesuch nehme ab, ebenso die Zahl der Priester. Die Anerkennung der Verbindlichkeit des Lehramtes gehe zurück, die Zugehörigkeit zur Kirche werde zunehmend privatisiert, auch in einem mitunter kirchenfeindlichen Klima. Zudem gerate die Weitergabe des eigenen Glaubens an die nachfolgende Generation zunehmend aus dem Blick, lautet die nüchterne Analyse auf Grundlage einer Umfrage in der Weltkirche.

Antworten auf anhaltende Säkularisierung finden

Bei der Neuevangelisierung" gehe es nicht um ein „neues Evangelium“, heißt es in dem Grundlagenpapier. Vielmehr komme es auf eine «den Zeichen der Zeit entsprechende christliche Antwort auf die Bedürfnisse der Menschen und Völker unter den heutigen kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten» an. Dazu müsse die Kirche die „neuen Szenarien entschlüsseln“, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden seien. An erster Stelle gehöre dazu die anhaltende Säkularisierung. Sie äußere sich heute weniger in einer direkten Absage an Gott, Religion oder Christentum, sondern in einer Mentalität, die Gott aus dem menschlichen Leben und Bewusstsein ausklammere.

Weiter müsse die Kirche dem Phänomen der Migration Rechnung tragen. Das Aufeinandertreffen und die Mischung der Kulturen fördere eine „Zerbröckelung der grundlegenden Bezugspunkte des Lebens, der Werte, der Bindungen“. In diesem „Klima extremer Flüchtigkeit“ bleibe immer weniger Platz für große Traditionen wie die Religion. Aber auch die allgemeine Wirtschaftslage mit wachsenden Spannungen, Ungleichheiten und Gewalt stelle die Kirche vor Herausforderungen, so der Grundlagentext. Das gleiche gelte für die Veränderungen in der Politik. Die Krise der kommunistischen Ideologie und das Ende der beiden Blöcke habe der Religionsfreiheit mehr Raum gegeben. Zugleich seien neue ökonomische, politische und religiöse Akteure aufgetaucht wie der Islam oder asiatische Traditionen samt neuen Möglichkeiten und Risiken.

Auch Medienlandschaft im Blick

Als weitere Szenarien betrachtet die Synode den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt – im positiven wie im negativen Sinn. Wissenschaft und Technik drohten zu den neuen Idolen zu werden, zur „neuen Religion“. Weiter müsse die Kirche im Rahmen ihrer neuen Evangelisierung die veränderte Medienlandschaft insbesondere durch das Internet in den Blick nehmen.

In dieser Situation sei eine erneuerte Dynamik, seien der Schwung und Eifer der Urkirche gefragt, samt neuen Methoden und neuen Ausdrucksformen, so das Grundlagenpapier: „Nur ein fester und starker Glauben ... kann die vielen mittel- und langfristigen pastoralen Projekte beseelen, den bestehenden Strukturen Leben einhauchen sowie die pastorale Kreativität hervorbringen, die auf der Höhe der Bedürfnisse des Menschen von heute und der gegenwärtigen Gesellschaft ist“. Sicher gebe es schon viele verheißungsvolle Aspekte der evangelisierenden Aktivität der Kirche in allen fünf Kontinenten, aber es bleibe noch Vieles zu vertiefen, so das „Arbeitspapier“ der Synodalen.

Zur Synode entsenden alle nationalen und regionalen Bischofskonferenzen - je nach Größe - zwischen einem und vier Delegierten. Hinzu kommen Vertreter der Kurie und 36 eigens vom Papst berufene Mitglieder. Dazu gehört auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner. Aus den deutschen Bistümern nehmen weiterhin der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und die Bischöfe Franz-Josef Bode und Franz-Peter Tebartz-van Elst an der Weltbischofssynode teil.

Von Johannes Schidelko

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Die Bischofssynode, eine Versammlung von Vertretern der Bischofskonferenzen der einzelnen Länder und der Ordensgemeinschaften, ist ein Beratungsorgan des Papstes. Es wurde 1965 von Papst Paul VI. eingerichtet. Die Synode hat keine Entscheidungsbefugnis, wodurch sie sich vom allgemeinen Konzil unterscheidet. Als Forum der gegenseitigen Information und Beratung unterstützt die Bischofssynode den Papst bei der Bewahrung der Einheit der Gesamtkirche.

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