UN: In Syrien sind 300.000 Kinder von Hilfe abgeschnitten

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  • Syrien - 16.01.2017

Mehrere UN-Organisationen haben einen sofortigen „sicheren Zugang“ zu Kindern und Familien gefordert, die in Syrien noch immer von humanitärer Hilfe abgeschnitten seien. In dem Bürgerkriegsland gebe es derzeit 15 belagerte Gebiete, in denen bis zu 700.000 Menschen eingeschlossen seien, darunter schätzungsweise 300.000 Kinder, betonten die Repräsentanten der UN-Organisationen in einer am Montag im schweizerischen Davos veröffentlichten gemeinsamen Erklärung.

Fast fünf Millionen Menschen, darunter mehr als zwei Millionen Kinder, leben den Angaben zufolge in Gebieten, „die nur äußerst schwer mit humanitärer Hilfe zu erreichen sind“. Grund seien Kämpfe, die dortige unsichere Lage oder eingeschränkter Zugang.

Unterzeichnet wurde die Erklärung von der Geschäftsführerin des UN-Welternährungsprogramms (WFP), Ertharin Cousin, dem Direktor des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Anthony Lake, der Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, dem UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien, und dem Flüchtlingshochkommissar der Vereinten Nationen, Filippo Grandi.

„In ganz Syrien leiden die Menschen weiterhin“, hieß es. Ihnen fehlten grundlegende Dinge des Lebens, außerdem gebe es ein anhaltendes Gewaltrisiko. „Wir, ja die Welt, dürfen nicht schweigen, während die Parteien des Konflikts weiterhin die Verweigerung von Nahrungsmitteln, Wasser, medizinischer Versorgung und anderen Hilfsmitteln als Waffe im Krieg verwenden.“

 

Hilfsorganisationen wie Caritas International leisten auch innerhalb Syriens über lokale Partner humanitäre Hilfe. Dazu gehören medizinische Behandlungen und Grundnahrungsmittel für besonders bedürftige Familien.

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Gerade für die Kinder bestehe ein erhöhtes Risiko der Unterernährung und Dehydrierung, von Durchfall, Infektionskrankheiten und Verletzungen. Viele bräuchten Hilfe, nachdem sie traumatischen Ereignissen oder Gewalt ausgesetzt gewesen seien. „Tragischerweise haben viel zu viele Kinder kaum etwas anderes als Konflikt und Verlust in ihrem jungen Leben kennengelernt“, so die UN-Verantwortlichen.  Besonders die Lage in der syrischen Stadt Aleppo ist nach Angaben von Unicef weiterhin „sehr kritisch“. Die Waffenruhe sei brüchig, viele Menschen harrten in Ruinen aus, sagte die Sprecherin von Unicef Deutschland, Ninja Charbonneau, am Sonntag im Kölner domradio. Für Helfer bleibe viel zu tun, da viele Menschen „sehr geschwächt durch die monatelange Belagerung“ seien.

Besonders besorgniserregend sei die Situation vieler Kinder, so Charbonneau weiter. „Manche Kinder dort sind alleine, haben in dem Chaos ihre Eltern verloren.“ Viele seien verängstigt, schwer traumatisiert oder in gesundheitlich schlechtem Zustand. Unicef versuche, die Kinder wieder mit Familienangehörigen zusammenzubringen; oft wisse jedoch niemand, ob die Eltern noch leben.

Die Schrecken der Belagerung der östlichen Bezirke von Aleppo seien inzwischen zwar aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. „Aber wir dürfen nicht zulassen, dass die Bedürfnisse, das Leben und die Zukunft des syrischen Volkes aus dem Gewissen der Welt verschwinden“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung der Hilfswerke, die mit einem Appell endet: „2017 dürfen sich die Tragödien von 2016 für Syrien nicht wiederholen.“

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Caritas international vor Ort

Nach beinahe sechs Jahren Krieg haben viele Menschen nicht mehr genug zu Essen für sich und ihre Familien, Wasser und Strom sind Mangelware, Preise für Nahrung und Dinge des täglichen Bedarfs sind ins Unermessliche gestiegen. Seit Beginn der Krise sind Hilfsprojekte von Caritas international unter anderem in Damaskus, Aleppo, Hama, Homs, Deir Ez-Zor, Tartous, Latakia, Idlib und im Nordosten Syriens in der Provinz al-Jaziré über Caritas Syrien und andere lokale Partner initiiert worden. Der Schwerpunkt der Caritas Arbeit in Syrien liegt auf der Nothilfe. Trotz der extrem schwierigen Umsetzungsbedingungen für die Partner vor Ort konnte Caritas international ihre Hilfen innerhalb Syriens im Jahr 2016  ausweiten.

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