Konjunkturprogramm statt sozialer Wohnungsbau

  • Wohnungsbau - 25.09.2012

Brasiliens Regierung will ein Programm zum sozialen Wohnungsbau für Arme nun auf die wachsende Mittelschicht des Landes ausdehnen. Damit solle zum einen die stockende Wirtschaft angekurbelt sowie Wohnraum für die wachsende Mittelschicht in den urbanen Zentren geschaffen werden, berichtete die brasilianische Presse am Dienstag. Ohnehin verhindere die aufgeheizte Grundstücksspekulation die Bereitstellung von Grundstücken für Billigwohnungen.

Den Berichten zufolge sollen künftig auch Familien mit einem Einkommen von umgerechnet mehr als 2.000 Euro staatliche Zuschüsse bekommen können. Zudem solle das Limit für förderungswürdige Wohnungen von bislang 65.000 Euro deutlich angehoben werden. In den nächsten Tagen sollen die neuen Grenzen verkündet werden. Die Regierung reagiert damit auf die stark gestiegenen Grundstückspreise in den Großstädten, die es einem Teil der Mittelschicht unmöglich macht, dort eigenen Wohnraum zu erwerben.

Ziel der Regierung ist laut den Presseberichten die Schaffung von 2,4 Millionen Häusern bis 2014. Dafür sollten insgesamt gut 20 Milliarden Euro investiert werden. Im August hatte Staatspräsidentin Dilma Rousseff erklärt, eine Million Häuser seien bereits fertiggestellt. Das Programm „Minha casa, minha vida“ (Mein Haus, mein Leben) helfe „der gesamten Bevölkerung, weil es unsere brasilianische Wirtschaft ankurbelt“, so die Präsidentin.

Das Programm vergibt Zuschüsse sowie Baukredite unter Marktpreis. Familien mit bis zu 600 Euro Monatseinkommen erhalten Zuschüsse von bis zu 95 Prozent des Kaufpreises. Allerdings stellen die Kommunen für solche Wohnungen kaum Grundstücke zur Verfügung. So rücken Angebote an Mittelschichtfamilien in den Fokus der Förderung. In den ärmsten Bevölkerungsschichten greift das Programm schlecht, da die Familien selbst den geringen Eigenanteil nicht aufbringen können.

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