Flucht ist kein Verbrechen

  • Flucht und Asyl - 28.09.2012

Millionen Menschen flohen 2012 aus Ländern wie Syrien, Mali oder aus dem Kongo. Nur ein Bruchteil von ihnen ist als Flüchtling anerkannt und genießt internationale Rechte. Dennoch fliehen Menschen aus allen Teilen der Welt vor Gefahren, Hunger und Ausweglosigkeit. Die Zahl der Anerkennung von Flüchtlingen in Deutschland aber stagniert trotz Zunahme der Gesuche. In Deutschland ist heute Weltflüchtlingstag – weltweit ist für eine riesige Zahl von Menschen jeder Tag ein Fluchttag.

Der bundesweite Tag des Flüchtlings wird seit seiner Gründung vor 26 Jahren von der Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge Pro Asyl koordiniert. Diese forderte anlässlich des Aktionstags ein Aufnahme- und Integrationskonzept für Flüchtlinge. In den vergangenen Jahren seien Aufnahmekapazitäten plan- und konzeptlos abgebaut worden, kritisierte Pro Asyl am Donnerstag in Frankfurt. Dies sei der Grund für die Unterbringungsprobleme von Flüchtlingen in einigen Regionen Deutschlands.

Ausdrücklich warnte Pro Asyl vor einer „verbalen Aufrüstung“ gegen Flüchtlinge. Worte wie „Ansturm“ oder „Notstand“ schürten Bedrohungsängste. Eine Absage erteilte die Arbeitsgemeinschaft dem Asylbewerberleistungsgesetz. Es grenze Menschen aus und verhindere Integration. Eine frühestmögliche Integration sei sowohl in ihrem als auch im Interesse der Bundesrepublik. „Integration muss am ersten Tag beginnen“, so Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl. Dazu gehörten auch der Zugang zu Deutschkursen, zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sowie eine Unterbringung in Wohnungen.

„Integration muss am ersten Tag beginnen.“

— Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl
Hilfsgüterverteilung der Caritas Goma im Flüchtlingslager Mugunga. Caritas international

Nach Angaben von Pro Asyl beantragten in den ersten acht Monaten dieses Jahres 33.284 Menschen in Deutschland Asyl. Hauptherkunftsländer seien Afghanistan, der Irak, Serbien, Syrien und der Iran gewesen. Niemand könne davon ausgehen, dass die Konflikte dort kurzfristig endeten, so Pro Asyl. Der Anstieg der Flüchtlingszahlen sei aber überschaubar.

Das diesjährige Motto des Tag des Flüchtlings lautet: „Flucht ist kein Verbrechen“. „Wir begrüßen dieses Motto“, so Pater Clemens Schliermann SDB, Leiter der Don Bosco Mission in Bonn, die Flüchtlinge unterstützt. „Denn es ist kein Verbrechen, seine Lebensumstände verbessern zu wollen.“ Rechtfertigung sei dafür nicht nötig. Dies steht im klaren Widerspruch zu der herrschenden Politik der Flüchtlingsanerkennung, wie sie auch in Deutschland praktiziert wird. „Flüchtlingslager und Wartezeiten auf Asylgesuche verschärfen die ohnehin prekäre Situation noch und lassen gerade junge Menschen verkümmern. Die Wartezeit ist unproduktiv und schädlich für ihre Entwicklung“, hebt der Ordensmann hervor.

© Pro Asyl /Interkulturelle Woche/Don Bosco Mission/KNA/Kretschmann

Tag des Flüchtlings

Seit 1986 findet regelmäßig am Freitag in der Interkulturellen Woche der Tag des Flüchtlings statt. Dieser Aktionstag wird bundesweit seit der Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl (1986) von dieser koordiniert und ist seitdem einer ihrer Hauptarbeitspunkte. Die Initiative, einen bundesweiten Tag des Flüchtlings innerhalb der Interkulturellen Woche auszurichten, ging damals vom Ökumenischen Vorbereitungsausschuss zur Interkulturellen Woche (ÖVA) und vom DGB-Bundesvorstand aus. Zum Tag des Flüchtlings ruft Pro Asyl ein Motto aus und erstellt ein Materialheft sowie ein Plakat, die zusammen mit den Materialen zur Interkulturellen Woche verschickt werden. Der diesjährige Aktionstag steht unter dem Motto „Flucht ist kein Verbrechen“.

Pro Asyl

Engagierter Einsatz für junge Flüchtlinge

Auf die Nöte junger Flüchtlinge reagieren die 16.000 Salesianer und ihre mehr als 300.000 Mitarbeiter weltweit. In Mexiko und Kolumbien, im Sudan und Sri Lanka, aber auch in Deutschland, wo zuletzt sechs Gruppen für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge eröffnet wurden. Besonders wichtig sei neben der psychosozialen Betreuung, auch die Weiterbildung. Sprachkurse und berufliche Kurzkurse können gerade die Wartezeiten zwischen Anerkennung und Asyl sinnvoll verkürzen.

Don Bosco Mission