Interreligiöses Friedenstreffen in Sarajevo

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  • Friedenstreffen - 05.09.2012

Staats- und Regierungschefs aus Europa, Religionsführer aus aller Welt sowie acht Kardinäle werden für Sonntag zum interreligiösen Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant''Egidio in Sarajevo erwartet. Im Mittelpunkt der Begegnung vom 9. bis 11. September stehen der 50. Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und des damals ins Leben gerufenen interreligiösen Dialogs sowie das Gedenken an den Beginn des Bosnien-Kriegs vor 20 Jahren.

Sant''Egidio veranstaltet seine jährlichen Friedenstreffen nach dem Vorbild der historischen Weltgebetstage für den Frieden in Assisi (1986 und 2010) in verschiedenen Städten, um die Friedensbotschaft von Assisi zu verbreiten. Im Vorjahr war München Schauplatz. Seit 2002 finden die Treffen immer im September statt, um auch der Opfer der Terroranschläge auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 zu gedenken.

Mitveranstalter des Sarajevo-Treffens sind mehrere Religionsgemeinschaften Bosnien-Herzegowinas. Das Thema lautet «Zusammenleben ist die Zukunft - Religionen und Kulturen im Dialog». Zum Abschluss des Friedenstreffens findet am Dienstag eine Friedensprozession statt, an deren Ende der Friedensappell 2012 verabschiedet wird.

Prominente Teilnehmer aus der Region Südosteuropa sind unter anderen Kardinal Vinko Puljic, der serbisch-orthodoxe Belgrader Patriarch Irinej, die Staatspräsidenten Bakir Izetbegovic (Bosnien), Ivo Josipovic (Kroatien) und Filip Vujanovic (Montenegro), Großmufti Mustafa Ceric sowie Oberrabbiner Yitshak Asiel. Aus Westeuropa und den USA haben sich EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Italiens Ministerpräsident Mario Monti, vier französische Kardinäle, Rabbiner Israel Singer und Maram Stern vom Jüdischen Weltkongress sowie der Generalsekretär des Weltkirchenrates Olav Fykse Tveit angesagt.

Von Sarajevo, das vor 20 Jahren im Zuge des Bosnien-Krieges «ein Martyrium durchlebte, kann ein neuer Geist der Begegnung ausgehen, der alte Wunden und Hass überwindet», zeigt sich die Gemeinschaft Sant''Egidio überzeugt. Auch Kardinal Puljic, der Vorsitzender der Bischofskonferenz für Bosnien und Herzegowina ist, sieht in Sarajevo «ein Paradigma für das Zusammenleben verschiedener Menschen»; das Friedenstreffen könne «ein Zeichen der Hoffnung für die Neugeburt einer Region» sein, die viel Leid erfahren habe.

Die Belagerung von Sarajevo im Bosnien-Krieg hatte am 5. April 1992 mit der Einnahme des internationalen Flughafens durch die Jugoslawische Volksarmee begonnen. Sie endete am 29. Februar 1996 und war mit 1.425 Tagen die längste Belagerung im 20. Jahrhundert. Während der Belagerung wurden etwa 11.500 Menschen aller Ethnien getötet, darunter 1.600 Kinder.

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