Teilnehmerbericht: Entwicklung beginnt in Deutschland

  • Teilnehmerbericht - 24.06.2017

Rapha Breyer ist Referent für Entwicklungsfragen an der BDKJ-Bundesstelle in Düsseldorf. Als Teilnehmer der Jahrestagung Weltkirche und Mission hat er vor allem eines mitgenommen: Entwicklung muss auch gerade hier bei uns in Deutschland stattfinden.

Am Mittwoch war es Zeit, konkret zu werden. Wo findet integrale Entwicklung in der Praxis statt und was macht sie aus? Die theoretisch aufgeworfenen Fragen zu Religion und Entwicklung des Vortages sollten an der Praxis weiter geprüft werden. Dazu gab es vier Impulse mit anschließendem Gruppenaustausch.

Religion und Entwicklung

Die Jahrestagung Weltkirche und Mission 2017 fand vom 21. bis 23. Juni in Würzburg statt. Hier finden Sie das Programm und Hintergrundberichte zum Thema der Tagung: Religion und Entwicklung.


Zum Dossier

Erzbischof Petro Barreto skizzierte den Zusammenschluss Repam (Kirchliches Netzwerk für Indigene im Amazonasgebiet), welcher versucht, als ganzheitliche Methode für Entwicklung alle an selbiger teilhaben zu lassen. Dabei geht es darum, die fortschreitende Zerstörung der Natur im Amazonasgebiet aufzuhalten und die Menschen seelsorgerisch zu begleiten. Barreto beschrieb, wie dieses Konzept der Gedankenwelt von Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato si‘ entspricht.

Father Shay Cullen definiert in seinem Vortrag Entwicklung damit, dass es darum gehe, gängige Strukturen in Frage zu stellen. Für sein Projekt „Preda“ ist dies der Kampf gegen Prostitution und die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Frauen in Olongapo auf den Philippinen. Seit vielen Jahrzehnten versucht er dabei zu helfen, die Menschen zu ermächtigen, selbst für ihre Rechte einzustehen und alternative Lebensgrundlagen zu schaffen. Für die anschließende Diskussionsgruppe war es wichtig, zu betonen, dass eine integrale Entwicklung von der gesamten Kirche getragen werden muss, vor allem dann, wenn es um die Einhaltung von Menschenrechten geht.

Gerade die interreligiöse Ebene integraler Entwicklung beschrieb Schwester Kordula Weber, die seit 2005 in Mauretanien ein Frauenzentrum leitet. Sie beschrieb, dass in einem Land mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung nur gemeinsam das Ziel der Stärkung von Frauen und Mädchen erreicht werden kann.

Die Entwicklungspotenziale von Freiwilligendiensten auf allen Seiten stellte Jennifer Mumbure, Koordinatorin der Rückkehrendenarbeit bei Missio, in den Mittelpunkt. Die unvergleichliche Chance von MissionarInnen auf Zeit sei es, unbefangen und ohne Leistungsdruck mit Menschen im globalen Süden in Kontakt zu kommen. Davon können Einsatzstellen ebenso profitieren wie die Freiwilligen selbst.

Christoph Bals, der am Nachmittag über gesellschaftliche Transformation referierte, beschrieb dort vor allem auch die Mitgestaltungsmöglichkeiten kirchlicher AkteurInnen bei Veränderungen in Deutschland. Als Beispiele nannte er den Kohleausstieg und auch das Divestment, also das Abziehen von Finanzmitteln aus fossilen Energieträgern. In der anschließenden Diskussion waren sich Bals und Pirmin Spiegel einig, dass unser Agieren in den nächsten 10 bis 20 Jahren darüber entscheidet, ob ein gutes Leben auf der Erde weiter möglich ist. Dabei sei es wichtig, dass es keine institutionelle Borniertheit bei der Umsetzung gebe.

Gerade der letzte Programmpunkt war für mich wichtig, um zu verdeutlichen, dass Entwicklung auch gerade hier bei uns in Deutschland stattfinden muss. Es darf nicht in erster Linie um einen überheblichen Entwicklungsbegriff gehen, welcher ein reines Aufholen eines „Entwicklungsdefizits“ in Ländern und Gesellschaften des globalen Südens beschreibt.

Von Rapha Breyer, Referent für Entwicklungsfragen an der BDKJ-Bundesstelle.

© weltkirche.katholisch.de