Warnung vor Eskalation der Gewalt in Nigeria

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  • Fulda - 27.09.2012

Der nigerianische Erzbischof Ignatius Kaigama (54) hat vor einer weiteren Eskalation der Gewalt in seinem Land gewarnt. "Wir sind nicht im Krieg, aber am Rande eines Krieges", sagte der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz des Landes am Donnerstag am Rande der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda.

Kaigama rief die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf die nigerianische Regierung auszuüben, damit Gewalt und Korruption bekämpft würden. Nur so könne ein friedliches Zusammenleben in dem Land gewährleistet werden.

Als Fortschritt wertete es der Geistliche, dass es bei den Demonstrationen gegen das Islam-Video in Nigeria keine Eskalation der Gewalt gegeben habe. Die muslimischen Führer hätten zu Besonnenheit aufgerufen. Möglicherweise führe die Bedrohung durch die islamistische Sekte Boko Haram auch dazu, dass Religionsvertreter näher zusammen rückten.

Der Erzbischof warf der Regierung Nigerias und den staatlichen Sicherheitskräften Versagen im Kampf gegen Boko Haram vor. Die Regierung sei offenbar nicht imstande, die öffentliche Sicherheit zu garantieren und aufzuklären, woher Boko Haram Geld und Waffen beziehe. Vor allem sollten die Behörden die Finanziers, die teils aus Nigeria, teils aus dem Ausland kämen, aufdecken. Diese seien für die immer bessere Versorgung mit Waffen verantwortlich.

Erzbischof Robert Zollitsch ist am am 3. September 2009 mit Erzbischof Ignatius Kaigama, seiner königlichen Hoheit, Alhaji Mohammadu Mu''azu Babangida, Emir von Kanam; und seiner königlichen Hoheit, Alhaji Haruna Abdullahi, Emir von Wase, zu einem Gespräch in Jos zusammen getroffen. KNA

Der Erzbischof bekräftigte zugleich, dass die Konflikte im Land nicht in erster Linie religiöser Natur seien, sondern eine Vielzahl sozialer und wirtschaftlicher Ursachen hätten. Religion sei nur ein Faktor. Allerdings führe die Gewalt von Boko Haram zu wachsenden Spannungen und Misstrauen zwischen Christen und Muslimen sowie zwischen Nord und Süd. Vordringlich sei es, den rund 25 Millionen jungen Nigerianern ohne feste Arbeit eine Perspektive zu bieten. Auch müssten die Korruption bekämpft und die Reichtümer des Landes besser verteilt werden.

Für einen Dialog mit Boko Haram sieht der Vorsitzende der Nigerianischen Bischofskonferenz derzeit wenig Chancen. Es handle sich um eine gesichtslose Vereinigung, die mit größter Gewalt agiere und äußerst schwer zu fassen sei, sagte der Erzbischof von Jos im östlichen Zentralnigeria. Ihre Gewalt richte sich gegen Regierungsvertreter und Christen, aber auch gegen liberale Muslime. Bei dem Anschlag eines Selbstmordattentäters auf die katholische Kathedrale von Bauchi war am Sonntag mindestens ein Mensch getötet und mehrere verletzt worden.

"Boko Haram" bedeutet etwa soviel wie "Westliche Bildung ist Sünde". Die Gruppe will einen islamischen Gottesstaat in Nigeria errichten. Auf ihr Konto gehen zahlreiche Anschläge unter anderem auf christliche Kirchen. Nigeria ist mit rund 155 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Afrikas. Über die Hälfte der Einwohner bekennt sich zum Islam; der Anteil der Christen in Nigeria wird mit 40, teils mit rund 48 Prozent angegeben. Vor allem der Norden ist fast ausschließlich islamisch, der Süden vorwiegend christlich geprägt.

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Zur Person

Erzbischof Dr. Ignatius Kaigama wurde 1958 in Kona im Bundesstaat Taraba in Nigeria geboren. Nach seiner Ausbildung am St. Augustine’s Seminar in Jos wurde er 1981 zum Priester geweiht. An der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom absolvierte er zudem ein Promotionsstudium, das er 1991 mit Doktor der Theologie beendete. 1995 wurde er zum ersten Bischof der neu gegründeten Diözese Jalingo ernannt; fünf Jahre später berief ihn Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Jos.

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